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Sonntag, 5. August, 6.35 Uhr.

Dämmrig, wolkig, nieselig, frühherbstlich. Die wenigen Autos auf den Straßen (meist Mini-Cars) fahren schon/noch mit Licht. Ich verteidige den Sommer ohne künstliche Helligkeit. Viel auf dem Programm: Mehr zu tun als sonst bei weniger Zeit. Vorteil Druck: Meine drei den Montagsthemen folgenden Kolumnen werden erst am Freitag Nachmittag online gestellt. Bis dahin auch kein Blog. Für die Montagsthemen muss ich wohl wieder was zu Pistorius schreiben, ist bei anderen ein großes Thema. Und: Die scheintot gravitätischen Honoratioren bei den Siegerehrungen, der alte verwirrte Fahnenschwenker beim Weitsprung, die sehr ärgerliche Posse um die Silber-Siebenkämpferin (die Arme: Himmel – Hölle – Himmel), die kleingeistige Entscheidung beim zeitgleichen Triathlon-Finale – allesamt Wasser auf die alten eigenen Mühlen von dem Sport fernststehenden  Funktionären als den natürlich-unnatürlichen Gegenspielern der Sportler. Und bei der Sichtung der außersportlichen Nachtmeldungen das deutsche Begleitbeispiel: Bayern-Söder nutzt das Sommerloch, um bundesweit tönen zu können: “An Athen muss ein Exempel statuiert werden, dass diese Eurozone auch
Zähne zeigen kann. Die Deutschen können nicht länger der Zahlmeister für Griechenland sein.» Das ist schon kein Popolismus mehr, sondern ganz arsch daneben. Ich wüsste, an wem ich ein Exempel statuieren würde. Die armen Normal-Griechen. Auch sie haben zwar von dem Wahn vergangener Jahre profitiert, müssen aber jetzt leiden, wie ein Söder mal leiden müsste. Die anderen, die millionen- und milliardenschweren Profiteure, haben ihre Euros längst im europäischen Trocknen. Ach was, nicht im europäischen (für Griechen heißt das westliche Ausland traditionell “Europa”), da wird’s ja auch nass und nässer. Sie haben längst ausgeflaggt und segeln unter Billigflaggen … jetzt mach ich mal lieber einen Punkt, bevor ich weiter solche Stilblüten produziere wie auf dem Trocknen über die Weltmeere segelnden O-nass-is-Epigonen.

Baumhausbeichte - Novelle