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Freitag, 15. Juni, 16.40 Uhr

Am schon online stehenden Sport-Stammtisch werde ich gleich noch eine  kleine Änderung vornehmen, die vollprolltätowierten Unterarme vom Bahnhofsklo werde ich mit einem Vokuhila-Vergleich umformulieren. Grund: Die liebste und schärfste Kritikerin meint, mit dem Bahnhofsklo würde ich mich als mindestens 80 outen. Dabei bin ich doch erst 14!

Der Mail-Dialog mit Christian Lugerth ging weiter, hier das letzte Stück:  

 

Habe ich noch gar nicht gehört, da ich in letzter Zeit öfters den Ton ausmache, weil mich die Moderatoren in den Wahnsinn treiben mit ihrem nationalen Gequatsche. Aber so wie es da steht und ich es lese, bin ich geneigt dem Matthias insofern recht zu geben, als daß dieser Werbespruch sehr unglücklich ist und vor allen Dingen komplett unnötig. Und man hat mal wieder nicht gedacht: Bank und Gier und Gewinnen? Bißchen dümmlich.
Austreten aus dem doitschen Volke muß ich aber nicht, da ich noch nie eingetreten bin. Ich hab halt den Ausweis, mehr auch nicht. (Christian Lugerth)

Die Klopp-Zitate stammen, so weit ich weiß, nicht aus der Bankenwerbung, sondern aus einem Fußballinterview mit Klopp. Ich habe selbst so eine Art negativen “G”-Punkt, bei dem ich Schüttelfrost kriege: Geiz, Gier, gallig, geil. In meinem Zettelkasten liegt daher seit einigen Wochen dieser Teil eines SZ-Interviews mit Klopp:
SZ: Gier ist jedenfalls die Eigenschaft, mit der die Finanzkrise erklärt wird. Ist es nicht seltsam, dass so ein Begriff sich im Fußballbetrieb ins Positive wendet? Weil Sie ihn benutzen?  Klopp: “Ja, seltsam, vielleicht, aber ich erinnere an folgende Begriffe: wissbegierig, lernbegierig, neugierig. Das sind positive Inhalte, oder? Der Begriff Gier sollte ausdrücken, dass uns das normale ‘erfolgreich sein’ halt nicht ausreicht. Es darf sich keine Sattheit, keine Zufriedenheit breit machen. Wir haben alle eine extreme Lust aufs Gewinnen. Das sollte sich in der Gier ausdrücken. Mir ist Gier als Wort dann immer noch lieber als das dauernde ‘geil’, das leider auch von mir eine Zeitlang benutzt wurde.”
Ich hatte noch keine Gelegenheit, dieses Zitat zu verwenden, beziehungsweise noch keinen Ansatzpunkt dafür. Einerseits klingt das überzeugend und echt nach Klopp, andererseits gefällt mir dieser Bedeutungswandel nicht, denn “Gier” bleibt für mich sehr negativ besetzt. Und “geil” war in meiner Jugend ein Wort, das man außerhalb des engsten Kumpelkreises nicht aussprach, sondern nur dachte, aber das fast immerzu. Über diese Bedeutungswandel, die immer vom Volk ausgehen (Wepse zur Wespe, Moltwarp zum Maulwurf usw.) habe ich schon öfter geschrieben, bei “Gier” ist es aber etwas anderes, da nicht aus sprachlicher Nachlässigkeit “in” geworden, sondern aus unangenehmer Bewusstseinsentwicklung. (gw)

Es hört nicht auf mit den Moderatoren.
Gerade Land unter in Donezk und da sagt der Heiopei im Fernseher doch: »Bei den hygienischen Verhältnissen, die hier in der Ukraine auf den Campingplätzen für die Fans herrschen, werden sich viele über die Dusche freuen!« Schon seltsam! Zu Gast, oder was? Um gleich nachzuschieben. »Die Italiener verlassen ihre Kommentatorenkabinen, da sind wir Deutschen doch wetterfester.«, und dann wird gelabbert und eine schlechte Grimmepreisanwärterkopie abgeliefert. Komisch, was die Pöhlerei so mit den Hirnen macht. Verbildzeitungt ist schon gut. (Christian Lugerth)

 

Baumhausbeichte - Novelle