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Sonntag, 19. August, 6.25 Uhr.

Noch schön kühl draußen. Diese Mörderhitze? Auch gestern war’s doch angenehm, Sommer eben, Sonne mit trockenem Hochddruckwetter, das ist gut auszuhalten. Erst Schwüle verdirbt die Laune. Am Freitag mit dem Rad unterwegs, von Frankfurt den Main entlang zum Rhein und weiter. Plötzlich ist der Radweg gesperrt. Umleitung oben durch die Stadt. Auf dem Schild steht: Lebensgefahr, wenn man über Wasserschläuche führe, die dann platzen können. Hää? Erst langsam dämmert’s: Wir sind in Oestrich-Winkel. Der Chemieunfall. Der Gastank wird mit Rheinwasser gekühlt. Die dicken Wasserschläuche stehen so stark unter Druck, dass sie beim Überfahren explosionsartig platzen könnten. Nicht Hää?, sondern Ha!: Der Journalist immer im Brennpunkt des Weltgeschehens! Weiter bis Rüdesheim. Dort gruselig, schnell wieder umgekehrt. Auf der Promenade warten Touristen auf die Abfahrt von Rheinrundfahrtschiffen. Einige alte Männer in kurzen weißen Shorts mit weißen Socken und weißen Sandalen, zwischen dem Weiß ebenso weiße, stockartige, verknorzte und verfaltete dürre Beine. Nach der Überheblichkeit der Blick am eigenen Körper nach unten: Radlerhose, Sandalen, dazwischen …

Alt werden ist nichts für Feiglinge, heißt es. Na ja, bis jetzt geht’s noch. Aber nicht nur der Körper lässt nach. Auf dem Rückweg von der Radtour, jetzt im Auto, kurz vor dem heimatlichen Stall … kurze Unterbrechung: 6.50 Uhr, draußen schwebt ein roter Klumpen vor dem Fenster und faucht. Drauf steht: “GUT”. Ah ja, und das Sparkassensymbol. Will der Ballon, der aussieht wie ein verkrumpelter Ball, dem die Luft abgelassen wurde, mitten in Gießen direkt auf meinem Büro notlanden?  Nee, er schwebt weiter, Unterbrechung beendet … von einem Lichtblitz geblendet. Die Skulptur! Und heute früh, glaubt es oder glaubt es nicht, blitzt es rot in die Augen. Zweimal erwischt! Nach Monaten strengster Fahrdisziplin! Vielleicht gibt es aber keine Knöllchen, laut Tacho nicht über 60, das sind bereinigte 50 plus. Von den sieben Skulpturblitzen des Frühjahrs sind auch nur fünf als Knöllchen angekommen.

Der geneigte Leser ahnt: Hier schreibt einer ratlos vor sich hin, der keine Ahnung hat, was er in die Montagsthemen schreiben soll. Im Sport ist das Sommerloch zwischen Olympia und Bundesliga nur kurz, aber tieeeef. Vor allem für einen, der mit erster Pokalrunde wenig bis nichts anfangen kann (ja, trotz OFC-Knaller). Gegen wen spielt eigentlich die Eintracht? Und wann? Heute? Und Bayern München? Fragt sich der Sportfachjournalist und antwortet: Mir doch egal. Weiße Löcher in seinem Berufsleben: Eröffnungs- und Schlussfeiern als olympische Weltoperetten und erste (und zweite usw.) Pokalrunde als Feiertage für Zwergenaufständler.  Allerdings: Wenn mein VfB 1900 die Bayern im Pokal putzen würde, sähe die Sache natürlich anders aus, selbst für mich Pokalignoranten. Habe ich “weiße Löcher” geschrieben? Gemeint: Weiße Flecken auf meiner Sportlandkarte bzw. schwarze Löcher in meinem Sportkopf. Obwohl, “schwarze Löcher” ist ein falsches Bild, wenn man daran denkt, welche Gewalt in denen steckt. So, jetzt muss aber Schluss sein mit dem hilflosen Warmschreiben. Immerhin habe ich auch nichts Belangloseres geschrieben, als in der Topnachricht der Nacht steht: Um 5:32 meldet dpa brandaktuell aus Los Angeles:  Hollywood-Diva Zsa Zsa Gabor erwartet zu ihrem 26. Hochzeitstag einen seltenen Gast am Krankenbett. Der als Berliner Candybomber bekannte Ex-Pilot der amerikanischen Luftwaffe, Gail Halvorsen (91), hatte Gabor (95) vor Jahren kennengelernt. «Er will ihr ein älteres Foto überreichen, das sie beide zusammen zeigt», erläuterte der Ehemann der Schauspielerin, Frédéric Prinz von Anhalt, der Nachrichtenagentur dpa am Samstagabend.

Wie isses bloß möglich? Doch die Hitze? Bei dpa und bei mir? Zusammenreißen und ab an die Montagsthemen. Bis dann.

Baumhausbeichte - Novelle