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Donnerstag, 17. Mai (Himmelfahrt), 10.15 Uhr

Ich hab’s. Kürzlich in einem Zeit-Interview mit Handke/Bondy gelesen: „Alec Guinness hat einmal gesagt, er sei sich immer wie ein Hochstapler vorgekommen, er war ein Leben lang ein Kind, das einen Erwachsenen gespielt hat, und er war überzeugt davon, dass seine Umgebung ihm draufkommt und ihn im nächsten Moment auffliegen lässt.“ Ich und Alec! Und ihr doch auch, ihr abängstenden Machmänner!

Abängstende Machmänner: Soeben noch einmal nachgelesen, wie ich darauf komme. Hab mal in einer Rezension geschrieben: Im digitalen Grimm kann man sich festlesen wie in einem spannenden Roman. Wie reich doch die deutsche Sprache ist! Und wie sehr sie verarmt! Zu Unrecht vergessen sind wunderschöne Wörter wie »abängsten«, durch Angst ermatten, im Grimm mit einem Gryphius-Zitat belegt: »in Jesus namen ruft mein abgeängster geist aus dieser todtengruft.« Todtengruft – das »dt« wurde erst in der Rechtschreibreform von 1901 abgeschafft, wie auch das »th« in Thal, Urtheil – oder in »betheren«, in dem kaum jemand das heutige »beteeren« vermuten dürfte. Abgeschafft bzw. zu Unrecht vergessen ist auch der »Machmann«, obwohl er die Mehrzahl unserer heutigen männlichen (Fernseh-)Prominenz treffend charakterisiert: »einer, der einen mann macht, nur vorstellt, ohne es zu sein, scheinfigur.« Aber sind wir nicht alle nur abängstende Machmänner?

Zurück zu den Hausfrauen. Wenn ich ihnen in der Kurve kurz vor dem Dorf  begegne, ist es viertel vor zehn, wenn ich sie erst von oben herunterkommen sehe, wenn ich schon wieder in den Wald Richtung Parkplatz einbiege, ist es erst viertel nach neun. Meistens begegne ich ihnen um 9 Uhr 35  in der gefährlichen Kurve, in der sich der alte Klassenkamerad die Rippen prellte, weil ich vergessen hatte, ihn vor einer gefährlichen Kurve zu warnen. Heute sehe ich sie überhaupt nicht, denn es ist erst acht. Jetzt ist es halb elf, und wie jeder lesen konnte, ist das Tagesarbeitsprogramm nicht so stressig, um nicht ellenlang rumzurhabarbern, und das nicht einmal als Stein(es)bruch für die Zeitungskolumnen, sondern als reine, zeitungsunverwertbare Bloggerei, vulgo Geschwätz. Für den Sport-Stammtisch werde ich morgen aber noch in dieser Blog-Woche fündig (Relegation und Bayern). Bis dann.

Baumhausbeichte - Novelle