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Sport-Stammtisch (vom 9. Juni)

Endlich. Es war ja nicht mehr auszuhalten, was in Ermangelung eines rollenden Balles so alles herhalten musste, um Seiten und Sendungen zu füllen. Hauptfüllstoff: Ist Boateng ein Schweini?
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Entschuldigung, so einfach stellt sich die Frage nun wirklich nicht, sondern doppelt: Warum war Schweini mit Capri und Boateng auf … stopp, da stimmen die Proportionen und Präpositionen nicht. Also: Warum war Schweinsteiger auf Capri und Boateng mit einem »Bild«-Luder unterwegs? Weil der eine es durfte und der andere ziemlich blöd war.
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Zur durchaus sinnvollen Wellnesseinheit des wichtigsten deutschen Spielers ist daher jedes kritische Wort überflüssig. Die hohen deutschen Hoffnungen können nur mit einem physisch und psychisch intakten Schweinsteiger in Erfüllung gehen, auf dass es am Ende heißen möge: Capri sei Dank!
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Was Boateng angeht: Die Sache selbst schadet ihm sportlich nicht und geht nur seine Lebensgefährtin etwas an. Aber wie naiv muss man sein, um mit einer C-Prominenten, die von angetackertem Brustwerkzeug und einschlägigen »Bild«-Schlagzeilen lebt, nachts im Hotel in die Falle zu gehen?
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Auch in diesem Satz stimmte die Präposition nicht, sie muss ganz weg, denn ob er mit ihr in die Falle ging, ist uninteressant, aber dass er ihr in die Falle ging, das ist eben: ziemlich blöd. Ausgerechnet der Kopfgesteuertste der drei Boateng-Brüder lässt sich derart naiv vorführen! Hoffentlich stellt er sich heute gegen Ronaldo nicht ähnlich dappisch an.
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Zweites Top-Thema der nervend lange noch nicht rollenden Ballzeit, dicht hinter Schweini/Boateng: Wer orakelt warum und was? Hoch und heilig sei versprochen: Diese Kolumne bleibt bis zum Ende der EM tierisch orakelfrei, weder Kraken noch quakende, wiehernde oder gackernde Orakel finden bei mir eine Heimstatt. Weil: Ich find’s tierisch langweilig.
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Außerdem: Das bisschen Besserwissen orakel ich mir selbst. Wie vor kurzem, als ich den Gießener Basketball-Fans Mut machte, der Abstieg werde »nicht so heiß gegessen, wie er gekocht« wurde. Stichwort: die »wild’ Katt«. Dieses jüngste basierte auf dem mehr als zehn Jahre alten Orakel, »dass in den außerfußballerischen Ballspiel-Bundesligen beim Abstieg bald nicht mehr niedrigere Punktzahlen entscheiden, sondern ausschließlich höhere Schulden«. Nur schade, dass ausgerechnet Hüttenberg die Ausnahme der Regel ist.
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Auch mein vorerst letztes Orakel ist eingetroffen: Dass Düsseldorf drin und Kobiaschwili rekordlange draußen bleiben wird. Dass die Strafe nicht noch härter ausfiel, verdankt Hertha wohl nur dem Verzicht auf weitere Prozesse.
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Natürlich gab es vor der EM auch viel Informatives zu sehen, hören und zu lesen, auch einige schöne Sätze und Formulierungen. Hübsch zum Beispiel das Wortspiel »Ost-Blog aus Warschau« (Tagebuch-Titel beim Sport-Informationsdienst), und sportlich drückt ein pointierter Satz in der Süddeutschen Zeitung auch meine Sorgen aus: »Götze gilt immer noch als der kleine Messi, auch wenn er sich derzeit eher wie der kleine Mertesacker bewegt.« Zwei Kern-Probleme in einem Satz. Bleibt mir nur der letzte, doch noch ein Orakel: Weil seit Wochen ein Ruf durch Deutschland hallt (»Nie wieder Vize!«), erhöre ich ihn und verspreche: Das klappt. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle