Archiv für September 2012

Dr. Hans-Ulrich Hauschild über (s)einen Abschied

Wie auch immer ich mich von Ihnen verabschiedet habe (es war sehr lakonisch, wohl kaum verletzend für Sie, aber – wie ich finde – mit ganz gut gestützten Gründen), es darf nach all den sehr angenehmen Begegnungen (die ja leider nie persönlich waren, sondern immer nur elektronisch) nicht so weit gehen, dass ich Ihnen nicht anständig auf Wiedersehen sage. Und Ihnen danke für eben die sehr unterhaltsamen Stunden, die ich mit Ihrem Anstoß verbringen konnte. Die Öffentlichkeit wird ja nichts verlieren, wenn ich Sie richtig verstehe, machen Sie einfach weiter. Auch sehr angenehm. Denn: ich habe zwar nicht mehr geschrieben, aber immer weiter gelesen – und nachgedacht über das, was Sie da so aufbereitet, ausgebreitet, ausgedacht haben. Die Differenz ist aber wohl doch tief. Irgendwann einmal habe ich geschrieben, dass man von zwei sehr verschiedenen Positionen durchaus auf dieselbe Mitte stoßen kann. Das war, bis zu jenem Tag, als ohne Kommentar Ihrerseits  ein Blognutzer wieder einmal abschätzig über Gutmenschen reden durfte, der Fall. Ich gebe ja zu, dass jene, die Sie unter  „Gutmenschen“ zusammenfassen, zuweilen schrecklich sind. Jedoch meine Bedenken beginnen da, wo der Begriff auch jene trifft, die mit vielem, was sich hier abspielt, gar nicht einverstanden sind und, das ist das Entscheidende, dem „visionär“ etwas entgegen setzen. Pragmatismus ist es nicht, was wir brauchen – davon gibt es in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, besonders n der aktuellen  Politik, genug. Da ich nun wirklich nicht pragmatisch bin, also nicht affirmativ, also häufig in der Opposition zum Zeitgeist (wie Sie auch – aber dieser ist wesentlich gekennzeichnet eben nicht von Gutmenschen, sondern von jenen, die Gutmenschen verachten) stehe, war ich über die Tendenz zur Abwertung moralischen Handelns (Moralkeule, moralinsauer) eher traurig. Wie auch immer: ich wünsche Ihnen ganz persönlich ein ausgefülltes Leben als – wenn ich richtig verstehe – nebenamtlicher Kolumnen – Schreiber. Für einen Rentner, ich weiß, wovon ich rede, ist es allerdings lebensnotwendig, anständig, nützlich – leider muss ich hier wieder einen moralisch abwertbaren Begriff verwenden – und anderen Menschen und der Gesellschaft zugewandt zu leben und weiter zu arbeiten. Und für die Anderen ist dies, leider muss man zuweilen sagen, weil die Ehrenamtlichkeit ja auch gesellschaftlich zu erledigende Aufgaben billig ersetzt, auch  lebensnotwendig. Ganz zum Schluss noch eine Erinnerung an Hölderlin, seine Gefahr, die auch das Rettende birgt, an die Adler und ihr glanzvolles Zurückkommen. Dies schrieb ich Ende April 2011. Sie erinnern sich? Heute versuche ich es noch einmal:

„Langsam eilt und kämpft das freudigschauernde Chaos,

Jung an Gestalt, doch stark, feiert es liebenden Streit

Unter den Felsen, es gärt und wankt in den ewigen Schranken…

Denn es wächst unendlicher dort das Jahr und die heiligen

Stunden, die Tage, sie sind kühner geordnet, gemischt.“

Na, trifft das den Zustand in Frankfurt, die Visionen der Eintracht? Das Prophetische daran? „Es gärt und wankt in den ewigen Schranken“; will sagen: die Einschränkungen, die Mannschaften, die nicht Bayern, Hoffenheim, Dortmund, Schalke und so fort heißen, in vieler Hinsicht hinnehmen müssen, werden durch – ich fasse es zusammen – geordnetes Chaos, durch kühne Mischung der Mannschaft, der Taktik, aufgehoben. Nichts kennzeichnet den Zustand und die Perspektiven der Eintracht besser als diese Prophetie. Die Ode heißt, sehr sprechend, „Heimkehr“.

„Was aber bleibet, stiften die…“ Ja, wer: die Dichter, Kolumnenschreiber i.R.  und pensionierten Visionäre.

