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Sonntag, 8. Juli, 6.45 Uhr

Günter Eisinger, der Trainer von Ariane Friedrich, kommt aus Friedberg und ist langjähriger Leser meiner Kolumnen. Dennoch hatte ich ihn vor dem Schreiben des Samstags-Stammtischs bewusst nicht kontaktiert. Erst danach schrieb ich ihm eine Mail: 

Meine Kolumne für morgen (steht schon online) befasst sich fast ausschließlich mit Ariane/Meyfarth. Ich habe es bewusst vermieden, Dich zu kontaktieren, weil ich unbeeinflusst meine Meinung und meine Vermutungen ausdrücken wollte. Mir war klar, dass ich dadurch an einem Informationsdefizit leide und vielleicht Vermutungen in eine falsche Richtung anstelle. Ich hoffe dennoch, nicht völlig falsch zu liegen und vor allem, Dich nicht zu verärgern. Ich drücke Ariane, die ich für einen tollen Sport-Charakter halte (Ulrike Meyfarth allerdings auch, das ist ja das Schlimme bzw. das Dilemma) die Daumen für London!  Die Sache mit dem “außer sich” sein beziehungsweise das bewusste Inszenieren über die normale eigene Persönlichkeit hinaus habe ich übrigens von mir selbst abgeleitet (rote Kniestrümpfe, Pferdeschwanz, zweieinhalb Zentner in einem engen Höschen, Rumschnaufen usw.). Nur: Bei mir hat’s nicht geklappt, innerlich habe ich mich trotzdem ängstlich und hektisch gefühlt. Auf dass Ariane in London so richtig “abhebt”!

Daraufhin schrieb mir Günter Eisinger eine ausführliche Mail und  danach telefonierten wir noch lange, unter der Vereinbarung der Vertraulichkeit. Nur so viel: Er war zwar überrascht, aber nur positiv, wirklich sehr positiv. Günter Eisinger bestätigte meine Einschätzung der Gründe für das “außer sich sein”-Müssen, die ich als einziger Journalist erkannt hätte. Er habe das  Gefühl, Du bist im Geiste immer noch voll und ganz Sportler. Ja, natürlich bin ich das! Von der Vertraulichkeit ausgenommen haben wir Eisingers Erklärung zur kritisierten Medienpräsenz von Ariane Friedrich. Sie beide hätten in den letzten Monaten praktisch alle angebotenen Medienauftritte abgesagt, Ariane hätte in so gut wie allen Talkshows, beim Promitanzen (Sat 1 und RTL), Pokern (Vox), Kochen auf allen Kanälen, Wasserspringen (Raab), Galileo usw.  teilnehmen sollen – alles abgelehnt. Auch gegenüber der schreibenden Zunft wird abgeblockt, aber als Reaktion auf meine Bitte um Ruhe wird fleißig drauf los geschrieben.

Da auch ich die Medienpräsenz kritisiert und vermutet hatte, sie ginge von Ariane Friedrich aus, werde ich dies in den Montagsthemen kurz richtigstellen, der Rest bleibt vereinbarungsgemäß vertraulich. Dazu kommt noch die FAZ-Sache in die Kolumne, vielleicht ein kleiner Wahrheits-Abstecher und ein aparter Journalistenpreis, passt alles recht gut zusammen, aber warten wir’s ab, mit Beginn ihres Schreibens entwickelt die Kolumne meist ein Eigenleben, verbeißt sich in ein Thema, schweift ab, lässt Vorgesehenes liegen und macht störrisch, was sie will.

Baumhausbeichte - Novelle