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Rüdiger Schulz über Steiner und den Geist eines Leistungssportlers

Die olympischen Spiele ziehen wie die EM eher an mir vorbei, aber ganz entziehen kann und will ich mich auch diesem Ereignis nicht. So war es Zufall, dass ich den aufsehenerregend missglückten, aber glimpflich abgelaufenen Versuch Steiners auf dem Bildschirm verfolgte. Und Sie haben fast exakt wiedergegeben, was ich in diesem Moment zu meiner Frau gesagt habe: “Kommt im Reißen oft vor. Doch wenn die Hantel nicht exakt fixiert werden kann, lässt sie der Heber folgenlos nach hinten wegfallen. Steiner wollte aber mehr, als er konnte, ließ nicht los”. Wo andere Sportler bei mir den Eindruck erwecken, sie seien als eine Art “eingebetteter” Touristen nach dem alten dsf-Motto “mittendrin statt nur dabei” nach London gereist, hat Steiner mit dem Versuch, den Erfolg zu zwingen, in dem er sich und seine körperlichen Möglichkeiten mit bloßem Willen überwinden wollte, wortwörtlich alles herausgerissen. Das ist der Geist, vielleicht nicht der olympische, aber der eines Leistungssportlers. Aber ich bin ebenso dankbar, dass er diesen Geist und diesen Willen nicht mit einer schweren Verletzung bezahlen musste.
(Rüdiger Schulz)

Baumhausbeichte - Novelle