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Ohne weitere Worte (vom 12. Juni)

Es ist jetzt Fußball-EM. Das ist wie Stahlhelm aufsetzen für eine ganze Nation. Die Fähigkeit, über Dinge zu schweigen, von denen man nicht sprechen und wahrscheinlich auch nicht schreiben sollte, ist stark eingeschränkt. Der Helm drückt aufs Hirn. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
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Wenn es um Fußball geht, habe ich autistische Züge. Ich bin dann am liebsten allein. Ich will keine Sekunde verpassen, nicht abgelenkt werden, keine Antwort geben müssen (…) Public Viewing? Nicht mit mir. Ich stehe auf Private Viewing. (Herman van Veen in der Welt am Sonntag)
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Sie haben einmal gesagt, dass kaum einer so viele Süßigkeiten isst wie Sie. Wie viel essen Sie denn, und was ist Ihre Lieblingssüßigkeit? – »Ich esse nur noch zwei Tafeln Schokolade am Tag, früher war es das Doppelte.« (Joachim Löw im Kinder-Zeit-Interview)
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Über Laufwege wurde öffentlich diskutiert, mit der Sporthochschule Köln wurden trainingswissenschaftliche Programme abgestimmt. Ändert das das Spiel Fußball? Wird das alles komplizierter? – »Ich weiß nicht, wie sinnvoll das ist, wenn du die Laufwege festlegst – wenn der Gegner die gleichen Laufwege hat, dann rennt man ja permanent gegeneinander.« (Franz Beckenbauer im FR-Interview)
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In diesem furchterregend tätowierten Athletenkörper steckt ein sensibles Gemüt, das unter Druck mitunter die Neigung zur Orientierungslosigkeit offenbart. (SZ über Jerome Boateng)
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Ronaldo wird geliebt von Mädchen wie Paris Hilton (…) und von Schwulen, sie wählen ihn gerne zum ›Sexiest man alive‹. Messi wird nie ein Tattoo haben, und wenn er seinen rotsamtenen Anzug von Dolce & Gabana trägt, sieht er aus, als hätte ihm seine Mutter den falschen Konfirmationsanzug gekauft. (Spiegel)
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Gibt es etwas klassisch Polnisches, das Sie Ihren Mitspielern gerne zeigen würden? – (…) »Wenn sich (…) die Gelegenheit bietet, werde ich meine Mannschaftskameraden sicher auf Bigos hinweisen, einen typisch polnischen Eintopf mit Sauerkraut und Fleisch.« – Und wovor werden Sie warnen? – »Auch vor Bigos – kurz vorm Spiel.« (Miroslav Klose im Zeit-Interview)
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Ihr Vater sagte einmal, er sei Schlesier und Europäer. – »Das hat er nie gesagt.« (…) Ihr Vater hieß früher Josef Kloze. Wann ist das Z aus Ihrem Familiennamen verschwunden? – »Ich habe das schon oft gehört, aber das stimmt auch nicht.« (…) – Stimmt denn überhaupt irgendwas an dem, was die Öffentlichkeit bislang für Ihre Biografie gehalten hat? – »Mein Name ist Miroslav Klose, das stimmt.« – Und Ihre 63 Länderspieltore haben Sie auch tatsächlich geschossen? – »Das will ich schwer hoffen.« (Klose im SZ-Interview)
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Im Käfig am Sparrplatz wird ein Turnier gespielt, einziger Deutscher auf dem Platz ist der Schiedsrichter. Die Kleinsten sind vielleicht zehn oder elf, die Mannschaften heißen Afghanistan, FC Bayern, La Familia. (…) Unglaubliches Tempo. (…) »Und wie süß die alle sind!« ruft C. »Kaum zu glauben, dass sie in ein paar Jahren ihre Schwestern umbringen.« (aus dem Blog »Arbeit und Struktur« des Schriftstellers Wolfgang Herrndorf)
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Sie geben sich kapitalismuskritisch, aber ihre Vorstöße zum Urheberrecht sind nichts anderes als Aufstände aus der Welt der Wohlstandsverwahrlosten, die alles umsonst haben wollen. (Matthias Matussek im Spiegel über »die alberne Hoffnung auf eine Jugendrevolte im Netz«)
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»Das Dreck gesund sei, ist eine faule Ausrede der Schmutzfinken.« (Carl Ludwig Schleich, Erfinder der Anästhesie / Kalenderspruch am 9. Juni in Bild)
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Dreck hält gesund. (SZ-Schlagzeile am 9. Juni)
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Unbeholfene Kleinkriminalität (»Zipperts Wort zum Sonntag« in der WamS zu Dirk Niebels Teppichaffäre)
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»Ich wollte das Kleingewerbe in Afghanistan unterstützen.« (Niebel in der BamS)
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Allerdings hätte man unbedingt die Einfuhr von Dirk Niebel verhindern müssen (Zippert/WamS) (gw)

Baumhausbeichte - Novelle