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Sonntag, 6. Mai, 6.25 Uhr.

Dallas ist draußen, trotz 34 Nowitzki-Punkten. War zu befürchten, schon zu Beginn der verspäteten Saison. Nowitzki sollte es abhaken. Er hat das Größte erreicht, was er erreichen konnte, nach mehr als zehn Jahren Anlauf. Er wird es nie wieder erreichen, aber der größte deutsche Basketballer bleiben und auch einer der größten deutschen Sportler aller Zeiten.

Ansonsten keine nächtlichen Meldungen von Belang, Ruhe vor dem doppelten Wahlsturm. Was geschieht mit uns, mit dem Euro, wenn Sarkozy in Frankreich und die beiden großen Parteien in Griechenland verlieren? Mulmiges Gefühl, aber dennoch: keine Sympathie für keinen.

Es gibt ein neues Sucht-Computerspiel, lese ich im SZ-Magazin: Angry Birds. Ich werde es erst gar nicht versuchen. Als Mitglied der ATA (Anonyme Tetris-Abhängige) will ich nicht in die Versuchung kommen, die eine Versuchtung wäre. Vor vielen Jahren, der Freund in Berlin lebte noch, in Fernkonkurrenz mit ihm Tetris als Leistungssport gekämpft. Begann ganz harmlos, aber dann gegenseitig hochgeschaukelt. Wenn die Quader am Schluss im Zehntelsekundentakt fielen, zerriss es einen wie unter einer Kaskade von elektrischen Schlägen. Danach – auf hohem Niveau dauerte ein “Spiel” etwa eine halbe Stunde - völlig fertig und zittrig. Irgendwann einmal irgendwo eine deutsche Tetris-Rangliste gesehen und – sehr stolz! – festgestellt, mit meiner Punktzahl auf Platz vier oder fünf zu stehen. Knapp hinter dem Freund.

Freund, Freundschaft: Dazu gehört auch, sich im Fernwettkampf absolut sicher zu sein, dass der Freund bis auf den einzelnen Punkt absolut ehrlich ist. Wir waren uns sicher, dass die Millionen-Punktzahl, die der eine dem anderen stolz telefonisch mitteilte, bis auf die letzte Stelle stimmte. Nachprüfbar war es nicht, aber keiner von uns kam auf die Idee, der andere könnte schummeln. Dennoch: Zum Glück die Kurve gekriegt. Auf sanften Druck der liebsten Nächststehenden, aus Angst um die geistige Gesundheit ihres Abhängigen.

Die Nach-Lese (Generation Rücksitz) hat nicht den befürchteten Scheißsturm ausgelöst. Nächsten Samstag kommt die nächste Kolumne (ist ja mein Baby, wird aber vom Kollegen mm großgezogen, ich bin nur noch Urlaubs-Babysitter), wird aber viel weniger konfliktbelastet. Es geht  um Buchrezensionen, allgemein, mit Anleihen aus dem eigenen Blog. Zur Garnierung der zu schreibenden Kolumne einen “Zeit”-Artikel über das Grass-Gedicht zur Seite gelegt. Nicht DAS Nicht-Gedicht, sondern eines über “Duftmarken, das er zu Reklamezwecken für seinen Verleger Steidl geschrieben hat”. Als PR-Unterstützung für das nach Büchern riechende Parfüm “Paper Passion”, “das der Verleger Steidl jetzt tatsächlich auf der Mailänder Designmesse vorgestellt hat” und für das “Karl Lagerfeld die Verpackung entworfen” hat. Schreibt die “Zeit”  und beteuert: “Keine Satire, lieber Leser, wir schwören es!” Aber bevor ich’s glaube, werde ich im Internet rumstochern, denn zu glauben ist es ja doch eigentlich nicht.

Sieben Uhr, und noch keine Montagsthemen-Idee.

Baumhausbeichte - Novelle