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Anstoß vom 1. August (Britta und die Fahrradkette)

Erhebender Moment bei der ersten »deutschen« Siegerehrung: Aufs Podium gerufen wird Britta Heide … »mään«. Und wieder haben wir unseren Vorsprung als ewige Goldmedaillengewinner im olympischen Ausspracheverrenkungswettbewerb (siehe »OlympiABC«) vergrößert. Weil die anderen nicht  teilnehmen.
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Kurz vor dem Heidemann-Silber holte Matthew Grevers Gold über 100 m Rücken. Man stelle sich bloß vor, Olympia fände in Deutschland statt und der Sprecher ruft ihn als »Mad-hef Kre-fers« aufs Podium. Der arme Kerl würde als tumber teutscher Tor sofort seines Postens enthoben.
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Heute Zeitfahren.  Wir vertreiben uns die Zeit des Wartens auf Tony Martin mit einem sportartspezifischen Problem: Warum ist die Fahrradkette immer rechts? Einmal schon, vor Jahren, glaubte ich, die Lösung zu kennen, denn in einer »Rätsel des Alltags«-Rubrik der Süddeutschen Zeitung las ich sinngemäß: Die Fahrradkette ist rechts, weil die Kette aus England kommt, wo des Linksverkehrs wegen von links auf das Rad gestiegen werden musste und die Kette daher rechts angebracht wurde, damit man sich nicht verhedderte oder beschmutzte.
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Damit gab ich mich zufrieden, obwohl: Ich verheddere und beschmutze mich auch an der rechten Fahrradkette. In der Vorbereitung auf die Olympia-Kolumne recherchierte ich daher äußerst investigativ im Internet und fand andere Erklärungsversuche. Zum Beispiel: Links würde die Kette stören, weil die meisten Menschen von der linken Seite aus aufsteigen. Überzeugt mich logisch aber auch nicht – vielleicht steigt man nur darum von links aufs Rad, weil rechts die Kette ist.
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Noch ein Versuch: Die meisten Menschen sind Rechtshänder, deshalb steigen sie von links auf und schieben das Rad mit der rechten Hand von der linken Seite … och nöh, das klingt aber sehr überzwerch!
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Aber hier, jetzt hab ich’s: Die Kette rechts ist eine Tradition, die vom Reiten kommt. Auch Pferde werden von links bestiegen, weil früher der Säbel – nein, lieber der Degen, denn damit schließt sich der Kreis zu Britta – an der linken Körperseite hing. Das überzeugt mich!
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Ebenfalls bei der Fahrradketten-Recherche gefunden: Ein böser, böser Satz vom damaligen Bundestrainer Berti Vogts über »gewisse« Journalisten: »Die kennen den Vornamen meines Schäferhundes, obwohl ich keinen habe, können aber die Viererkette nicht von einer Fahrradkette unterscheiden.«
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Ich kann’s: Bei einer Viererkette ist der »Sechser« nicht weit, bei einer Fahrradkette der »Achter«. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle