Archiv für Juni 2012

Freitag, 22. Juni, 23.45 Uhr

Nach dem 1:1 fast ein bisschen gebangt, dass der Anstoß von heute im Blatt (Freitag) widerlegt würde von diesen, von meinen wirklich sehr seltsamen Griechen. Nun kommt hoffentlich England und es kommen nicht die sehr schwer zu spielenden Italiener, obwohl ich meinem zweiten Lieblingsland das Halbfinale ebenso gönnen würde wie den Griechen das Viertelfinale und die beiden Tore. Die wiederum (die beiden Tore) sind das Bedenkliche im deutschen Spiel, bei aller Freude über die rasante und kombinationsfreudige Offensivkraft, die derzeit wohl das Beste ist, was der internationale Fußball zu bieten hat. Aber zwei Tore von den Griechen! Das hätten selbst die Hellenen nie gedacht. Deren Hoffnung: Deutschland verzweifelt, ein Konter, o:1.  So aber: 4:2, und es hätte auch 7:3 ausgehen können. Italiener und Spanier haben das teils mit Respekt, teils vorfreudig amüsiert angeschaut.

Eine erste Leser-Reaktion plus Nachschlag steht schon online, damit gehen wir in eine kurze Kolumnen- (mindestens bis übernächsten Montag) und Blog-Pause (mindestens bis nächsten Donnerstag).

Veröffentlicht von gw am 22. Juni 2012 .
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Wolfgang Fertsch im und nach dem Spiel gegen die Griechen

Jetzt schreibe ich zum zweiten Mal in meinem Leben an Sie. Aber einmal möchte ich es sagen. Was haben eigentlich alle mit Gomez. Ich finde Miro Klose super. Aber die Jahre gehen nicht vorüber. Es steht 1:0 gegen Griechenland. Wo war Klose? Früher hätte er jetzt schon zwei gemacht, heute nicht mehr. Ich unterstelle, Gomez hätte einen gemacht und diese griechischen Haudegen viel beschäftigt. Hoffentlich kommt er noch. Dann noch Müller für Schnözil, Reuss in die Mitte und es geht 5:0 aus….
Wie schön sich mal wieder als einer der  zehn Millionen Bundestrainer geoutet zu haben. Aber Sie sind ja Kummer gewohnt…
Weiter so. (Wolfgang Fertsch)

Ich bleibe trotzdem dabei: Gomez wird die Torjägerkrone geklaut und Reuss ist der bessere Özil….

Veröffentlicht von gw am 22. Juni 2012 .
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Sport-Stammtisch (vom 22. Juni)

Gekas, Tzavellas, Liberopoulos – alte Griechen, euch kenn ich doch! Drei Namen aus naher Eintracht-Vergangenheit lassen in Hessen keinen übergroßen Respekt vor dem heutigen Gegner aufkommen. Zwar wird beflissen gewarnt vor Griechenlands destruktivem Stil, zwar stimmt manchen die angebliche politische Brisanz skeptisch, und natürlich geistert die Rehakles-EM 2004 durchs bange Gemüt, doch die leichteste deutsche Aufgabe dieser EM sollte heute auch leicht zu lösen sein. Gegen Portugal, Holland und Dänemark war’s mühsam, im Halbfinale wird’s hart, aber dazwischen gibt es nichts, was ängstigen könnte. So viel Selbstvertrauen muss sein!
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Meine philhellenische Seele war schon zufrieden, als die Griechen unverhofft ins Viertelfinale einzogen. Sie gönnte ihnen auch die Tage vor dem Spiel, als zornige Griechen sich mit Anti-Merkel-Kriegsgeheul abreagieren und deutsche Fußballfans verschrecken konnten. Aber wenn der Ball rollt, verstummen alle Nebengeräusche, und auch meine griechischen Freunde ahnen, was auf sie zurollt.
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Gekas, Tzavellas, Liberopoulos – da ist ein »schwarzer Abt« nicht weit: Klaus Gerster fungiert als Spielerberater aller drei Griechen. Verrät er ihnen das einzig mögliche Erfolgsrezept? Wie damals, als er Manager bei Kickers Offenbach und dort, so »Bild«, quasi alleinverantwortlich für den Klassenerhalt war: »Magier Gerster trat vor die Mannschaft und demonstrierte an einem Streichholz die Stärke der Gemeinschaft. Erst nahm er ein Holz zwischen die Finger und zerbrach es locker. Dann nahm er elf Hölzer, drückte wie verrückt, aber es zerbrach kein Holz. Das zeigt: ›Nur gemeinsam ist man stark‹, motivierte Gerster.«
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Na ja, da hatte der »schwarze Abt« ein bisschen bei italienischen Schwarzhemden abgekupfert. Benito Mussolini gründete 1919 den »Fascio di Combattimento«, aus dem die Partei der Faschisten entstand. Sie beriefen sich auf die »fasces« der altrömischen Liktoren, die ein Ruten(= fasces)-bündel als Symbol der Staatsgewalt mit sich trugen. Sollte heißen: Eine Rute kann man leicht zerbrechen, ein ganzes Rutenbündel aber nicht. Oder: Einigkeit macht stark. – Aber nicht nur Griechen, auch Deutsche, und wenn es in Sachen Einigkeit pari steht, dann gewinnen hochtalentierte konstruktive Fußballer gegen limitierte destruktive. Meistens . . .
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Und die »gieriger« und »geiler« auf den Sieg sind? Am Mittwoch haben wir diese Reizwörter und ihren Bedeutungswandel schon kurz thematisiert. Käme noch hinzu, dass »Galligkeit« keine miese Laune verbreitendes Leiden mehr ist, sondern siegnotwendige Bissigkeit. Aber vor allem das »Geile« verblüfft uns Altvordere immer wieder, denn »geil« war einst ein Tabu-Wort, das man nur im engsten Freundeskreis in den Mund nahm (»Mensch, ist die . . . !«).
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Noch so ein bedeutungsgewandeltes Wort: »Betreuungs«-Geld. Nein, in die Kita-Debatte mischen wir uns nicht ein. Sondern: »Betreuen« ist ein von den Nazis erfundenes Verb. Grimms großes deutsches Wörterbuch kannte es im 19. Jahrhundert noch gar nicht. Dolf Sternberger definierte in seinem berühmten »Wörterbuch des Unmenschen« das Wort »Betreuung« als »diejenige Art von Terror, für die der Jemand – der Betreute – (auch noch) Dank schuldet«. Sternberger: »Ja wahrhaftig: Die Geheime Staatspolizei betreute die Juden«, und im Verb betreuen drücke die Vorsilbe »be« eine »Unterwerfung des Gegenstandes aus. Beispiele sind: beherrschen, betrügen, beschimpfen, bespeien, bestrafen, benutzen, beschießen, bedrücken, belohnen, beruhigen.«
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Weia! Hoffentlich weiß der DFB nichts davon! Sonst betreut Löw heute seine Mannschaft nicht, und die beherrscht die Griechen nicht, beschießt nicht deren Tor und belohnt sich nicht mit dem Halbfinaleinzug.
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Gibt es ein erlaubtes Wort für den Fußball, den wir  sehen wollen? Bunga-Bunga? Nee, das ist irgendwas anderes. Tiki-Taka? Darauf haben die Spanier das Copyright. Ramba-Zamba? EM 72, eine gute Erinnerung, klingt jedoch zu sehr nach Feldwebel-Gebrüll. Aber brauchen wir überhaupt Worte? Lasst Taten sprechen. Nun spielt mal schön! (gw)

