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Thomas Hübner zu Internet-Strafe, Ukraine, Sportwetten und 1. FC Köln

Ich lese gerade, daß Sie EUR 800,00 Strafe für den illegalen Download eines Kinderbuches gezahlt haben. Haben Sie dies klaglos getan? Oder hat Ihnen Ihr Anwalt dazu geraten? Falls ja, würde mich interessieren, was Ihnen Ihr Anwalt geraten hat. Grund meiner Frage: Bei der Unübersichtlichkeit der Angebote im Internet dürfte jeder von uns in naher Zukunft Gefahr laufen, eine solche Strafe zu kassieren. Ich könnte mir vorstellen, daß sich im Internet einige Hobbyautoren tummeln, die Ihre Werke gerne kostenlos zur Verfügung stellen, um einmal von einer etwas größeren Leserschar beachtet zu werden!? Da frage ich mich als Laie z.B. wie ich so etwas von einer illegalen Plattform unterscheiden kann? Auch bei Ihnen bediene ich mich hier und da indem ich Ihre Texte kopiere, in ein Word Dokument einfüge und den ausgedruckten Text dann in der Bahn lese. Jetzt hoffe ich, daß Sie nicht irgendwo einen BEZAHLEN Button hinterlegt haben und ich mich somit strafbar gemacht habe?
Bezüglich Internet fällt mir jetzt der Bericht über die Wettmafia von gestern Abend auf Arte ein. So sollen sich im Internet über 1500 legale und illegale Wettanbieter tummeln. Kontrollieren kann das keiner mehr. Wetten kann man da auf jeden noch so großen Mist (Wer macht im Tennisspiel A gegen B den nächsten Doppelfehler?). Wenn man jetzt hört, daß beim Championsleague-Finale übernächste Woche über Euro 1 Mrd. umgesetzt werden, dann muß einem Angst und Bange um den geliebten Sport werden. Klar – Die Herren, die in München auf dem Rasen stehen, verdienen alle jährlich EUR 5 Mio. und mehr. Somit sollten Sie wenig anfällig dafür sein, das Spiel zu verkaufen. Aber was ist mit den Ligen auf niedrigerem Niveau. Gerüchteweise hat der SSC Neapel (damals noch mit Diego Maradonna) das entscheidende Spiel gegen den AC Mailand absichtlich verloren!
Ich habe mir lange überlegt, ob ich das schreiben soll, aber ich habe diesbezüglich einen Mannschaftssportler in einer hohen deutschen Liga in Verdacht. Was der sich in den letzten 2 Jahren an Tollpatschigkeiten und Dusseligkeiten geleistet hat, wäre selbst einem Dabbes wie ich einer bin nur mit größter Mühe gelungen. Name und Sportart nenne ich nicht, evtl. tue ich dem Herrn ja Unrecht. Sollte sich irgendwann mein Verdacht als richtig herausstellen, werde ich mich wieder melden. Dann wird das aber keinen mehr interessieren, ist ja dann lange her. Ähnlich wird es sein, wenn in ferner Zukunft ein Weltmeister bekennen wird: »Klar wurden wir alle vom Doc mit allem Möglichen versorgt, zumal er ja auch ein Landsmann von uns war. Warum sollten wir den Vorteil dann nicht nutzen? Wurde ja auch in anderen Sportarten so gemacht.« Wird dann in einigen Teilen der Presse nochmal in dicken Lettern thematisiert, der größte Teil der Leute wird dann aber denken: »Doktor X – Wer issen des?«.
Werde mich evtl. im Juni aus der Ukraine melden, bin mit Eltern, Bruder und Neffen bei der EM vor Ort. Boykottieren werde ich nicht. Mit reichlich Verwandtschaft in der Ukraine gesegnet, weiß ich, daß die Leute dort unheimlich Stolz auf das Ereignis sind – auch und gerade die im Westen, die eher den Orangenen zugetan sind / waren. Erstaunlich, wie viel Sachkenntnis hier auf einmal herrscht bzgl. der politischen Situation in der Ukraine! Ob sich überhaupt einmal irgendwer hier die Urteilsbegründung im Fall Tymoszenko angeschaut hat? Die Wenigsten dürften wissen, weshalb die Dame überhaupt angeklagt war. Aber plötzlich und von jetzt auf gleich wissen wir alle, daß es ein politisch motiviertes Unrechtsurteil war. Da sei nur am Rande noch erwähnt, daß selbst die Tochter von Frau Tymoszenko gegen einen Boykott Stellung bezogen hat. Aber was der Ukrainer will ist für uns ohnehin egal. Der – und alle anderen Nicht-Westeuropäer – soll einfach das wollen, was wir von ihm wollen das er es will! Um Mißverständnisse zu vermeiden, muß ich noch schnell anmerken, daß mir eine andere ukrainische Regierung auch lieber wäre, aber das ist – zum Glück – nicht der Maßstab.
Da ich Ihnen jetzt ohnehin schreibe – Ich wollte Ihnen seit Februar / März mal eine Mail zum FC Köln schreiben, der Ausgang war ja schon lange vorhersehbar (wenn auch nicht in diesem apokalyptischen Ausmaß). Text habe ich fix und fertig in meinem Kopf, hat sich über die Wochen leider weiter und weiter entwickelt. Habe aber dann gedacht, daß das in unseren Regionen nur von geringem Interesse ist. Ganz allgemein läßt sich allerdings sagen, daß das Bedauerliche an der Sache ist, daß der Verein absteigt, die Mannschaft hingegen nicht. Zwar haben hier alle Spieler Verträge auch für die 2. Liga. Wissend um die finanzielle Situation des Vereins werden viele allerdings davon ausgehen, den Verein für (wenn überhaupt) eine kleine Ablöse verlassen zu können. Sollte sich doch irgendein Verein in der 1. Liga finden, der von der gesparten Ablöse ein Paar Prozent an den jeweiligen Spieler abgibt. Da hat sich der Abstieg auch noch finanziell gelohnt. So war etwa Herr Rensing bereits vor dem vorletzten Spieltag bei der Frankfurter Eintracht im Gespräch! Jetzt juckt es doch, noch weiter zu schreiben. Ich mache aber Schluss, da 1. s.o. und 2. mich die ganze Sache zu sehr aufregt.
Machen Sie weiter so!
(Thomas Hübner, Florstadt)

Internet: Mit viel Umstand wäre es wohl möglich gewesen, die Strafe  zu drücken, habe dann aber doch bezahlt, weil ich keine Lust auf juristische Auseinandersetzungen hatte.  Ukraine: Sehe ich auch so.

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