Archiv für September 2012

Sonntag, 30. September, 10.30 Uhr

Zum Abschluss ein neuer Allzeit-Rekord: Montagsthemen um halb elf online. Vielleicht findet ja ein Blogleser noch einen Lapsus (aber bitte keine Lapsusse – siehe Link rechts zu den Montagsthemen  = „gw-Beiträge Anstoß“), den ich rechtzeitig vor Drucklegung bereinigen kann.

In der Mailbox, in die nur ausgewählte Beiträge kommen, taucht jetzt ein lieber alter Bekannter auf, der sich vor einiger Zeit verärgert verabschiedet hatte. Warum das und wieso das Wiederauftauchen: Link rechts. Gehört zwar eigentlich zu den eher privaten, also nicht zu veröffentlichenden Mails, aber diese Ausnahme soll die Regel bestätigen.

Veröffentlicht von gw am 30. September 2012 .
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Sonntag, 30. September, 6.15 Uhr

Früh dran heute. Vor der Redaktion stehen noch die Auslieferer der Sonntagszeitung, die bei uns im Haus gedruckt werden. Letzter Tag in der Redaktion. Mittlerweile ist das Büro ausgeräumt. Hat Monate gedauert, den Muff von 1000 Jahren gw zu sichten, zu ordnen und … wegzuwerfen. Was bleibt am Ende übrig? Immer nur man selbst. Daran hat man genug zu tragen. Nur ganz wenig wird mitgenommen an den neuen Arbeitsplatz. Zum Beispiel das Foto der Wetterauer Radfans, die „Ulle“ und „gw“ auf die Alpe d’Huez-Straße geschrieben haben. Wehmütig? Keine Spur. Glaubt kaum jemand, ist aber so. Ist ja auch nur ein örtlicher Wechsel. Aus der Redaktion in der Stadt im Tal ins eigene Redaktionsbüro im Dorf auf dem Berg. Der Zeitungsleser wird es überhaupt nicht merken, es sei denn, er schaut mal ins Impressum. Aber wer tut das schon? Der Vorteil des Journalisten als Rentner: Er macht weiter wie zuvor. Same procedure. Wie heute. Frühes Warmschreiben, mit leicht grummelnder Besorgnis, weil die tabula für die Montagsthemen noch so was von rasa ist, dass noch kaum vorstellbar ist, eine anständige Kolumne … abzuliefern? Auch so ein Modewort. Leistung abrufen und abliefern, abarbeiten daran und … abbutze! Abbutze war mal ein Badesalzprogramm. Der arme Henni muss wieder am Auge operiert werden. Kopf hoch! Lass Dich nicht hängen, Junge! Das wird wieder!

Für die „Inspirationen“ im HR war ich heute zu früh. Inspirationen im Nachtkasten der Nachrichtenagenturen: auch keine. In der Mailbox: gähnende Leere. Nur die üblichen Aufforderungen, meinen Millionengewinn abzurufen (abrufen!) und mein Sexleben aufzupeppen (aber Penisverlängerungen scheinen out zu sein).

In den Radionachrichten das Topthema: Steinbrück schließt Koalition mit Rot und Schwarz und mit den Piraten aus. Dazu fällt mir die übliche Falschformulierung ein, wenn Sportler X wegen einer Verletzung seine Teilnahme an der Veranstaltung Y absagen muss: X sagt Y ab. Logelei zur Lügelei: Die SPD koaliert unter Steinbrück entweder mit Grün und/oder Gelb, oder überhaupt nicht – oder ohne Steinbrück optional mit allen. Und das ist vielleicht ein Schlusssatz für die Montagsthemen. Ma gucke. Bis dann.

Veröffentlicht von gw am 30. September 2012 .
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Freitag, 28. September, 13.50 Uhr

Vom Test (siehe letzter Blog-Eintrag) selbst überrascht: Nur ganz wenig vom vorgelesenen Stoff in den Sport-Stammtisch (steht jetzt online) übernommen. Auch Neugelesenes und viele neue Notizen hatten keine Chance, leserlängenverträglich eingebaut zu werden. Gedanken zum „Flow“ schon gar nicht. Der bietet sich  für die Eintracht an, im Hinterkopf habe ich hübsche Beispiele, im Archiv sicher noch mehr, aber das muss warten, nächste Woche gibt es zu meinen drei Standard-Kolumnen Montagsthemen, Ohne weitere Worte und Sport-Stammtisch eine zusätzliche (Wer bin ich?-Auflösung), aber einen Wochentag weniger. Und danach ist der Flow vielleicht schon verflossen.

Veröffentlicht von gw am 28. September 2012 .
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Mittwoch, 26. September, 9.20 Uhr

Letzte Arbeitswoche? Nee, als weider, nur von wo anners. Sentimentalitäten? Keine. Wehmut? Keine. Weil: als weider! Das sei damit abgehakt. Und wenn dunkel der Rede Sinn – um so besser.

Jetzt zu einer Frage, die alte Leser von gw-Kolumnen immer wieder beschäftigt und daher auch stellen: Lese ich das wirklich alles, was in den Kolumnen thematisiert wird? Wie schaffe ich das? Geht das überhaupt? So geht das: Ein bisschen wie mit dem Nürnberger Trichter. Nur: Oben wird viel reingeschüttet, unten kommt wenig raus. Quantitativ (über  Qualität schreibe ich nicht, zu der bildet sich der Leser seine eigene Meinung).

Beispiel heute: Spiegel und Zeit sind noch in der Mache, werden zu Hause ausgewertet und (zum Leidwesen der allerliebsten Zielgruppe) zerfleddert und zerschnitten. Nachrichtenagenturen und Internet werden nebenbei gesichtet. Zeitungen (SZ, FAZ, FR, Welt) weden überflogen, kurze Artikel gelesen, Längeres, interessant Wirkendes, wird rausgerissen und gesammelt, zwecks abendlicher Gründlich-Lektüre. Das gestern Rausgerissene harrt noch der Lesung (wg. Eintracht-Spektakel), zusammen mit dem heute früh Rausgerissenen muss noch gelesen werden (es folgen jeweils Überschriften und Unterzeilen der Artikel): „Bergwerk. Weg, bloß weg von Italien. In Südtirol war es lange still. Doch mit der Krise Europas kommt etwas mit Wucht zurück, das fast vergessen war: der Wunsch nach Unabhängigkeit“ (Seite-3-Thema in der SZ) /  „Gold und Silber als Gipfelstürmer. Der gelbe Metall („der“? Steht da wirklich. Macht stutzig. Ist’s vielleicht sogar möglich? Muss nachgeschaut werden) hat ein Euro-Hoch markiert. Silber hat sich um ein Viertel verteuert. Nun macht die Hausse Pause“ (aus der Welt / Hausse-Pause reimt sich nur im Schriftbild) / „‚Ich habe ein Problem mit meiner Wut.‘ Ohne Geschrei kein Album: Avantgarde-Sänger John Cale über Erwartungen der Plattenfirma, Ungeduld im Alter und Squash als Ersatzdroge“ (Welt-Interview) / „Lesestunde. So viel Zeit muss sein: Angela Merkel stellt Edmund Stoibers neues Buch vor. Die Erkenntnis? Sie versteht man mitunter schwerer als ihn“ (Süddeutsche/Habe gehört, Stoibers Memoiren sollen gut lesbar sein, er selbst soll dabei eine gute Figur machen, recht souverän im Umgang mit sich selbst und mit seinen bekannten Macken als – redender – Politiker) / „Revolutionärer Rummel. Nordkoreas neuer Herrscher Kim Jong Un festigt seine Macht. Auf den ersten Blick regiert er ganz wie der Vater. Doch viele sagen: Es tut sich was in Pjöngjang. Und das Scheinparlament tagt 2012 bereits zum zweiten Mal“ (ebenfalls Süddeutsche/interessiert mich, weil USA und Südkorea gar nicht daran interessiert sein sollen, dass sich Nordkorea öffnet, sondern  an einem Status quo mit einem bequemen Feindbild) / „‚Deutschland sollte uns Vorbild sein‘ Maurice Levy, Chef des französischen Werbekonzerns Publicis, über einen tanzenden Präsidenten der Europäischen Zentralbank, die Fehler seines Staatschefs Francois Hollande und teure Zukäufe hierzulande“ (ebenfalls SZ) / „‚Viele Charterreeder kämpfen um das Überleben‘ Michael Behrendt sieht den Schifffahrtsstandort Deutschland in Gefahr. Nach vier Jahren droht eine