Archiv für Juni 2012

Freitag, 22. Juni, 23.45 Uhr

Nach dem 1:1 fast ein bisschen gebangt, dass der Anstoß von heute im Blatt (Freitag) widerlegt würde von diesen, von meinen wirklich sehr seltsamen Griechen. Nun kommt hoffentlich England und es kommen nicht die sehr schwer zu spielenden Italiener, obwohl ich meinem zweiten Lieblingsland das Halbfinale ebenso gönnen würde wie den Griechen das Viertelfinale und die beiden Tore. Die wiederum (die beiden Tore) sind das Bedenkliche im deutschen Spiel, bei aller Freude über die rasante und kombinationsfreudige Offensivkraft, die derzeit wohl das Beste ist, was der internationale Fußball zu bieten hat. Aber zwei Tore von den Griechen! Das hätten selbst die Hellenen nie gedacht. Deren Hoffnung: Deutschland verzweifelt, ein Konter, o:1.  So aber: 4:2, und es hätte auch 7:3 ausgehen können. Italiener und Spanier haben das teils mit Respekt, teils vorfreudig amüsiert angeschaut.

Eine erste Leser-Reaktion plus Nachschlag steht schon online, damit gehen wir in eine kurze Kolumnen- (mindestens bis übernächsten Montag) und Blog-Pause (mindestens bis nächsten Donnerstag).

Veröffentlicht von gw am 22. Juni 2012 .
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Montag, 18. Juni, 11.35 Uhr

Jetzt erst stehen die Montagsthemen bzw. das Montagsthema online. Gestern abend ist der Tunnel eingekracht, noch weiß niemand warum, die Reparatur kann dauern, das heißt, Blog gibt’s vorerst nur vom Arbeitsplatz aus (Danke, lieber „ra“,  für die Notlösung via Telefon, trotz eigener Höchstbelastung vor dem Redaktionsschluss). Nach der (berechtigten) Skepsis vor dem Dänemark-Spiel mache ich mir nun keine große Sorgen, gegen Griechenland wird’s deutlich, sagt mein Bauch. Nachher kommt noch die „Ohne weitere Worte“-Kolumne online, an der noch gebastelt wird und die diesmal „Mit weiteren Worten“ überschrieben sein wird. Bis dann.

Veröffentlicht von gw am 18. Juni 2012 .
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Sonntag, 17. Juni, 6.25 Uhr

Zwischen Traum und Tag drängt sich eine Idee in den müden Kopf. Ein Hammer-Gag für die Kolumne! Schlagartig wach. Schnell aufschreiben? Blick auf die Uhr. Halb fünf. Ooch, später. Umdrehen, dösend den Gag genießen. Eingeschlafen. Aufgewacht. Gag weg. Nur noch das Wissen da, einen Hammer-Gag gehabt zu haben. Oder nur geträumt, einen Hammer-Gag gehabt und vergessen zu haben?

Immer, wenn ich an der früher Blitze schleudernden Skulptur vorbeikomme, drängt sich der gleiche Drang in den Gasfuß wie früher in die vorwitzige Kinderhand, die unbedingt testen musste, ob wirklich Strom im Weidezaun fließt. Ich bin sicher, die Skulptur ist mittlerweile eine leere Hülle, deren Bedeutung nur noch im Kopf des Betrachters existiert. Moderne Kunst eben. Außenstelle der Documenta. Zwar ruft das vorwitzige Kind in mir: Da ist ja gar nichts dran und drin! Aber der alte Geizhals testet es nicht aus, mit knapp 70 den wahrscheinlich nicht existenten Blitzer zu provozieren. Kostet doch nur 15 Euro! 

Nur? Für 15 Euro krieg ich bei meinem Griechen einen Teller Dolmadakia, einen Schmortopf überbackene Zuchini, eine Portion Zatsiki, ein Glas Retsina und einen Ouzu für lau vorneweg, und oft danach noch einen Retsina aufs Haus (ja, wirklich, so preiswert ist’s bei Mimi und Dimi!).

