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Freitag, 25. Mai, 18.00 Uhr

Von 16 geladenen Zeugen sind sieben gehört, das kann noch dauern. Der Sport-Stammtisch ist längst geschrieben, gleich werde ich ihn online stellen, da Text vom Urteil unabhängig. Von den Agenturen werden Zwischenmeldungen veröffentlicht, ohne Urteils-Tendenz. Otto Rehhagel muss sich als Zeuge sehr rehagelig aufgeführt haben. Zum Beispiel, als er aufgefordert wurde, sich als Zeuge vorzustellen: “Ich brauche da doch nichts sagen. Wir leben in einer Medienwelt. Wenn ich jetzt den Arm hebe, macht es klick, klick, klick. Dann wissen die Leute in Australien, dass ich den Arm gehoben habe.”  Und: “Jeder weiß doch, was ich in meinem Leben gemacht habe.” Auf die Frage, ob er in der Schlussphase Angst gehabt habe:   ”Halb Angst… Ich habe 1943 in einem Keller im Ruhrgebiet gesessen, als uns die Amerikaner bombardiert haben.”  Damit  sprang er sogar über seinen Schatten, denn ein Rehhagel kennt keine Angst, die “Halbangst” ist ein  Zugeständnis an die Berliner Strohhalm-Argumentation.

Und immer, wenn man Rehhagel mögen wollen möchte, kommen solche Sätze, bei denen man sich vor Fremdscham windet.

Das Rätsel im Sport-Stammtisch habe ich dort nicht aufgelöst. Stand, steht irgendjemand ähnlich auf  dem Schlauch wie ich? Wenigstens ein paar Augenblicke lang? Oder immer noch? Lösung gibt’s nur auf Anforderung.

Verbalmut in der Kolumne ist die eine Seite. Meine Seite. Tut nicht weh, vor allem mir nicht, ist konsequenzlos. Schwimmen gegen den Strom macht sogar Spaß, zumal Untergangsgefahr, wenn überhaupt, nur im übertragenen Sinn droht. Aber wenn’s drauf ankommt, zieh ich den Schwanz ein, ich Feigling. Als bekannt wurde, dass Facebook an die Börse geht, jedem, der es wissen oder auch nicht wissen wollte, großartig verkündet, dass man Optionsscheine in Massen kaufen sollte, mit dem Facebook-Anfangskurs als Option, zu diesem Preis eine Woche später verkaufen zu dürfen. Die Sache sei  hundertprozentig sicher, der Anfangs-Hype eine Sache von System 1, wer analog zu System 2 nachdenke, könne mit wenig Einsatz viel, viel Geld scheffeln. System 1 und 2, wie heute  in der Stammtisch-Kolumne  beschrieben bzw. zitiert (Kahneman/Spiegel), hatte ich terminologisch noch nicht drauf, aber sinngemäß als logische Konsequenz zum Geldscheffeln bezeichnet. Und nun: Natürlich nichts gewagt, nichts gewonnen.

Noch mal kurz die Nachrichtenlage kontrollieren: “Di Carli verpasst Medaille und Olympia-Norm” (ein Hesse weniger in London? Muss Betty Heidler alles richten für uns?) / “Trainer-Job für Matthäus in Regensburg kein Thema” (zu groß für ihn?) / ah, hier: “Rehhagel: Spieler waren paralysiert.” Stimmt, eine ganze Saison lang.

Allerletzte Meldung, alles andere als überraschend: Bruchhagen schweigt zum Wunsch, über seine Vorstellung von Journalismus (Caio/Medienschuld) aufgeklärt zu werden. Eher würde er aufklären, warum ein Sack Reis in China umfällt.

Baumhausbeichte - Novelle