Insolvenzwelle, wenn nicht schnell genug Hilfe vom Staat kommt, warnt der Reederpräsident“ (FAZ-Interview; interessiert mich auch wegen der früheren Anlage-Mode „Schiffsbeteiligungen“; hatte mich nie daran beteiligt, mangels Anlagevermögen/Dankeschön für das Bedauern. Als Sessel-Seefahrer und aktiver Freund altklappriger griechischer Ägäis-Fährschiffe hätte ich eigentlich investieren müssen, die Sache kam mir aber sowieso etwas windig vor. Statt Schiffsbeteiligungen zu zeichnen, las ich daher lieber Schiffsmeldungen/kennen Sie den Roman? Tipp von mir) / „‚Überzeugend besetzt‘ Zeitzeugen kommentieren den Fernsehfilm zum Fall Jakob von Metzler‘ (Frankfurter Rundschau/Die Einschaltquoten waren nicht sehr hoch, ich vermute, weil es vielen ging wie mir: Der Film hätte wieder ohnmächtige Wut geweckt, und das wollte ich mir nicht antun. Zur Sache selbst habe ich damals alles geschrieben, was ich dazu sagen konnte. Die ganze Geschichte war so nur in Deutschland möglich. Die Irrsinns-Diskussion, ob man in dieser Lage Schmerzen androhen darf, ausgehend allerdings von einem überflüssigen Aktenvermerk, und dann diese das miese Ego des Täters noch schmeichelnde Aufmerksamkeit!) / „EZB soll Griechenland Luft verschaffen. Direktoriumsmitglied Asmussen lehnt Forderungsverzicht zugunsten Athens jedoch ab“ (Welt-Artikel / ach ja, meine Griechen. Und meine alte Skat-Behauptung: Niemand spielt besser mit seinen Ramschkarten als die Griechen. Für Nicht-Skatspieler: Beim Ramsch gewinnt, wer die meisten „Miesen“ hat) / „Schwarzer Tag für Facebook. Die Börse und Facebook werden einfach keine Freunde. Aktie rauscht in den Keller“ (ebenfalls in der Welt / Ich könnte mir immer noch in den Hintern beißen, keine Optionen auf steil fallenden Kurs gekauft zu haben; die Sache war für mich arschklar, Optionen sind billig, kann sich jeder leisten , zwar droht im Prinzip bei Optionen Totalverlust, aber da ich mir sooo sicher war, drohte er nicht, ich hätte es tun sollen, ich Feigling!) / Und dann noch, was ich nicht lesen werde: Die in allen großen Zeitungen den Sportteil dominierende „Sportförderung in der Kritik“. Interessiert mich nicht, ist Lobbyismus gepaart mit Beschäftigungstherapie für Funktionäre und Journalisten aus der deutschen Sport-Nomenklatura, zu der ich Gott sei Dank nie gehört habe. Die Welt ist zwar kompliziert, aber für manche Problemchen gibt es doch wirklich einfache Lösungen, meine dazu habe ich vor etwa hundert Jahren in einem Kommentar-Dreier dargelegt. Fazit damals wie heute: Die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft sollten auch im Sport greifen: Förderung des Breitensports als soziale Komponente, freies Spiel der Marktkräfte im Spitzensport als kapitalistische Komponente. „Aber der Medaillenspiegel?!“ Der kann mich mal.

Ach ja, und Bild nicht zu vergessen: Gehört zur Pflichtlektüre. Heute: „Eintracht-Wahnsinn“. Aber was ich ganz gewiss nicht lesen werde: „Neue Serie in Bild, Maria Riesch: Mein wildes Leben“. Immer wieder erstaunlich, wieviel geldwerten Medienstoff die (klar: großartige) Skifahrerin liefert, seit sie verheiratet ist – mit dem Top-Medienmann des deutschen Sports, der auch einen „Kaiser“ zu seinen Kunden zählt.

Was davon wird in der nächsten Kolumne auftauchen? Keine Ahnung. Vielleicht gar nichts. Gucke mer ma.

