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Sonntag, 29. Juli, 6.35 Uhr.

Draußen dämmrig, diesig, nieselregnerisch, kühl (so stellt man sich Olympiasommer in London vor), drinnen, in der Redaktion, stockt noch die Hitze der letzten Tage. Alles ist in den Ferien, in den bevorzugten Blogs von Wolfgang Herrndorf bis Jan Seghers gähnt die Leere, auch ich lasse frequenzmäßig nach, den Lesern nacheifernd oder nachbaumelnlassend, die ihre Mailfrequenz ebenfalls auf Ferienmodus gestellt haben. Nur die Zeitungskolumne läuft und läuft. So soll es und muss es auch sein, Endlosschleife, so lange der Leser und noch so ein gewisser HERR es will.

Für die Montagsthemen häufen sich die Notizen zu einem Zettelberg: Eröffnungsfeier und Waffenhandel / Nürburgring-Zitat in der Zeit / Occean statt Idrissou / das große Warten auf die Leichtathletik / Fahrradkette / Stadionrunde /Schweiß / Coe-Ovett / Kasachstan, Wino und Borat / Ole von Beust und die rote Ampel / Breno und der Maurer / Rammstein / Bild als neues deutsches Mies-Orakel usw. usw. Der Berg wächst, die Kolumne wird kleiner, denn während Olympia soll sie nicht ausufern (Eigenbefehl), um die Relation zum Ereignis zu wahren. Zwei Wochen lang soll sie im kleineren Rahmen als üblich Anstöße am Rande liefern, möglichst ausschließlich mit Themen und Themchen, die anderswo nicht oder ganz anders auftauchen, nicht olympiamonothematisch und immer auf eigenem Pfad.

Gestern im Auto kurz HR-Infokanal gehört. Zu Gast war der SPD-Politiker Gerhard Merz, zumindest früher ein aufmerksamer Leser meiner Kolumnen (und heute?). Merz, das war das HR-Thema,  hat auch einen Zettelberg: Er sammelt blöde, überflüssige, ungetümige,  floskelige und verhaspelte Sätze aus Reden seiner Kollegen, Presseerklärungen und ähnlichem. Die Fahrt war zu kurz, um alles mitzukriegen. Sammelt Gerhard Merz auch Journalisten-Binsen und -Hülsen und -floskeln  (wobei Binse auch schon eine floskelige Hülse und dies hier auch noch mehrfach gemoppelt ist)? Der SPD-Mann (intern, sagt man, sehr einflussreich auf Hessen-Ebene) scheint jedenfalls eine Eigenschaft zu besitzen, die man jedem Politiker wünscht: Beim Aufspießen der Fehlleistungen anderer immer im Hinter- und Vorderkopf zu haben, bei sich selbst auch ganz schön viel aufspießen zu können. Das schwebt auch immer über und in dem, was ich schreibe. Zum Beispiel in den nächsten Sonntagmorgenminuten bis -Stunden für die Montagsthemen, die um so mehr Zeit in Anspruch nehmen, desto weniger Zeilen sie haben sollen. Bis dann.

Baumhausbeichte - Novelle