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Anstoß vom 3. August (Multimedaillisten)

Endlich beginnen die Olympischen Spiele. Sagen arrogante Leichtathleten und verärgern damit alle braven Bogenschützen, Gewichtheber, Badmintonspieler oder sogar unsere »Kanureiter«. Obwohl diese wiederum, wie auch Turner und Schwimmer (leider nicht die deutschen) triumphierend kontern könnten: Wie viele Medaillen holt ihr denn so?
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Zum Beispiel David Storl, heute unsere große Kugelstoßhoffnung. Der Junge ist gerade erst  22 geworden, aber selbst wenn er bis ins Renteneintrittsalter Gold auf Gold gewänne, könnte er nie gegen einen wie Michael Phelps anstinken, der am Dienstag mit seiner 15. Goldmedaille einen neuen Olympischen Rekord aufstellte. Vor ihm hielt den Rekord eine Turnerin (die Legende Larissa Latynina), deutsche Spitzenwerte kommen aus den Lagern von Kanuten, Eisschnellläufern oder Reitern.
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Selbst den vielseitigsten Sportlern, nicht ohne Grund »Könige der Athleten« genannt, geht es wie David Storl. Auch ein Überflieger wie Ashton Eaton (nebenbei: auch ein Schwarzgürtel im Teakwondo) müsste noch viele Jahrzehnte nach dem prognostizierten Gold von London bei allen folgenden Spielen gewinnen, um in der Multimedaillenwertung ein Röllchen spielen zu dürfen. Und das ist . . . einfach ungerecht.
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Sogar innerhalb der Leichtathletik. Sprinter und Langstreckler sind die »Kanureiter« ihrer Sportart. Während Eaton für zehn Disziplinen eine Medaille gewinnen kann, sammeln Top-Sprinter oft drei (100 m, 200 m, Staffel) und manche (Owens, Lewis) sogar, wenn sie ihren Sprint mit einem Sprung abschließen, noch eine vierte als Bonusmedaille. Auch die Langstreckler sind als Multimedaillisten bevorteilt, das Gold-Double über 5000 und 10 000 Meter ist fast schon olympi-alltäglich, nur den Marathon als Zugabe gewinnt seit Zatopek keiner mehr. Chancengleichheit gäbe es nur, wenn die Laufdisziplinen auf 100, 1000 und 10 000 Meter beschränkt würden – was aber nicht nur für Lauf-Freunde ein sehr »beschränkter« Vorschlag ist. Es bleibt also alles, wie es ist, und bevor wir Storls Medaillenquote bis zur Rente hochrechnen, drücken wir ihm lieber die Daumen, dass er heute erst mal überhaupt eine holt.
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Sie haben dennoch nachgerechnet und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass David Storl sogar mindestens bis zu seinem 80. Geburtstag jedes Kugelstoß-Gold gewinnen müsste, um mit Phelps gleichzuziehen? Stimmt. Aber wo ist der Widerspruch? Was glauben denn Sie, wie hoch in 60 Jahren das Renteneintrittsalter sein wird ….?!
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Qualifiziere ich mich damit für »Waldis Klub«? Ach so, nein, der findet ja nur bei Fußball-EM oder -WM statt – was eine der guten Seiten von Olympia ist.
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Ach so, ja, im Olympia-Trubel ist die Nachricht fast untergegangen: Die beste Seite von »Waldis Klub« – es gibt ihn überhaupt nicht mehr. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle