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Samstag, 19. Mai, 23.35 Uhr

Das zweitgrößte Rätsel: Wie kann sich eine Mannschaft aus der Steinzeit des Fußballs gegen ein schier unfassbar überlegenes Barcelona durchsetzen? Wie sogar die Champions League gewinnen, gegen fast ebenso haushoch überlegene Bayern? Das größte Rätsel löst das zweitgrößte: Wie kann ein Trainer bloß auf die Idee kommen, einen an die Wand gespielten Gegner, den Müller gerade ausgeknockt hatte, künstlich wiederzubeleben, indem er den grandiosen Nationalspieler auswechselt und einen Abwehrspieler einwechselt, der sich gerade mühsam in der 3. Mannschaft berappelt und selbst in Bestform nicht Champions-League-reif ist? Ein fatales Signal an den demoralisierten Gegner, der zuvor kaum nach Luft schnappen konnte und gar nicht die Gelegenheit bekam, die Ersatzdefensive der Bayern in Verlegenheit zu bringen. Urplötzlich durch Gegners gnädige Hilfe auf Augenhöhe gebracht, entwickelte sich ein völlig neues Spiel. Dass Robben einen Elfmeter verschießt, Schweinsteiger den letzten, das ist nichts als Pech. Und noch ein Manko: Trotz all der geballten Offensivpower und trotz aller Überlegenheit der Bayern kamen sie kaum zu zwingenden Torchancen, was auch daran liegen könnte, dass ihr Fußball immer ein 9+2 gegen 11 ist: Sobald Ribery oder vor allem Robben an den Ball kommen, endet das Mannschaftsspiel und beginnt das Einzelspiel. Das kann manchmal gut enden, ist auf Dauer aber zu wenig und nicht mehr auf der Höhe der Fußballzeit. Und diese völlig unnötige Niederlage ist zudem ein fatales Signal für die EM. Gute Nacht.

Baumhausbeichte - Novelle