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Sonntag, 1. Juli, 6.30 Uhr

Es hat sich ausgehypt, die EM-Party ist vorbei, der Flashmob zieht weiter, ich bin wieder da, zusammen mit dem Sport. Die kleine Kolumnenpause war der hilflose Versuch, dem Eventrausch zu entgehen, in dem ich nur Spielverderber hätte sein können. Und wer will das schon sein?

Aber vielleicht hat der Party-Party-Überschwang  sogar wirklich etwas mit Sport zu tun. Im der Nacht-Produktion von dpa lese ich die Thesen des Persönlichkeitspsychologen Jens Asendorpf über die Lust an Rekorden. Drei Motive, sagt er,  treiben den Rekord-Typen an, eins davon ist die “Reizsuche”: Die Suche nach intensiven Reizen und Gefühlen (Fachbegriff sensation seeking) gehört zu den individuellen Temperamentsmerkmalen. Am einfachsten und unbeschwerlichsten holt man sich diesen Reiz nun mal bei solchen Massen-Events, bei denen man sich gegenseitig hochpusht. Es ist kein weiter Weg von La Ola und Public Viewing bis zu  … nein, die Keule lass ich stecken. Zweites Motiv: “soziale Anerkennung”: Sie gehört zu dem Wunsch, im Mittelpunkt zu stehen. Auf mich aber trifft nur das dritte Motiv zu, das “Leistungsmotiv”, das aber ganz gewaltig: Es treibt bereits kleine Kinder an, mit Bauklötzen einen immer höheren Turm zu konstruieren  egal, ob die Eltern reagieren oder nicht. Es geht also um die Leistung an sich, nicht um die Frage, ob sie sozial anerkannt wird. Sie kann auch skurril sein oder ein Rekord, den ein Mensch nur für sich selbst bricht. Das ist es! Genau das! Schon als Kind mit Bauklötzen nur zum Rekordturmbauen gespielt … gespielt?, und noch heute ist jeder Tag ein verlorener Tag , an dem nicht wenigstens ein klitzekleiner persönlicher Weltrekord aufgestellt wird, so skurril und anderen unwichtig, dass man ihn lieber für sich behält.

Gleich geht’s an die Montagsthemen, doch vorher stelle ich drei sehr lesenswerte Mails in die Box (von Thomas Hübner, Andreas Kautz und Michael Trendel). Thomas Hübner berichtet dabei von einer unliebsamen Bekanntschaft mit kritisch-investigativem taz-Stimmungsjournalismus, sehr bezeichnend, ihn negativ überraschend, mich leider nicht, denn darüber habe ich mir noch nie Illusionen gemacht. Recht übel gelinkt. Zum Link rechts.

Baumhausbeichte - Novelle