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Ohne weitere Worte (vom 11. September)

Mosandl regte sich tierisch auf. (…) Zanardi (…) habe nämlich einen Vorteil im Vergleich zu ihm, den er nicht wettmachen könne: Er hat seine Beine noch, während die von Zanardi bei einem Unfall abgerissen sind. (…) Das heißt nach Mosandls Rechnung ganz nüchtern: »Er hat 15 Kilo weniger rumzuschleppen als ich.« Tja. Wer das jetzt zynisch findet, ist selbst schuld: Der Praktiker hat das Wort. (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
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Die Vergleichbarkeit muss gewährleistet sein. Das betrifft auch die Klassifizierungen. (…) »Es ist noch etwas undurchsichtig. Wenn ein Kleinwüchsiger gegen einen Armlosen startet, ist das für die Zuschauer schwierig«, gesteht Marianne Buggenhagen. (WamS)
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»Wenn ich bei Marketingagenturen anrufe«, erzählt Schuh, »geht der Dialog oft so: ›Ich habe ein Einser-Abi, ich studiere Physik, ich bin Weltmeister …‹ Da werden sie sofort hellhörig. Aber wenn ich dann anfüge: ›im Behindertensport‹, heißt es ganz schnell: ›Unsere Wohltätigkeitsabteilung erreichen Sie unter der Durchwahl …‹« (Stern)
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Hamilton berichtet das so: (…) Er (Anm.: Armstrong in der Tour de France 1998) engagierte seinen Gärtner, um mit dem Motorrad hinter dem Rennen her zu fahren und das Epo im Rucksack diskret an den Mannschaftsbus zu liefern. Die leeren Ampullen nahm er dann in alten Cola-Dosen wieder mit. Doch das waren nur die bescheidenen Anfänge dessen, was noch kommen sollte. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
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40 Millionen habt ihr hingeblättert, weil ihr verzweifelt seid. Weil ihr nicht verlieren könnt. Weil ihr die Leere, die Dunkelheit nicht ertragt. (…) Mir tut heute schon Javi Martinez leid. (…) Für mich ist er ein Sklave. (»Post von Wagner« in Bild an »Lieber FC Bayern«)
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Frankfurt wäre ein würdiger Meister der Jubiläumssaison. Der Verein hat nicht nur den Bundesliga-Rekordspieler (Körbel), den besten Bundesliga-Zaubertrick (Jay Jay Okocha) (…) hervorgebracht, er hat auch die meisten Trainer vorzeitig entlassen (21) und für die unterhaltsamste Hauptversammlungs-Schlägerei (1988) gesorgt. Eine Meisterschale für Frankfurt wäre der Deckel auf den Topf mit 50 Jahren Bundesliga. (Süddeutsche Zeitung)
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»In den Subventionskulturtempeln sitzen die Kinder von Zahnärzten und Wirtschaftsprüfern mit ihrer Kunst, die keiner sehen will. Daran habe ich noch nie geglaubt.« – Was gut ist, hat Erfolg? – »Ich hätte jedenfalls kein Interesse daran, Autorenfilme zu machen, die sich bei Filmfestspielen im Südharz drei Kritiker anschauen und sich dabei im Dunkeln einen runterholen.« (Georg Ringsgwandl, Ex-Kardiologe, Kabarettist und Musiker, in der SZ-Serie »Reden wir über Geld«)
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»Wenn über Geld geredet wird, wird so viel gelogen wie sonst nur auf Beerdigungen, Hochzeiten und Berufsverabschiedungen.« – Das gilt auch für Kabarettisten? – »Die raffgierigsten Bestien sitzen im linken Kabarett. (…) Die sogenannten Künstler sind oft abwegig geldgeil. Die Gesellschaft verehrt sie als Inbegriff des besseren Menschseins, während sie den Bankdirektor als Schwein betrachtet. Dabei sind Bankdirektoren integere, anständige Leute im Vergleich zur Masse der Künstler.« (Ringsgwandl/SZ) (gw)

Baumhausbeichte - Novelle