Veröffentlicht von gw am 21. Juni 2012 .
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Walther Roeber zum Elfmeterschießen (und mehr)

Das Kommentatoren-Problem, das sich in Deutschland aufzutun scheint, habe ich ja derzeit nicht, die englischen Kommentatoren schalte ich meistens weg,  da häufig mit lateinamerikanischem Akzent behaftet und genauso artikulierend, also “Ton aus” oder “mute”.
Amüsiert habe ich mich über zwei oder drei Auftritte von Herrn Ballack in diesen Runden auf ESPN, wo er wirkte wie ein etwas zu groß geratener Konfirmand. Sein Englisch ist zwar ganz gut, aber sonst wirkte er eher fehl am Platz.
Das leidige Elfmeterschießen… Um es noch gemeiner zu machen, könnte man ja auch die Schützen jeder Mannschaft auslosen, dann könnte sich keiner “drücken”.
Eine patente Lösung fällt mir auf die Schnelle auch nicht ein, obwohl die schon angesprochene 3 Ecken = 1 Elfer -Regel offenbar aus verschiedenenen Kicker-Gruppen bekannt ist.
Den Ballbesitz dürfte man nicht mit einbeziehen, denn der ist eigentlich wenig aussagefähig, wie diverse Spiele gezeigt haben.
Da ja über alles Statistik geführt wird, könnte man auch noch an Schüsse auf das Tor denken, die aber schwer zu bewerten sind.
Losen ist jedenfalls keine Lösung; ich weiß nicht, warum eigentlich das Golden Goal (Bierhoff seligen  Angedenkens) wieder abgeschafft wurde. Gibt es doch beim Eishockey wohl auch noch.
Kunstschießen aus größeren Entfernungen auf das leere Tor? Vom Mittelkreis aus?
Auffällig übrigens, dass zumindest bei einigen Spielen offenbar starkes Bemühen vorhanden war, Eckbälle zu vermeiden. Allerdings haben bisher andere Standardsituationen (Freistöße) kaum zu Toren geführt. (Walther Roeber)

Veröffentlicht von gw am 21. Juni 2012 .
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Lothar Kinnschewski zum Elfmeterschießen

In der Online-Mailbox habe ich gerade die Diskussion zur Fairness von Entscheidungen durch Elfmeterschießen gelesen, dort fragen Sie nach weiteren Meinungen. Mein durchaus ernstgemeinter, jedoch bei FIFA und UEFA vollkommen utopischer Vorschlag: Jeder kennt die alte Bolzplatz-Regel, drei Ecken gibt einen Elfmeter. Wenn man die Regel in der Verlängerung anwenden würde, dann würde kaum mehr eine Verlängerung torlos ausgehen und beide Mannschaften müssten fast zwangsläufig offensiv spielen, drei Ecken sind schnell erreicht. Man wende diese Regel auf das CL-Finale Bayern-Chelsea an, wir hätten kaum ein Elfmeterschießen gesehen… (Lothar Kinnschewski)

Veröffentlicht von gw am 20. Juni 2012 .
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Baumhausbeichte - Novelle