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Ein von mir nicht genannter Leser zum Baseball-Rätsel

Wenn es noch eines weiteren Beweises für die These des Herrn Kahnemann bedurft hätte (Vernunft zieht gegenüber der Intuition den Kürzeren), dann wäre dieser durch “Anstoß” vom 26.05.2012 erbracht. Sie schreiben: “Daher und weil ich berufsbedingt Sportfachmann bin, selbstverständlich auch für Baseball, fällt es mir leicht, im Kahneman-Interview einen dicken Fehler aufzudecken. Zum Beweis, dass wir gerne bei unserer ersten gefühlsmäßigen Einschätzung bleiben, statt noch einmal nachzudenken, wird im »Spiegel« diese Rechenaufgabe präsentiert: »Ein Baseballschläger und ein Ball kosten zusammen 1,10 Dollar. Der Schläger kostet einen Dollar mehr als der Ball. Wie viel kostet der Ball?« 80 Prozent der befragten Studenten hätten das gleiche falsche Ergebnis genannt: 10 Cent. – Doch das ist ja gerade das richtige Ergebnis! Peinlich für Kahneman, peinlich für den »Spiegel«.”

Mal davon abgesehen, dass man für 1,10 Dollar heutzutage sicher keinen Schläger mit Ball bekommt :-), ist das Ergebnis, der Ball koste 10 Cent, nachweislich falsch! Wenn er 10 Cent kosten würde, bliebe 1 Dollar für den Schläger. Nun soll dieser aber 1 Dollar “mehr als der Ball” kosten! Beide Bedingungen (Budget 1,10, Schläger 1 Dollar teurer) sind nur erfüllt, wenn der Ball 5 Cent und der Schläger demzufolge 1,05 Dollar kostet. Fazit: Spiegel und v.a. Kahnemann liegen richtig. Ich gebe zu, spontan will man 10 Cent antworten, wenn man aber um den Kontext der Frage im Interview weiß, regt einen dies zum Anwenden von System 2 doch stark an und man kommt auf die Lösung.

 Ich enthalte mich einer Aussage, für wen die Geschichte nun am Ende peinlich ist, befürchte aber (im Sinne der Vernuft, sollte man es hoffen :-)) Sie werden eine Reihe weiterer Mails zum Thema bekommen.

Lieber Herr NN, bitte lesen Sie doch den letzten Absatz der Kolumne noch einmal . . .
Ich hoffe, Sie nehmen mir es nicht übel, wenn ich Ihre Mail in die Online-Mailbox stelle und im Anstoß aus ihr zitiere, natürlich ohne Namen, denn ich veralbere nur mich, nie meine Leser.
Hatten Sie wirklich gedacht, ich würde ernsthaft solche angeberischen Sätze schreiben?

Baumhausbeichte - Novelle