Noch. Wenn alles programmgemäß läuft, Deutschland also nicht verliert, kommt es zum Hammer-Gag-Viertelfinale. Selbst bei der EM beweisen die Griechen, die vor dem letzten Tag die schlechteste Ausgangsposition und so gut wie keine Chance hatten, mein Mantra: Niemand spielt mit schlechten Karten besser als sie. Spezialisten im Ramsch. Und wenn kein Ramsch angesagt ist, gewinnen sie eben Nullouvert  mit (offener) Hand.

Ein langer Tag im Startblock hat begonnen. Montagsthemen gibt es erst ab elf, nur ein paar Füller (Modus) werden vorab geschrieben, falls nach dem Schlusspfiff der Schreibmuskel zumacht und nur noch zittrig „Sieg“ oder „Draußen“ krampft.

Erster Blick auf die letzten Meldungen der Nacht: „Campino wird 50“  –  „Hannes Wader wird 70“ – „Paul McCartney wird 70“ – „Experte warnt vor Sucht im Alter“.

Beste Vorbeugung, siehe Campino, Wader und McCartney: Sucht in der Jugend. Die macht gefeit gegen Alterssucht. Aber nicht gegen die Sucht, jung bleiben zu wollen. Jung bleibt, wer gar nicht daran denkt, jung bleiben zu wollen. Obladi, oblada, life goes on.

Hannes Wader? Kennen Sie nicht? Mensch, müssen Sie jung sein! In seinem schönsten Lied (»Ich hatte mir noch so viel vorgenommen“) klampft und singt der Alt-Liedermacher  auch von dem armen Exhibitionisten, der im Bett liegt und sich schämt – denn nachdem er sich einigen »Kindern in schamverletzender Weise« genähert hatte, liefen die Knilche johlend auf ihn zu und »riefen, er solle sich mit seinem blaugeäderten Unding wegscheren«. Übrigens nicht die schlechteste Methode, diesen Typen das, äh, Handwerk zu legen.

Veröffentlicht von gw am 17. Juni 2012 .
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Freitag, 15. Juni, 16.40 Uhr

Am schon online stehenden Sport-Stammtisch werde ich gleich noch eine  kleine Änderung vornehmen, die vollprolltätowierten Unterarme vom Bahnhofsklo werde ich mit einem Vokuhila-Vergleich umformulieren. Grund: Die liebste und schärfste Kritikerin meint, mit dem Bahnhofsklo würde ich mich als mindestens 80 outen. Dabei bin ich doch erst 14!

Der Mail-Dialog mit Christian Lugerth ging weiter, hier das letzte Stück:  

 

Habe ich noch gar nicht gehört, da ich in letzter Zeit öfters den Ton ausmache, weil mich die Moderatoren in den Wahnsinn treiben mit ihrem nationalen Gequatsche. Aber so wie es da steht und ich es lese, bin ich geneigt dem Matthias insofern recht zu geben, als daß dieser Werbespruch sehr unglücklich ist und vor allen Dingen komplett unnötig. Und man hat mal wieder nicht gedacht: Bank und Gier und Gewinnen? Bißchen dümmlich.
Austreten aus dem doitschen Volke muß ich aber nicht, da ich noch nie eingetreten bin. Ich hab halt den Ausweis, mehr auch nicht. (Christian Lugerth)