Veröffentlicht von gw am 26. September 2012 .
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Sonntag, 23. September, 6.35 Uhr

Am dunklen Himmel nur ein Stern, der strahlt aber für alle anderen hinter Wolken unsichtbaren mit. Kann nur die Venus sein, meint der Laie, der sich mal für Astronomie interessiert hatte, aber nie über die Identifizierung des großen Bären hinausgekommen war (ah, großer Bär, das muss ich mir merken, für gleich). Außerdem ist die Venus kein Stern, sondern ein Planet. Planeten strahlen stetig, Sterne blinken. Das war’s aber wirklich an astronomischem Fachwissen.

Im HR1-Radio die „Inspirationen“, wieder mal von Anselm Grün, mich inspiriert aber die Musik: „Massachusetts“ von den Bee Gees. Erinnerung an frühe Zugfahrten von Wetzlar nach Gießen zum frühen Pädagogik-Seminar. Nicht ganz so früh wie heute die Sonntagsfahrten in die Redaktion, dafür viel, viel müder. Dann der erlösende Beschluss, jedes mal wieder: Seminar ausfallen lassen, in die Frühkneipe gehen, Zeitung lesen und Musikbox drücken. Favoriten: Die frühen Bee Gees. Massachusetts, Spicks and Specks, das textlich nicht erfasste, aber irgendwie sozialkritische New York Mining Disaster, Words, vor allem aber To love somebody und World, mit der wunderbaren Textzeile „Now i found, that the world ist round, and of course it rains every day“ – ich weiß nicht, was die Bee Gees damit meinten, aber für mich klang es wie: Je mehr man weiß, desto depressiver wird man. Seminarschwänzen als Mittel zur Lebensfreude. 1966 war’s. Später machten die Bee Gees alberne Discomusik.

Noch eine Geschichte aus dem Leben. Eine aktuelle, von gestern mittag: Mit dem Rad im Wald unterwegs, von einem Wildschwein angefallen und gebissen worden. Wirklich wahr! Also: fast wahr. So „wahr’s“ wirklich: Einen anderen Radfahrer getroffen, der an den Wegrand deutete und unaufgeregt warnte: Passen Sie lieber auf. Am Wegrand: das Wildschwein. Ich staunte, dass es dort so unaufgeregt rumlümmlte wie der Radfahrer unaufgeregt warnte. Der hatte einen Hund dabei, der auf das Wildschwein ebenfalls unaufgeregt reagierte. Die Geschichte dahinter: Der Radfahrer war der Jagdpächter, das Wildschwein ihm im frühesten Frischlingsalter quasi zugelaufen, Mutter Bache wohl entweder abgeschossen oder totgefahren. Mittlerweile ist „Friedel“ vier Monate alt, zahm wie ein braver Hund, Familienmitglied und süchtig nach Streicheleinheiten. Von der Familie, nicht unbedingt von fremdem Radfahrern. Die interessieren ihn, er schnüffelte oinkend an mir rum. Und biss mir ins Bein. Na ja. knabberte. Aber heftig, fordernd. Wenn er zu aufdringlich wird, soll ich ihm auf den Rücken hauen, sagt der Jagdpächter. Ich doch nicht. Ich schlage keine Tiere, nicht mal Frauen. Ließ ihn knabbern. So „wahr’s“ also wirklich, und für das „wahr’s“ erhebe ich Copyright (mein neues Projekt; noch in den Kinderschuhen; mehr dazu erst später; viel später).

Apropos Wildschwein: Als solches, ohne „wild“, dafür „altes“, werde ich von der Liebsten aus der liebsten Zielgruppe gescholten, weil ich im Samstags-Stammtisch reinen Helferherzens einen Dekollete-Service für die liebste Zielgruppe eingerichtet hatte. Demütig nahm ich die Schelte für senile Pubertätssabberei hin. In diese Rubrik fällt auch der Große Bär von oben: Ein junges Pärchen, frisch und noch scheu verliebt, sitzt abends auf der Bank und bewundert den Sternenhimmel. Er: Jetzt zeige ich Dir den Großen Bären. Sie: Wenn Du auch nur einen Knopf aufmachst, schreie ich.

Das gibt wieder Schelte

Veröffentlicht von gw am 23. September 2012 .
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