Es war mir ein Bedürfnis, Ihnen dies in Ihre Zukunft mitzugeben. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild/Gießen)

 

 

 

Veröffentlicht von gw am 30. September 2012 .
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Sonntag, 30. September, 10.30 Uhr

Zum Abschluss ein neuer Allzeit-Rekord: Montagsthemen um halb elf online. Vielleicht findet ja ein Blogleser noch einen Lapsus (aber bitte keine Lapsusse – siehe Link rechts zu den Montagsthemen  = “gw-Beiträge Anstoß”), den ich rechtzeitig vor Drucklegung bereinigen kann.

In der Mailbox, in die nur ausgewählte Beiträge kommen, taucht jetzt ein lieber alter Bekannter auf, der sich vor einiger Zeit verärgert verabschiedet hatte. Warum das und wieso das Wiederauftauchen: Link rechts. Gehört zwar eigentlich zu den eher privaten, also nicht zu veröffentlichenden Mails, aber diese Ausnahme soll die Regel bestätigen.

Veröffentlicht von gw am 30. September 2012 .
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Montagsthemen (vom 1. Oktober)

Das Frankfurter Spätsommermärchen geht weiter, dank Alex Meier. Zwei herrliche Tore, von ihm norddeutsch überschwänglich bejubelt, also  erfreut zur Kenntnis genommen.
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Aus anderen Gründen zurückhaltend: »Aus Respekt« vor seinem früheren Klub hat Marco Reus bei seinen Toren nicht gejubelt. Bei allem Respekt vor ihm und dieser neuen Liga-Tradition: Das hat nichts mit echter Tradition zu tun, denn die gründet auf dem Bolzplatz. Wer hat sich dort jemals den Torjubel verkniffen, wenn er per Füßchenwahl gegen die Mannschaft ein Tor schoss, in die er noch tags zuvor gewählt worden war?
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Ja, klar, der Vergleich hinkt. Vor allem bei mir, der sich nie den Torjubel verkneifen musste. Und bei Reus’ zweitem Tor zuckte ja auch kurz Marcos Jubelfaust, sie konnte sich’s nicht verkneifen, zu herrlich war dieser Kunstschuss.
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Sattes 5:0. Dennoch zeigt der Spielverlauf, wie labil und unvorhersehbar der Erfolg ist. Im Fußball allgemein und speziell beim BVB wird immer wieder der Urgrund der Chaos-Theorie bewiesen. Denn dass der Flügelschlag eines Schmetterlings in der Südsee Auslöser eines Orkans im Atlantik sein kann, ist nur ein sprachliches Bild für das elementare Fußballwissen vom Ball, der rund ist. Hätte Gladbach in der Anfangsphase einen der zwei, drei üblichen Leichtsinnsslapsusse der Dortmunder ausgenutzt … ach was, hätte, wäre, wenn – es zählt nur, was hinten rauskommt, auch wenn’s manchem stinkt.
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Und Gerüchle verdünnisieren sich schnell. Wie der Ärger, Hohn und Spott, den Werder abbekam, als die Bremer ihre Trikots einem Geflügelschlachter preisgaben. Fast schon vergessen, außer bei PETA. Werders Rechtfertigung (»wir sind arm und brauchen das Geld«) wird jetzt in Griechenland auf die Trikotspitze getrieben. Dort wirbt ein unterklassiger Klub für das »Freudenhaus Soula«, ein anderer für das »Bestattungsunternehmen Karaiskaki«.
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Weitere aktuelle griechische Merkwürdigkeiten: Von 388 Blinden auf der schönen Insel Zakynthos wurden 353 wieder sehend. Der Wunderheiler heißt IKA, ist die Sozialkasse des überklammen Landes und überprüfte im September die Bezieher von Blindenrente. Und als Beitrag für die Blasphemie-Debatte bei uns: Auf Euböa wurde ein Mann verhaftet, der via Facebook den (toten) Athos-Mönch Paisios  als »Vater Pastitsios« verulkt hat (nach »pastitsio«, dem  Nudelauflauf). Hoffentlich werden Wortspielchen nicht auch bei uns strafbar, sonst wartet auf mich die Höchststrafe.
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Nicht nur Vater Pastitsio oder Bettina W., sondern auch Laienschauspieler wie Max Mosley gehören zu den Opfern von Google. Der Ex-Motorboss klagt sich durch alle Instanzen, um seine Nazisexspielereien im Internet löschen zu lassen. Mich verwundert dabei nur, wie gerne sich ausgerechnet befehlsherrische Bosse von Dominas dominieren lassen. Wenn sie wüssten, dass einige der »Herrinnen« im Tagberuf ihre unterjochten Sekretärinnen sind ….
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»Dominas« und »Lapsusse«? Gossen-Glossenlatein? Korrekter Plural, wie jeder Lateiner weiß: »Dominae« und »Lapsus« (da u-Deklination). Aber ich hab’s mal eingedeutscht, nach dem Ursprung von Glossen, die ursprünglich deutsche Zwischen- und Randbemerkungen in lateinischen Texten waren.
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Und dann wäre da noch das Topthema des Wochenendes: »Steinbrück schließt Koalition mit Rot und Schwarz und mit den Piraten aus.« Dazu fällt mir die übliche Falschformulierung ein, wenn Sportler X wegen einer Verletzung seine Teilnahme an  Veranstaltung Y absagen muss (»Schweinsteiger sagt Länderspiel ab«). Logelei zur Lügelei: Die SPD koaliert also unter Steinbrück entweder mit Grün und/oder Gelb, oder überhaupt nicht – oder ohne Steinbrück optional mit allen. Aber das ist ein ganz anderes Thema und hat mit Sport eventuell nicht mehr allzu viel zu tun. (gw)

