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Montagsthemen (vom Dienstag/29. Mai)

Dass Pfingsten nicht gut anpfing, wäre gelogen, denn vor einem Jahr endete unsere Kalauer-Tradition, die noch aus dem letzten Jahrtausend in diese Kolumne herüberragte, mit dem Versprechen: Nie wieder!
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Pfast gehalten. Also: Pfingsten fing ja wirklich nicht gut an, als sich die deutsche Mannschaft fünf Tore gegen die Schweiz einfing. Gegen die Schweiz! Was sagt uns das für die EM? Nichts. Tiefere Schlüsse sind nicht zu ziehen. Ball flach halten: Deutschland bleibt einer von mehreren Mitfavoriten hinter Hauptfavorit Spanien, nicht mehr, nicht weniger, Schweiz hin, 3:5 her.
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Ebenfalls nur ein Augenblicks-Diskussiönchen: Ob die Bayern-Schlappe die EM-Chancen beeinträchtigt? Die Antwort weiß spätestens das Finale, dann wird aber auch jeder wissen, dass es ja so kommen musste. So oder so.
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Vorab kann sich jeder an das halten, was er will. Vorschlag: 1954 unterlag der 1. FC Kaiserslautern im deutschen Endspiel (ja, das gab’s mal) gegen Hannover mit 1:5 und wurde danach mit fünf Lauterern Weltmeister im Fünf-Tore-Finale von Bern. Also pro Hannover-Tor einer: Fritz und Ottmar Walter, Werner Liebrich, Karl Mai und Horst Eckel.
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Negatives Orakel: Schweiz 5 + Deutschland 3 = 8. Wievielter wurde Deutschland bei der Musik-EM? Aha. Platz acht auch beim Fußball? Ausscheiden im Viertelfinale? Nee, lieber das Fünfer-Orakel von 1954.
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Ach ja, die Musik-EM. Wer guckt sowas? Über acht Millionen. Unglaublich. Ist Langweiligeres vorstellbar als dieses Rumgehoppse und Geträllere, angereichert mit mühsam und verbissen geschauspielerter Erotik und Verruchtheit? Was meinen Sie? Fußball? Ich muss doch sehr bitten!
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Auch die RTL-Tanzshow gehört nicht zum persönlichen Tele-Konsum. Aber dass Magdalena Brzeska gewonnen hat, macht Freude. Ich habe sie ja nie vergessen, nicht, weil sie die Anna Kurnikowa der Rhythmischen Sportgymnastik war, sondern eine meiner Eselsbrücken, um schwierigen Sportnamen rechtschreibgerecht zu werden: Es-zet-e-we-ce-zet-enko. Be-er-zet-e-ska. Michal-ce-zet-e-we-es-ki. Fein auswendig gelernt, hängen sie am Sportjournalisten-Wörterbaum, und der steht im Hinterhof des Langzeitgedächtnisses.
Sympathiepunkte für Magdalena Brzeska gab es nicht nur wegen äußerer, sondern auch für innere Werte: Als sie 18 war, legte man ihr nahe, die Trainerin zu wechseln. Sie lehnte ab. Ihre Trainerin hatte Krebs im Endstadium.
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Als Magdalena Brzeska nach ihrer Sportkarriere durch den Privatsender-Müll tingelte und dort in jedem Container übernachtete, antwortete sie auf die Frage, wie sie das aushalte: »Ich bin in Polen aufgewachsen.«
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Ein schönes Beispiel für Selbstironie. Aber die ist eine heikle, da nicht jedermanns und jeder Frau Sache und daher sowieso Glückssache. Zum Beispiel der »Sport-Stammtisch« vom Samstag und das Baseball-Rätsel: »Ein Baseballschläger und ein Ball kosten zusammen 1,10 Dollar. Der Schläger kostet einen Dollar mehr als der Ball. Wie viel kostet der Ball?« Ich vergrößerte meine selbstironische Fallhöhe noch durch besonders großkotziges Auftrumpfen mit der (falschen) 10-Cent-Lösung, bevor ich mich im letzten Absatz dann plumpsen ließ. Es gab viele Reaktionen mit richtigen Lösungen (Dankeschön), zum Glück hatten die allermeisten die Selbstironie verstanden.
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Leser werden in dieser Kolumne nie veralbert, daher ohne Namen eine alles erklärende Mail (bzw. zwei). Geschrieben am Samstag um 17.54 Uhr: »Allerdings möchte ich Ihnen bei Ihrer Beurteilung des Kahneman-Rätsels widersprechen. Wenn der Ball 10 Cent kostet und der Schläger 1 Dollar mehr als der Ball, kostet der Schläger letztendlich 1,10 Dollar. Als Ergebnis haben wir 1,20 Dollar. Kostet der Ball allerdings nur 5 Cent, hätten wir einen Schlägerpreis von 1,05 Dollar, was wiederum zu dem gewünschten Resultat von 1,10 Dollar führt.« – So isses. Richtige Lösung also: Der Ball kostet fünf Cent.
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Unser Leser merkte dann schnell selbst, dass er zu früh gemailt hatte. Um 18.27 Uhr folgte dies: »Nachdem es mir nun gelungen ist, meiner Frau die Zeitung wieder abspenstig zu machen und Ihre Kolumne zu Ende zu lesen, bitte ich Sie um Entschuldigung für meine voreilige Mail. Ich senke hiermit mein Haupt und werde nie wieder eine Mail schreiben, bevor ich am Ende eines Textes angekommen bin. P. S.: Eine gewisse Vorfreude, Sie bei einem Irrtum erwischt zu haben, dürfen Sie mir unterstellen.«
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Klar. Versteh ich. Und dass Irren menschlich ist, wer wüsste das besser als:  (gw)

Baumhausbeichte - Novelle