Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Mittwoch, 16. Mai, 22.30 Uhr

Dass niemand verletzt wurde, ist kein Argument. Unabhängig von allen anderen Überlegungen, die heute hektisch und hilflos angestellt werden, unabhängig auch von eventuellen sportlichen Konsequenzen: Das Beängstigende ist immer der Mensch in der Masse. Es hätte, auch in der scheinbar nur überschäumenden und aggressionslosen Euphorie, Schlimmstes passieren können. Das Wunder: Niemand wurde verletzt. Ansonsten empfiehlt sich, trotz allgemeiner Empörung und Forderung nach „durchgreifenden“ Konsequenzen, eine Denkpause. Keine Pause des Denkens, sondern eine Pause, in der nachgedacht wird. Das muss man wirklich erst mal „sacken lassen“ (sorry für die Binse), bevor man handelt. Befürchtung: Es gibt empfindliche Strafen in Form von hohen Geldbußen und/oder Geisterspielen, nach Lage der Dinge auch Sperren für die Spieler, die den Schiedsrichter angegriffen haben sollen, aber dann geht alles weiter wie bisher, mit Ausnahme vielleicht der „Pyrotechnik“, diesem Euphemismus für durchgeknallte Knallerei, die ja nun wirklich kein normaler Fan und kein klammheimlicher Ultra-Beschwichtiger in den Vorständen noch für diskutabel halten kann. Aber spätestens am Samstag, Stichwort One-Issue-Gesellschaft, verliert sich das Thema wieder im Hintergrund: Das Champions-League-Finale beansprucht alle Emotionen und Schlagzeilen.

So, das liest sich ja fast wie das Wort zum Sonntag. Noch mal sorry. Zur Strafe sind heute (es wird wegen eher belustigter als besorgter Nachfragen erwähnt) vier Knöllchen auf einmal eingetrudelt, zweimal 25, zweimal 15 Euro. Ich beantrage den Heuchelheimer Verdienstorden für heldenhaftes Verhalten zum Wohle der Gemeindekasse.

Baumhausbeichte - Novelle