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Montagsthemen (vom 17. September)

Sie ist überstanden, die unheimlich gut gemeinte Aktion »Geh deinen Weg«. Nachtrag: Das vielzitierte Interview mit einem anonymen schwulen Bundesligaprofi, veröffentlicht im »Fluter«, dem Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung, sei wahrscheinlich ein Fake, sagt der Chefredakteur von »11 Freunde«. Dieses Fußball-Magazin gilt als bestinformiert und näher am Ball als andere. Die Zweifel an der Echtheit des Interviews beruhen auf unglaubwürdigen Aussagen über die Toleranz der Mannschaftskameraden des angeblich Interviewten.
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Das Leben in der Kabine und unter der Dusche, es ist nun mal ein anderes. Angela Merkel wird es nie kennenlernen, und wenn sie Mesut Özil noch so oft auf den nackten Pelz rückt. Özil wurde damals rot, Szabolcs Huszti bekam Rot, was durchaus miteinander zu tun hat. Huszti riss sich vor Freude das Trikot vom Leib, was nach den Statuten der FIFA bestraft werden muss. Der Grund dafür ist alt, aber immer noch nicht so richtig bekannt: In der nichtwestlichen Welt, so die FIFA (wirklich!), gilt es als unmoralisch, einen nackten Männerkörper öffentlich vorzuführen. Wir wollen also das Schamgefühl unserer islamischen Brüder und Schwestern nicht beleidigen, denn das könnte, siehe Khartum und anderswo, böse enden. Um Allahs Willen nur ja den Islam nicht reizen! Da kann Szabolcs Huszti von Glück reden, dass nur die rote Karte und nicht die Fatwa über ihn verhängt wurde. Noch mehr Glück hatte Özil, denn er ging völlig straffrei aus, sieht man einmal davon ab, zwischen Kabine und Dusche von der Bundeskanzlerin behelligt zu werden.
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So, das war die einfache, die plakative Version. Die ganze Wahrheit ist aber noch alberner, denn Huszti flog nicht wegen des Trikotausziehens vom Platz (dafür gab es die erste gelbe Karte), sondern wegen des anschließenden Bades in der Menge auf dem Zaun (zweite gelbe Karte = gelbrot = Platzverweis plus ein Spiel Sperre). Dafür kann der Islam gar nichts, das ist ganz alleine auf dem buchstäblichen FIFA-Mist gewachsen. Dem Schiedsrichter wird daher korrektes Verhalten bescheinigt, er hatte sogar Mitleid mit Huszti. Dennoch verhielt er sich eher unangemessen überkorrekt, denn sich im Überschwang der Freude das Trikot auszuziehen und auf den Zaun zu springen, das haben schon viele Schiedsrichter als eine zusammengehörige Aktion bewertet und daher nur eine gelbe Karte gezückt, und sie wurden danach nicht von der FIFA exekutiert.
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Natürlich können wir hier auch unseren sportlichen Senf in Sachen muslimische Botschaftsstürmer dazu geben: Haben Sie das Bild der beiden gesehen, die in Khartum das Hoheitszeichen der deutschen Botschaft demontieren? Sieht der eine nicht haargenau aus wie Haile Gebrselassie? Und warum erwähnen wir das? Weil wir noch einmal stolz beweisen können, nicht nur Szabolcs Huszti, sondern auch Haile Gebrselassie unfallfrei schreiben zu können. Wie auch Es-zet-e-we-ce-zet-enko, Be-er-zet-e-ska, Michal-ce-zet-e-we-es-ki und (mit etwas Italienisch für Anfänger) Er-o-ce-k (= ital. ch) -i-dschi (= ital. g+i)-ani.
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Klar, auch Kalle »Zwei m, zwei g« Rummenigge. Der ledert heftig los gegen kokommentierende Ex-Bayern von Scholl über Kahn bis Matthäus, vergisst dabei aber, einen zu erwähnen: Kalle Rummenigge. Und der, Ältere werden sich gruselnd erinnern, war der mit Abstand schlechteste von allen FCB-»Experten« im Fernsehen.
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Uli Hoeneß war nie Co-Kommentator, sondern ist immer Hauptkommentator. Der BVB sei eine »relativ regionale Sache«, giftet er, und selbst BVB-Fans müssen, bei allem Ärger, zugeben: Recht hat er. Noch. Knackpunkt wird die beginnende Champions-Serie. Hier wird sich weisen, wie Hoeneß’ apodiktisches Nachtreten, Dortmund werde den Vorsprung des FC Bayern »nie, nie nie« aufholen, einzuordnen ist. Nicht nur Freunde des Klopp-Fußballs hoffen: als unüberzeugte Beschwörungsformel eines Ängstlichen.
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Ähnliche Motive treiben Rudi Völler an. Je schärfer die Kritik an den Seinen und je berechtigter sie ist, desto wütender beißt er um sich, siehe Weißbier-Waldi, den zum Glück Fernsehentschwundenen. In Dortmund zeigte sich Bayer Leverkusen in derart jämmerlicher Verfassung, dass Sky-Kommentator Marcel Reif (ein Leverkusener lag verletzt am Boden) sagte: »Jetzt müssen sie den Ball ins Aus spielen, das werden sie ja wohl noch hinbekommen.« Als Völler das hörte, wutschäumte er: »Was der sagt, geht mir am Arsch vorbei, dieser Klugscheißer! Das können Sie ruhig so schreiben.« Kleine Wünsche werden bei uns sofort erfüllt. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle