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Montagsthema (vom 18.Juni)

Puuh! Wie schmal war der Grat zwischen souveränem Gruppensieg und blamablem Ausscheiden! In keinem der drei Spiele zeigte die deutsche Mannschaft eine Leistung, die den Vorschusslorbeeren gerecht geworden wäre. Aber sehen wir es positiv: Wer mit dieser gebremsten Leistung die Hammergruppe verlustpunktfrei gewinnt und noch so viel Reserven hat, kann nur noch besser werden und wird auch besser werden (müssen).
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Griechenland also. Die von allen Konstellationen am wenigsten wahrscheinliche wird wahr. Selbst bei der EM beweisen die Griechen, die vor dem letzten Tag die schlechteste Ausgangsposition hatten, meine alte Kolumnen-Doktrin: Niemand spielt mit schlechten Karten besser als sie. Spezialisten im Ramsch. Und wenn kein Ramsch angesagt ist, gewinnen sie eben Nullouvert (mit offener) Hand.
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Aus der griechischen Sportpresse: »Bringt uns Merkel!« (Goal News) / »Angela, sei bereit.« (Sport Day) / »Ihr habt uns den IWF gegeben, wie geben eurer EURO TNT« (Metro Sport).
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Das wahre Dilemma: Die Griechen wollen ihre Identität behalten und wir unser Geld. Sie wollen nicht herumkommandiert werden und wir nicht ausgetrickst. Das ist kein Nord-Süd-Konflikt, sondern global sehr menschlich und sehr verständlich. Leider haben beide Verständnis nur für die jeweils eigene Situation.
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Dass Griechenland im Viertelfinale steht und Italien im Spiel Spanien gegen Kroatien Unheil schwant, hat in beiden Fällen mit »Schiebung« zu tun. Weil: Wenn in vier Vierer-Gruppen gespielt wird und im einfachen Jeder-gegen-jeden-Vergleich zwei von vier weiterkommen, ist es schon rein statistisch wahrscheinlich, dass in der einen oder anderen Gruppe ein unsportliches – oder schreiben wir besser: außersportliches – Kriterium gefunden werden muss, um eine Entscheidung zu fällen. Also ist »Schiebung« angesagt, in der Langform: »Rechenschieber«-Entscheidung.
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Manche Bezeichnungen halten sich, obwohl das Bezeichnete nicht mehr existiert. Jugendliche und auch schon etwas ältere Fußball-Fans, die im Mathematik-Unterricht schon lange nicht mehr mit dem »Aristo Scholar« (oder wie hieß Ihre Marke?) hantieren müssen/mussten, denken beim »Rechenschieber« eher an Schiebung als an Rechnung.
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Und was überhaupt ist ein »Koeffizient«? Wer mit dem Duden Obertertia-Wissen auffrischen will, findet diese Definition: »Koeffizient: Vorzahl der veränderlichen Größen einer Funktion.« Aha. Immer noch kannitverstan? Macht nichts.Am Freitag entscheiden keine Koeffizienten mehr, sondern nur noch Tore. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle