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Sport-Stammtisch (vom 22. Juni)

Gekas, Tzavellas, Liberopoulos – alte Griechen, euch kenn ich doch! Drei Namen aus naher Eintracht-Vergangenheit lassen in Hessen keinen übergroßen Respekt vor dem heutigen Gegner aufkommen. Zwar wird beflissen gewarnt vor Griechenlands destruktivem Stil, zwar stimmt manchen die angebliche politische Brisanz skeptisch, und natürlich geistert die Rehakles-EM 2004 durchs bange Gemüt, doch die leichteste deutsche Aufgabe dieser EM sollte heute auch leicht zu lösen sein. Gegen Portugal, Holland und Dänemark war’s mühsam, im Halbfinale wird’s hart, aber dazwischen gibt es nichts, was ängstigen könnte. So viel Selbstvertrauen muss sein!
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Meine philhellenische Seele war schon zufrieden, als die Griechen unverhofft ins Viertelfinale einzogen. Sie gönnte ihnen auch die Tage vor dem Spiel, als zornige Griechen sich mit Anti-Merkel-Kriegsgeheul abreagieren und deutsche Fußballfans verschrecken konnten. Aber wenn der Ball rollt, verstummen alle Nebengeräusche, und auch meine griechischen Freunde ahnen, was auf sie zurollt.
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Gekas, Tzavellas, Liberopoulos – da ist ein »schwarzer Abt« nicht weit: Klaus Gerster fungiert als Spielerberater aller drei Griechen. Verrät er ihnen das einzig mögliche Erfolgsrezept? Wie damals, als er Manager bei Kickers Offenbach und dort, so »Bild«, quasi alleinverantwortlich für den Klassenerhalt war: »Magier Gerster trat vor die Mannschaft und demonstrierte an einem Streichholz die Stärke der Gemeinschaft. Erst nahm er ein Holz zwischen die Finger und zerbrach es locker. Dann nahm er elf Hölzer, drückte wie verrückt, aber es zerbrach kein Holz. Das zeigt: ›Nur gemeinsam ist man stark‹, motivierte Gerster.«
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Na ja, da hatte der »schwarze Abt« ein bisschen bei italienischen Schwarzhemden abgekupfert. Benito Mussolini gründete 1919 den »Fascio di Combattimento«, aus dem die Partei der Faschisten entstand. Sie beriefen sich auf die »fasces« der altrömischen Liktoren, die ein Ruten(= fasces)-bündel als Symbol der Staatsgewalt mit sich trugen. Sollte heißen: Eine Rute kann man leicht zerbrechen, ein ganzes Rutenbündel aber nicht. Oder: Einigkeit macht stark. – Aber nicht nur Griechen, auch Deutsche, und wenn es in Sachen Einigkeit pari steht, dann gewinnen hochtalentierte konstruktive Fußballer gegen limitierte destruktive. Meistens . . .
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Und die »gieriger« und »geiler« auf den Sieg sind? Am Mittwoch haben wir diese Reizwörter und ihren Bedeutungswandel schon kurz thematisiert. Käme noch hinzu, dass »Galligkeit« keine miese Laune verbreitendes Leiden mehr ist, sondern siegnotwendige Bissigkeit. Aber vor allem das »Geile« verblüfft uns Altvordere immer wieder, denn »geil« war einst ein Tabu-Wort, das man nur im engsten Freundeskreis in den Mund nahm (»Mensch, ist die . . . !«).
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Noch so ein bedeutungsgewandeltes Wort: »Betreuungs«-Geld. Nein, in die Kita-Debatte mischen wir uns nicht ein. Sondern: »Betreuen« ist ein von den Nazis erfundenes Verb. Grimms großes deutsches Wörterbuch kannte es im 19. Jahrhundert noch gar nicht. Dolf Sternberger definierte in seinem berühmten »Wörterbuch des Unmenschen« das Wort »Betreuung« als »diejenige Art von Terror, für die der Jemand – der Betreute – (auch noch) Dank schuldet«. Sternberger: »Ja wahrhaftig: Die Geheime Staatspolizei betreute die Juden«, und im Verb betreuen drücke die Vorsilbe »be« eine »Unterwerfung des Gegenstandes aus. Beispiele sind: beherrschen, betrügen, beschimpfen, bespeien, bestrafen, benutzen, beschießen, bedrücken, belohnen, beruhigen.«
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Weia! Hoffentlich weiß der DFB nichts davon! Sonst betreut Löw heute seine Mannschaft nicht, und die beherrscht die Griechen nicht, beschießt nicht deren Tor und belohnt sich nicht mit dem Halbfinaleinzug.
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Gibt es ein erlaubtes Wort für den Fußball, den wir  sehen wollen? Bunga-Bunga? Nee, das ist irgendwas anderes. Tiki-Taka? Darauf haben die Spanier das Copyright. Ramba-Zamba? EM 72, eine gute Erinnerung, klingt jedoch zu sehr nach Feldwebel-Gebrüll. Aber brauchen wir überhaupt Worte? Lasst Taten sprechen. Nun spielt mal schön! (gw)

Baumhausbeichte - Novelle