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Sport-Stammtisch (vom 2. Juni)

Die schwarze Bayern-Serie gegen Dortmund ist beendet: Nach fünf Niederlagen in Folge nun ein krachendes 7:0 in der Startaufstellung vom Donnerstag.
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Warum kein BVB-Block? Weil Dortmund nur im Verbund und mit Klopp funktioniert. Außerdem: Welcher BVB-Block? Der einzige, ein Dreier-Block, spielt für Polen. Auch Kagawa und Subotic haben den falschen Pass. Bliebe nur ein Zweier-Blöckchen Schmelzer/Hummels plus Neu-Borusse Reus als erster Einwechselspieler, Götze als Option und Gündogan als zweiter Backup.
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Being Yogi Löw: Wenn uns das wie im Film (»Being John Malkovich«) gelänge, würden wir im Kopf des Bundestrainers wohl erneut keinen Dortmunder in der Startaufstellung für Portugal entdecken. Bei der EM werden die Bayern den Ton angeben, so oder so, aber in der Liga wollen sie sich offenbar wieder selbst ein Bein stellen: Auf BVB-Konzeptfußball mit Hoeneß’ Drohung zu reagieren, sich die Vormachtstellung zurückzukaufen, koste es, was es wolle, erinnert stark an Mario Adorfs neureichen Generaldirektor Heinrich Haffenloher in »Kir Royal«: »Ich scheiß dich zu mit meinem Geld!« Und dass jetzt Dzeko als Top-Neuzugang gehandelt wird, von Wuchs und Spielanlage quasi ein Klon von Gomez, spricht auch nicht gerade für ein echtes Konzept.
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Aber bevor wir uns wie an anderen Stammtischen auch über nichts als Fußball ereifern, wenden wir uns wirklich Wichtigem zu: Das Leser-Echo auf meinen Schlusssatz (»Ich habe keine Ahnung«) in der Mittwoch-Kolumne ähnelt jenem auf das »Ziegen-Problem« früherer Jahre. Es ging um diese Frage (aus der »Zeit«): »Sie fahren mit 100 km/h von A nach B und mit 50 km/h zurück. Wie hoch war Ihre Durchschnittsgeschwindigkeit?« Viele Leser wussten die Antwort: 66,7 km/h, oder wie Heiko Sichau aus Wettenberg-Krofdorf akkurat schreibt: »66,66666666666 66666666666666666666666666 …« Seine und die richtigen Lösungswege von Werner Bendel (Grüningen), Dr. Sylvia Börgens (Wölfersheim), Friedrich Eichenauer (Butzbach), Eva-Maria Kost-Ruhl, Walther Roeber (Bad Nauheim), Jörg Reitze (Gießen), Ernst-Ludwig Reuter, Helmut Schäfer, Johann-Christian Schneider, Arndt Schöniger (Rosbach), Andreas Hofmann und Frank Weger sind online nachzulesen in der »Mailbox« des gw-Blogs »Sport, Gott & die Welt«, mit Kommentaren wie »›Ich habe keine Ahnung‹? – glaub ich nicht« (Arndt Schöniger) oder: »Schön, dass die grauen Zellen schon am frühen Vormittag ›rangenommen‹ werden« (Ernst-Ludwig Reuter). Auch Folge-Rätsel von Lesern für Leser sind dabei. Zum Beispiel das Vogelsberger Schäfer-Problem von Werner Bendel: »Treffen sich zwei Schäfer mit ihren Herden. Sagt der eine: ›Gib mir ein Schaf ab, dann habe ich genauso viele wie du!‹ ›Nein, nein‹, antwortet der andere, ›gib DU mir eins, dann habe ich doppelt so viele wie du!‹ Wie groß sind die beiden Herden? In diesem Sinne wünsche ich Ihnen noch viele gute Ideen für Ihre Anstöße, die einer der wenigen Gründe …« (Danke, der Rest bleibt unter uns).
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Dass unsere Leser Humor haben, wusste ich. Aber wussten Sie, dass Shaquille O’Neal nicht nur ein riesengroßer Basketballer war, sondern auch ein Riesenhumorexperte ist? Jedenfalls hat er sich während seiner aktiven NBA-Zeit weitergebildet und wurde jetzt sogar promoviert. Titel seiner Doktorarbeit: »Wie Anführer Humor oder Aggression in ihren Führungsstilen nutzen.« Humor und Aggression als gleichwertige Mittel zum Führungszweck? Schräg. Abgekupfert hat »Shaq« sicher nicht – das Thema hat  gewiss Alleinstellungsmerkmal.
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Auch die beiden Klitschkos sind promovierte Akademiker. Ihre doktorwürdigen Themen: »Entdeckung und Förderung von Talenten im Sport« (Vitali) und »Sportbegabung und Talentförderung« (Wladimir). Tja. Wer hat da bei wem …?
Meine Doktorarbeit steht noch aus. Ich arbeite an ihr seit vielen Jahren, und zwar innerhalb der »Anstoß«-Kolumnen. Nun aber habe ich den letzten Anstoß bekommen, sie fertigzustellen. Gestern lese ich, dass New York die Fettleibigkeit US-amerikanischer Kinder durch Verbot von großen Cola-Bechern bekämpfen will. Gleichzeitig erfahre ich in der FAZ, dass die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch dem DFB vorwirft, durch die Partnerschaft mit Ferrero die Fettleibigkeit der Kinder zu fördern, weil für ein »DFB-Fan-Trikot rund 500 Kinderriegel verspeist werden müssten, was 59 000 Kilokalorien, 5,5 Kilo Zucker, 3,65 Kilo Fett entspreche – so viel wie in 18 Päckchen Butter«. – Würg!
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Um die 500 Kinderriegel abzutrainieren, müsste man »mehr als 60 Fußballspiele über 90 Minuten bestreiten«. Und hier setzt meine wissenschaftliche Arbeit an, für die ich in früheren Kolumnen schon Material gesammelt habe: Ein guter Hahn wird selten fett. Aber nicht der pure Sex ist das Geheimnis des Schlankheitshahns (man beachte bitte: »h« statt »w«!), sondern die Bewegung. Ein guter Hahn ist sozusagen ständig auf dem Sprung, schließlich hat er einen ganzen Hühnerhaufen zu versorgen, zu verteidigen, vor ihm auf und ab zu stolzieren. Sein gegenüber den träg-fetten Hennen vielfach erhöhter Grundumsatz frisst ihm das Fett schon weg, bevor es am Hähnchenschenkel andocken kann. Wer fettfrei wie ein guter Hahn werden will, muss demnach seinen Grundumsatz erhöhen, egal wie. Jede Bewegung verbraucht Energie, viele kleine Bewegungen, tagein, tagaus, verbrauchen viel Energie. Energie wird von der Körpermasse gespeist, verringert sie also. Daher muss so viel Energie wie möglich verbraucht und nur soviel Körpermasse-Nachschub, vulgo Speis und Trank, wie nötig, nachgetankt werden, nach dem Motto des gehetzten Hühnerhof-Königs, das auch Titel meiner Doktorarbeit ist: »Mehr output als input durch maximal putput.« (gw)

Baumhausbeichte - Novelle