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Sonntag, 10. Juni, 6.40 Uhr

Einen aktuellen  Blog-Eintrag zu schreiben, dessen Thema nur Menschen interessiert, die gerade damit beschäftigt sind, zu Hause ein Bier auf den Sieg zu trinken, ihn in der Kneipe oder auf der Straße nach dem Public Viewing zu feiern und jedenfalls alles andere im Sinn haben, als im Internet zu schmökern, ist nicht unbedingt die sinnvollste Beschäftigung. Ob ich’s wiederhole? Eher nicht.

Schmökern. Na ja, du Opa. Aber “surfen” will mir nicht über die Lippen und in die Tastatur.

Heute nach den eigenen Zeitvorgaben etwas verspätet in den Blog gestartet, da beim … Schmökern das Internet auf den FAZ-Seiten die Grätsche machte. Die wahre, große und von mir hoch respektierte journalistische Leistung wurde/wird sowieso unter Druck beim Druck gemacht. Auf dem Tisch neben mir liegt die FAS, also die Sonntags-FAZ, mit zwei aktuellen Seiten vom Spiel inklusive Horeni-Kommentar (“Ein Anfang ohne Zauber”). Michael Horeni ist der Top-Journalist, der das Brüder-Boateng-Buch geschrieben hat und einer der Großzeitungs-Kollegen, auf die unser Berufsstand stolz sein kann (neben all den Menschen und Anlässen, die in die schamvolle Verzweiflung treiben können).

Wer einmal Mäuschen spielen würde beim Prozess von der leeren Seite bis zum fertigen Produkt, also zwischen spätabends und frühstmorgens, würde angesichts der physischen und psychischen Höchstspannung aller Beteiligten unter Fremdstress leiden.

Horeni habe ich nur einmal beruflich kennengelernt, vor vielen, vielen Jahren, in einer Hörfunk-Sportsendung des HR. Es ging, natürlich, um die Eintracht, und über sie palaverten, unter der Moderation von Volker Hirt, der damalige Eintracht-Boss Rolf Heller, ein FR-Kollege, Horeni und ich. Der FR-Kollege hieß und heißt Harald Stenger und sitzt heute mit ernsthaft-zerfurchter Stirn den Presseterminen der Nationalelf vor.

Sonst noch? Ach ja, Antwort auf Leserfragen: Von den sieben gefühlten Blitzen der modernen Skulptur scheinen nur fünf  “in echt” gewesen zu sein, jedenfalls kam kein Knöllchen mehr, außer einem sechsten für die Allernächste, die wohl aus Sympathie auch mal dort nicht vom Gas ging. Mittlerweile häufen sich die grotesken Situationen: Da jetzt jeder weiß, dass die moderne Skulptur eine stationäre Radarfalle ist, kommt es immer häufiger vor, dass mein Vordermann 50 Meter vor dem Ding abrupt zu schleichen beginnt und fünf Meter dahinter freudeheulend aufs Gas drückt, dass die Reifen quietschen. Vermutlich steckt sowieso in dem Ding, seit es seinen Zweck erfüllt hat, soviel wie in den Hüllen, die zur Zeit die ekligen Killerraupen aus dem Teich hinterlassen, wenn sie, herausgekrabbelt auf einem Schilfblatt, gesonnt, getrocknet und gehäutet, als wunderbare, wundersame Libellen in den Sommer hinein helikoptern.

Baumhausbeichte - Novelle