Die Klopp-Zitate stammen, so weit ich weiß, nicht aus der Bankenwerbung, sondern aus einem Fußballinterview mit Klopp. Ich habe selbst so eine Art negativen „G“-Punkt, bei dem ich Schüttelfrost kriege: Geiz, Gier, gallig, geil. In meinem Zettelkasten liegt daher seit einigen Wochen dieser Teil eines SZ-Interviews mit Klopp:
SZ: Gier ist jedenfalls die Eigenschaft, mit der die Finanzkrise erklärt wird. Ist es nicht seltsam, dass so ein Begriff sich im Fußballbetrieb ins Positive wendet? Weil Sie ihn benutzen?  Klopp: „Ja, seltsam, vielleicht, aber ich erinnere an folgende Begriffe: wissbegierig, lernbegierig, neugierig. Das sind positive Inhalte, oder? Der Begriff Gier sollte ausdrücken, dass uns das normale ‚erfolgreich sein‘ halt nicht ausreicht. Es darf sich keine Sattheit, keine Zufriedenheit breit machen. Wir haben alle eine extreme Lust aufs Gewinnen. Das sollte sich in der Gier ausdrücken. Mir ist Gier als Wort dann immer noch lieber als das dauernde ‚geil‘, das leider auch von mir eine Zeitlang benutzt wurde.“
Ich hatte noch keine Gelegenheit, dieses Zitat zu verwenden, beziehungsweise noch keinen Ansatzpunkt dafür. Einerseits klingt das überzeugend und echt nach Klopp, andererseits gefällt mir dieser Bedeutungswandel nicht, denn „Gier“ bleibt für mich sehr negativ besetzt. Und „geil“ war in meiner Jugend ein Wort, das man außerhalb des engsten Kumpelkreises nicht aussprach, sondern nur dachte, aber das fast immerzu. Über diese Bedeutungswandel, die immer vom Volk ausgehen (Wepse zur Wespe, Moltwarp zum Maulwurf usw.) habe ich schon öfter geschrieben, bei „Gier“ ist es aber etwas anderes, da nicht aus sprachlicher Nachlässigkeit „in“ geworden, sondern aus unangenehmer Bewusstseinsentwicklung. (gw)

Es hört nicht auf mit den Moderatoren.
Gerade Land unter in Donezk und da sagt der Heiopei im Fernseher doch: »Bei den hygienischen Verhältnissen, die hier in der Ukraine auf den Campingplätzen für die Fans herrschen, werden sich viele über die Dusche freuen!« Schon seltsam! Zu Gast, oder was? Um gleich nachzuschieben. »Die Italiener verlassen ihre Kommentatorenkabinen, da sind wir Deutschen doch wetterfester.«, und dann wird gelabbert und eine schlechte Grimmepreisanwärterkopie abgeliefert. Komisch, was die Pöhlerei so mit den Hirnen macht. Verbildzeitungt ist schon gut. (Christian Lugerth)

 

Veröffentlicht von gw am 15. Juni 2012 .
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Freitag, 15. Juni, 11.35 Uhr

Die „Doitschland“-Mail des Schauspielers und Regisseurs Christian Lugerth (siehe „Mailbox“)  hatte ich privat beantwortet. Nach Einverständnis von Christian Lugerth habe ich meine Anmerkungen jetzt auch an seine Mail gehängt (noch mal: siehe „Mailbox“). Da zum besseren Verständnis einige Erklärungen fehlen, hier der komplette Mail-Dialog:

Schon ein bisserl seltsam, unser Doitschland, wenn die Kugel rollt.
Da hat einer sein Gehirn nicht eingeschaltet und aus urdoitscher, unreflektierter Ursuppe heraus rutscht ihm ein Stahlhelm ins Mikrophon. Das wird bemerkt. Und kommentiert. Und alle rufen: Der Hansi ist ein ganz Lieber einer, laßt ihn doch. Selbstredend, aber Gedankenlosigkeit und mentale Fahrlässigkeit ein paar Kilometer vor den Toren von Danzig? Nein. Herr Flick entschuldigt sich. Gut so.
Tage später: ein Stürmer und seine Kollegen stolpern orientierungslos über die Lemberger Wiese (Hummels, Khedira und Boateng mal ausgenommen), dann fällt ein Tor. Schön. Glück. Der Co – Kommentator beschreibt das alles – und gemeinerweise mit einem liebevoll bösartigen Vergleich. Und alle im Medienchor: Böser, böser Scholli, guck mal wie Mario uns glücklich gemacht hat. Ich glaube der Gomez sollte sich beim Mehmet für den Arschtritt bedanken. Er ist gegen die Holländer unglaubliche 4 Kilometer mehr gelaufen als gegen Portugal. Geht doch. Wobei seine 8,7 Kilometer gegen die Niederländer von jeden Dortmunder (Schnitt 11 Kilometer etwa auch gegen – sagen wir mal – Werder Bremen oder Kaiserslautern) lockerst getoppt werden. Mehmet Scholl entschuldigt sich nicht. Richtig.
Wie oft saß ich als Regisseur schon fassungslos vor der Bühne und sah zu, wie Schauspieler versuchten eine Probe auf der halben Arschbacke zu absolvieren. Möchte nicht wissen, ob meine Wortwahl da immer political correct war.
Whatever, Fußballdoitschland ist ein sensibles Pflänzchen und hat mit einer ordentlichen Kritikkultur leider nicht mehr viel am Hut. Weil wir endlich wieder wer sein wollen, nicht mehr rumpeln, sondern Spanien. Sind wir nicht. Özil hin und her, Ribbeck bleibt unvergessen! Und das ist der Schatten auf der doitschen Seele. Und die Stahlhelme. (Christian Lugerth)