Veröffentlicht von gw am 30. September 2012 .
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Sonntag, 30. September, 6.15 Uhr

Früh dran heute. Vor der Redaktion stehen noch die Auslieferer der Sonntagszeitung, die bei uns im Haus gedruckt werden. Letzter Tag in der Redaktion. Mittlerweile ist das Büro ausgeräumt. Hat Monate gedauert, den Muff von 1000 Jahren gw zu sichten, zu ordnen und … wegzuwerfen. Was bleibt am Ende übrig? Immer nur man selbst. Daran hat man genug zu tragen. Nur ganz wenig wird mitgenommen an den neuen Arbeitsplatz. Zum Beispiel das Foto der Wetterauer Radfans, die “Ulle” und “gw” auf die Alpe d’Huez-Straße geschrieben haben. Wehmütig? Keine Spur. Glaubt kaum jemand, ist aber so. Ist ja auch nur ein örtlicher Wechsel. Aus der Redaktion in der Stadt im Tal ins eigene Redaktionsbüro im Dorf auf dem Berg. Der Zeitungsleser wird es überhaupt nicht merken, es sei denn, er schaut mal ins Impressum. Aber wer tut das schon? Der Vorteil des Journalisten als Rentner: Er macht weiter wie zuvor. Same procedure. Wie heute. Frühes Warmschreiben, mit leicht grummelnder Besorgnis, weil die tabula für die Montagsthemen noch so was von rasa ist, dass noch kaum vorstellbar ist, eine anständige Kolumne … abzuliefern? Auch so ein Modewort. Leistung abrufen und abliefern, abarbeiten daran und … abbutze! Abbutze war mal ein Badesalzprogramm. Der arme Henni muss wieder am Auge operiert werden. Kopf hoch! Lass Dich nicht hängen, Junge! Das wird wieder!

Für die “Inspirationen” im HR war ich heute zu früh. Inspirationen im Nachtkasten der Nachrichtenagenturen: auch keine. In der Mailbox: gähnende Leere. Nur die üblichen Aufforderungen, meinen Millionengewinn abzurufen (abrufen!) und mein Sexleben aufzupeppen (aber Penisverlängerungen scheinen out zu sein).

In den Radionachrichten das Topthema: Steinbrück schließt Koalition mit Rot und Schwarz und mit den Piraten aus. Dazu fällt mir die übliche Falschformulierung ein, wenn Sportler X wegen einer Verletzung seine Teilnahme an der Veranstaltung Y absagen muss: X sagt Y ab. Logelei zur Lügelei: Die SPD koaliert unter Steinbrück entweder mit Grün und/oder Gelb, oder überhaupt nicht – oder ohne Steinbrück optional mit allen. Und das ist vielleicht ein Schlusssatz für die Montagsthemen. Ma gucke. Bis dann.

Veröffentlicht von gw am 30. September 2012 .
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Freitag, 28. September, 13.50 Uhr

Vom Test (siehe letzter Blog-Eintrag) selbst überrascht: Nur ganz wenig vom vorgelesenen Stoff in den Sport-Stammtisch (steht jetzt online) übernommen. Auch Neugelesenes und viele neue Notizen hatten keine Chance, leserlängenverträglich eingebaut zu werden. Gedanken zum ”Flow” schon gar nicht. Der bietet sich  für die Eintracht an, im Hinterkopf habe ich hübsche Beispiele, im Archiv sicher noch mehr, aber das muss warten, nächste Woche gibt es zu meinen drei Standard-Kolumnen Montagsthemen, Ohne weitere Worte und Sport-Stammtisch eine zusätzliche (Wer bin ich?-Auflösung), aber einen Wochentag weniger. Und danach ist der Flow vielleicht schon verflossen.

Veröffentlicht von gw am 28. September 2012 .
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Baumhausbeichte - Novelle