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OlympiABC (vom 20. Juli)

Fiasko , auch Hingsenismus: Das italienische Wort bedeutet (Korb-)Flasche, und als vor rund 200 Jahren bei einer misslungenen Opern-Aufführung solche Flaschen auf die Bühne flogen, war das Fiasko komplett und ein neuer Begriff geboren. Der Hingsenismus entstand erst 1988 in Seoul, als der Zehnkämpfer Jürgen Hingsen im 100-m-Lauf vier Fehlstarts produzierte. Heute noch leidet er darunter: »Ich bin zum Depp der Nation geworden, weil dat ja keiner verstehen konnte. Ich habe keinen Zehnkampf mehr gemacht, aber zehn Jahre Albträume gehabt. Auch heute noch manchmal. Da muss ich immer wieder zum 100-m-Lauf antreten.« 

 Golfloch-Syndrom : Obwohl Golf noch nicht olympisch ist, spielt das G.-Syndrom vor allem in den olympischen Mannschaftssportarten eine überragende Rolle. Denn Erfolgstypen sehen das Golfloch, den Basketballkorb, das Fußballtor riesengroß, mikroskopisch winzig dagegen kommt das Ziel den Grübelnden vor, die ihre Zweifel mit in den Wettkampf nehmen. Das Fazit der Studie von US-Forschern hilft allerdings den Grübelnden als Gegenmaßnahme nur bedingt weiter: Wer sich ein großes Golfloch, ein scheunengroß offenes Fußballtor vorstellt, der trifft es auch, aber nur wer trifft, dem kommt es auch so groß vor. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Hockeyschläger: Goldträchtiges deutsches Sportutensil. Vielseitig verwendbar, wie eine Internet-Recherche zeigt: Es gibt den »Hockeyschläger«, mit dem sich Verkünder und Bestreiter des Klimawandels die Köpfe einschlagen, wegen des statistisch umstrittenen Beweises, dass die Kurve der Erderwärmung einem Hockeyschläger gleicht (mit langem Griff und kurzer, steiler Kelle). Im Versehrtensport kennt man neben Säckchenzielwerfen auch das Hockey-Zielschlagen, mit penibelsten Durchführungsbestimmungen und dem Zusatz: »Doppel-Oberarmamputierte (DOA) bzw. Doppel-Unterarmamputierte (DUA) schießen den Ball mit dem Fuß.« Weiter geht’s: Dass die Creutzfeld-Jacob-Krankheit durch Löcher im Gehirn gekennzeichnet wird, die wie ein kleiner Hockeyschläger aussehen, führt uns in den medizinischen Bereich. Bei einer »Ureterektomie mit Blasenmanschette« erfolgt der »Hockeyschläger-Schnitt«. Aber Vorsicht beim Holzlatten-Schnitt im Baumarkt! »Meist werden sie im Handel stehend gelagert – und wenn dies zu lange geschieht, krümmt sich das untere Ende unter der Last – man spricht vom Hockeyschläger-Effekt.« Den »hockey stick« gibt’s auch als buchhalterischen Begriff, gemeint ist das plötzliche Ansteigen einer (Umsatz-)Kurve. An der Börse würde der Dow Jones »bei konstanter oder gleichmäßig wachsender Geldmenge wahrscheinlich eine sanft ansteigende Linie zeigen, stattdessen hat er die Form von zwei großen Hockeyschlägern (1929/1999), die sich aus lauter kleinen Hockeyschlägern zusammensetzen«. Und nach Lehman? Fehlt noch das »Kampfmittelräumgerät TREX 204«, ein »neuer Hockeyschläger mit Metallunterscheidung und Bodenkompensation«, und in kanadischen Nationalparks soll man bei Begegnungen mit den riesigen Wapitis einen Hockeyschläger über dem Kopf schwenken, um als Geweihträger ernst genommen zu werden. Dies sei »Win-Win-Ökologie«, weil dadurch die Hirsche nicht getötet und nicht umgesiedelt werden müssen, da sich die Besucher der Nationalparks mit Hockeyschlägern Respekt verschaffen können. Riecht doch stark nach neuer olympischer Sportart! (wird fortgesetzt) (gw)

Baumhausbeichte - Novelle