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Sport-Stammtisch (vom 20. Juni)

Wenn die Differenz des Koeffizienten …. halt, zum Glück ist jetzt Schluss mit der komplizierten Rechnerei. Ruhe(tag) vor dem Viertelfinal-Sturm. Gelegenheit, mal was ganz anderes und sehr einfaches zu berechnen, denn im EM-Trubel drohte diese recht interessante Meldung unterzugehen: »Anleger haben für 35 Millionen Euro die neue Schalke-Anleihe (Zinssatz: 6,75 Prozent) gezeichnet.« Na und? Keine Meinung dazu? Oft wird ja gegen die journalistische Grundregel verstoßen, Nachricht (Fakten) und Kommentar (Meinungen) zu trennen. Ich komme jetzt mal nur mit Fakten, ein paar Zahlen und ganz ohne Meinung aus: Mit einer Anleihe wird man als Anleger Gläubiger eines Schuldners (in diesem Fall: Schalke). Der Schuldner verpflichtet sich, das Geld (35 Millionen) nach einer gewissen Zeit (sieben Jahre) zurückzuzahlen plus jährliche Zinsen (6,75 Prozent; Bundesanleihen tendieren gegen null); Schalke beabsichtigt, mit den 35 Millionen einige alte Schulden zu begleichen und muss gleichzeitig jährlich knapp zweieinhalb Millionen Zinsen und nach sieben Jahren die kompletten 35 Millionen Euro zurückzahlen. Fakten und Zahlen. Meinung? Überflüssig.
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Gier und Geiz sind immer noch geil. Jürgen Klopp ist mit seinem BVB gierig aufs Gewinnen und wirbt damit sogar für die Volksbank. Banken und Gier, positiv besetzt durch Kloppo Sympathico? Der BVB-Trainer versucht sich semantisch rauszuwinden und führt (im SZ-Interview) sein »gierig« auf »wissbegierig, lernbegierig, neugierig« zurück. »Das sind positive Inhalte, oder? Wir haben alle eine extreme Lust aufs Gewinnen. Das sollte sich in der Gier ausdrücken. Mir ist Gier als Wort dann immer noch lieber als das dauernde ›geil‹, das leider auch von mir eine Zeitlang benutzt wurde.«
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Mir ist Gier und geil gleich unlieb. Ich bin auch nicht gierig und geil darauf, dass Deutschland am Freitag klar gewinnt und am Ende mit Traumfußball Europameister wird. Aber schön, schön fänd’ ich’s schon.
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Aber bitte ohne Elfmeterschießen! Zwar immer hoch spannend, aber fast so unsportlich wie die Koeffizienten-Rechenschieberei. Im Fall der Fälle wird Deutschland jedoch gewinnen, wie immer. Chelsea war nur ein Ausrutscher, auch Schweini wird wieder treffen. Denn ein Münchner Sportpsychologe hat das ultimative Erfolgsrezept ge- bzw. erfunden. »Kurz vor dem Schuss die linke Hand zur Faust ballen.« Denn: »In Drucksituationen dominiert oft die linke Gehirnhälfte. Der Spieler denkt an Technik. Er will alles richtig machen und konzentriert sich auf die Ausführung des Schusses. Weil das bei einem Profi eigentlich hoch automatisiert ist, verliert er sein Ballgefühl. Statt besser wird der Schuss nun schlechter. Wenn der Spieler die linke Faust ballt, aktiviert er die rechte Gehirnhälfte. Dadurch verlässt er sich wieder auf die automatisierte Ausführung, das Ballgefühl ist da, und der Ball ist im Tor.« – Nur schade, dass der Psychologe das Erfolgsrezept öffentlich gemacht hat (im Spiegel), die Elfmeterschießen bei der EM könnten bis in den frühen Morgen dauern.
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Zu guter Letzt noch eine hübsche Rechenaufgabe: Wie viel Mal wird Jan Ullrich die Tour gewonnen haben, wenn Armstrong verurteilt wird? Dass Ullrich »nie einen Konkurrenten betrogen« hat, langsam glauben es auch jene, die es für dreiste Lüge hielten. Es war die Wahrheit, nichts als die Wahrheit. Die verbirgt sich eben oft hinter mehr oder weniger kunstvoll gebauten Wortabwehrstellungen. So unterstützt die »Agentur für hochentwickelte Projekte« des US-Verteidigungsministeriums die Hirndoping-Forschung, weil sie helfen könnte, die Treffergenauigkeit von Scharfschützen zu verbessern. Und der CIA ging dem friedfertigen Dalai Lama einst in Tibet beim Kampf gegen China zur Hand, Mord inklusive, geplant und beschlossen im »Komitee zur Veränderung des Gesundheitszustandes«. Soviel verbaler Einfallsreichtum nötigt selbst den Freunden der italienischen Oper Respekt ab! – Sie lasen eine Kolumne, mit einer Hand geschrieben (die Linke bleibt zur Faust geballt), von: (gw)

Baumhausbeichte - Novelle