Wie schön, dass wir über Fußball so viele Meinungen haben können. Ich meine: Natürlich hast Du recht. Natürlich hast Du nicht recht. Gomez (ich finde übrigens, ein guter Typ, für sein Schönling-Image kann er nur ein bisschen) soll gar nicht so viel laufen, im Gegensatz zu Klose. Und Scholli hab ich doch auch so lieb, aber als ARD-„Experte“ merkt man ihm an, dass er nie ein guter Trainer werden wird. Beim Stahlhelm bist Du, meine ich, überempfindlich (ich hab’s natürlich auch bei Archibald gelesen), aber lieber überempfindlich als ein Klotz. Schönes anderes Beispiel: Ich nehme an, dass wir über Klopp ähnlich positiv denken, trotz manchmal leichter Irritationen in Gestik und Wortwahl. Aber was unser Freund Matthias über ihn in seiner Geisterbahn geschrieben hat, finde ich überstahlhelmartig überempfindlich und unangemessen. Ich hab mich sogar richtig geärgert.
Um wieder auf ein Gleis zu kommen: Dass unser Innenminister angekündigt hat, nach der Vorrunde zu den deutschen Spielen zu kommen, ist vor dem Dänen-Spiel eine sehr unangenehm deutsche Überheblichkeit. Dass er es selbst wahrscheinlich nicht einmal gemerkt hat, ist zudem bezeichnend.
Deine Mail stelle ich in die Mailbox, ohne meine Anmerkungen (oder soll ich’s nachträglich einfügen, plus eventuelle Antwort von Dir?)
P.S. Hab nur kurz bei Spanien reingeguckt, bevor ich an den Computer ging. Stand 2:0, sah ziemlich souverän aus. Ob unsere da wirklich mithalten können?  (gw)

Mach doch Deine Antwort dazu. Fänd ich schön.
Was hat der Altenburg denn gesagt? Könnte mir vorstellen, so was in Richtung Jungscharführer Klopp.
Könne ich sogar verstehen, wenn man ein sogenanntes Anti – Euphorie -Gen (AEG) sein eigen nennt. (Christian Lugerth)

Das schrieb er am Mittwoch: “Die Lust aufs Gewinnen ist das, um was es geht, das weckt die Gier in dir, das macht dich aus, das lässt dich leicht laufen, das lässt dich leicht über deine eigentlichen Möglichkeiten hinauswachsen. Das macht dich besonders stark. Und diese Lust aufs Gewinnen, die tobt in mir.”
Bin ich eigentlich der Einzige, den das kalte Grausen anspringt, wenn ein zähnebleckender Jürgen Klopp allabendlich vor, zwischen und nach den Spielen sein imperiales Mantra wiederholt?
Könnte man doch austreten aus einem Volk, in dem so etwas als Werbung für eine Genossenschaftsbank taugt
. (gw)

Christian Lugerth hat eine tolle Internetseite („Archibald schaut Welt“), die auch BVB-Fans sehr gut gefallen dürfte. Matthias Altenburg alias Jan Seghers, unser ehemaliger ständiger Anstoß-Gast (meist mit Matthias Beltz) schreibt ein Internet-Tagebuch unter dem Titel „Geisterbahn“.

So, gleich zwölf und noch keine Kolumnenzeile für morgen geschrieben. Jetzt geht’s ran, unter erleichterten Bedingungen, denn dies und das aus Mail oder Blog kommt auch rein. Bis dann.

Veröffentlicht von gw am 15. Juni 2012 .
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