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Ohne weitere Worte (vom 21. August)

Etwa zehn Milliarden Menschen haben das 100-Meter-Finale von London im Fernsehen verfolgt. Im Gegensatz zum Kniendschießen mit der Luftgewehrattrappe, das lediglich 23 Zuschauer sahen. (…) Das wird Auswirkungen auf die nächsten Olympischen Spiele haben. Es soll dann täglich ein 100-Meter-Finale geben. (»Zipperts TV-Welt« in der Hörzu)
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So gesehen, sind die Karbonfüße von Pistorius Traumzerstörer. »Wenn der Zuschauer zweifelt und nicht mehr weiß, ob da jemand mit einer Rakete im Hintern läuft und der andere mit Feder im Schuh«, sagt Helmut Digel (…), »ist das für ihn kein Wettkampf mehr«. (Zeit)
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Massenzuschauerhaltung beim Frauenfußball ist bislang nie ein großes Thema gewesen. In dieser aufstrebenden Disziplin gibt es noch freilaufendes Publikum, wie (…) in der Champions League bei der (…) Partie zwischen Zyperns Meister Apollon Limassol und Albaniens Vorzeigeklub Ada Velipoje. Die Gastgeberinnen gewannen recht deutlich 21:0, schafften es aber nicht, für jeden anwesenden Zuschauer ein Tor zu schießen. Problem: Es waren vier zu viel gekommen, genau fünfundzwanzig. (Frankf. Allg. Sonntagszeitung)
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»Wir müssen immer aktuell wissen, (…) was investieren wir jetzt (…), wie viel Geld haben wir im Dezember, wie viel im März, wenn dieser oder jener Käs eintritt.« – Käs? – »Case. Worst case, best case und so weiter.« – Ach so. (aus einem SZ-Interview mit Fürths Klub-Chef Helmut Hack)
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»Sonnenstudios brauchst du ja heutzutage, kannst ja nicht blass rumlaufen, wie sieht das denn aus? Wie im Krankenhaus.« (Tim Wiese im FAS-Interview)
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Am Montag werden Joachim Löw und Oliver Bierhoff in der ARD zur Euro-Krise vernommen, Mehmet Scholl wird das Verhör als Experte begleiten. Danach soll das Thema in den Kochshows (…) behandelt und gratiniert werden. Sobald alle verfügbaren Köche durchgenudelt wurden, bleiben nur die Zoo-Dokus übrig. (…) Ende der Woche will sich dann Dirk Niebel zur Bedeutung des Euros für den Teppichhandel auslassen. (»Zipperts Wort zum Sonntag« in der Welt am Sonntag)
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Die Deutschen haben ihr riesiges Olympiaschiff in die Stadt gezwängt, um die Welt zu beeindrucken, aber die MS »Deutschland« wirkt am Canary Wharf nur wie ein dickes Kind. (Spiegel)
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Haben Sie sich eine Tochter gewünscht? – »Ja. Und jetzt habe ich zwei Söhne. (…) Wenn ich diese Mädchen sehe, die so ausdauernd im Sandkasten sitzen und Sandkuchen backen. Und mein Sohn wälzt sich daneben im größten Hundekothaufen und schreit: ›Meine Faust hungert nach Gerechtigkeit.‹ Der ist fünf. Da denkt man doch: Vorsicht beim Absetzen der Pille.« (Bestseller-Autorin Ildikó von Kürthy im SZ-Interview)
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Ich komme in die Schule und wünsche mir, dass ich klug bleibe. (Zeit-Lesereinsendung einer gefundenen Luftballon-Post von »Cindy« von einem Kindergarten-Abschiedsfest) (gw)

Baumhausbeichte - Novelle