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Montagsthemen (vom 7. Mai)

BVB feiert mit Schale, Schalke mit Huntelaar, Köln steigt sowas von verdient ab, Berlin schwebt noch in der Warteschleife (aber die meisten deutschen Fußballdaumen werden gedrückt, um nach unten zeigen zu können). Ligafinale. Schluss. Aus. Schade. War so schön. So schön, dass noch zwei Zugaben folgen: BVB gegen Bayern, Bayern gegen Chelsea.
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Vielleicht gelingt beiden das Double: Dortmund gewinnt das deutsche Pokalfinale, Bayern das europäische und dazu den deutschen Titel. Im Basketball.
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Spieler der Saison: Robert Lewandowski. Spieler des letzten Saisondrittels: Petrick Helmes. Einer wie Huntelaar. Trifft trocken. Ohne Schnörkel. Heißt natürlich Patrick. Mit »a«. Aber warum spricht ihn alle deutsche Welt mit »e« aus? Gehört zu den ungelösten Rätseln.
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Keine Frage aber, dass man darauf hätte wetten können: Der kleine Streber aus der ersten Bank wird als erster den Finger heben und in wohlgesetzten Worten »ukrainieren« (Wortschöpfung der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung). Auf dem Platz bleibt Lahm aber ein Großer, egal ob links oder rechts.
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In eigenen Worten ukrainiere ich nur über jene jungen Frauen, die immer wieder mit nackten . . . wie heißt das Wort? Vergessen. Also: . . . barbusig protestieren. Im Kampf gegen den Rassismus haben sie sich schon nackig auf dem Boden gewunden, beim Protest gegen den Wirtschaftsgipfel in Davos ihre beiden Argumente kältetrotzend in den Winterhimmel gereckt, und in der gleichen Uniform prangern sie den Sextourismus zur EM an (Oha! Gibt’s den?) und fordern natürlich auch Freiheit für Julia T.
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Die Frauen gehören zu einer Gruppe aus Kiew namens »Femen«, die sich auf ihre . . . Fahnen geschrieben hat, für das Gute in der Welt zu kämpfen (Meinungsfreiheit, Demokratie, Umweltschutz usw.). Ihr Logo: Zwei Kreise nebeneinander in den ukrainischen Farben Blau und Gelb.
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Warum darüber spotten? Mach ich gar nicht. Es gibt schließlich schlechtere Anlässe und unangenehmere Erscheinungsformen von Protestaktionen. Aber wissen sollte man es schon, dass es die immer selben Frauen sind, die straff durchorganisiert weltweit busenprotestieren.
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Claudia Kohde-Kilsch geht einen anderen Weg. Die unterlegene Ex-Rivalin von Steffi Graf taucht jetzt aus der öffentlichen Versenkung auf – als Lafontaines Pressesprecherin bei den saarländischen Linken. Sachen gibt’s.
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Vor einer Weile notierte ich mir einige Passagen aus einem Interview des SZ-Magazins, in dem Claudia Kohde-Kilsch über die Lebenswunden klagte, die der Stiefvater ihr geschlagen hat. Der, auch ihr Manager, soll sie um ihr gesamtes Sportvermögen betrogen haben und ein ähnlicher Typ wie Papa Graf gewesen sein. Nach einem Kohde-Kilsch-Sieg über Graf (in einem Doppel) »hat der alte Graf meinen Vater angeblafft, wir hätten doch nur Glück gehabt. Da hat mein Stiefvater ihn am Kragen gepackt, an die Wand gedrückt und ihm gesagt, er soll die Fresse halten. Und Chris Evert und Pam Shriver standen daneben und haben geklatscht! Den Graf konnte keiner leiden.«
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Und die Kohde-Kilsch nicht die Steffi, der sie sogar unterstellt, nach Einzel-Gold im olympischen Doppelfinale mit ihr absichtlich schlecht gespielt zu haben, damit sie, Claudia, nicht auch noch eine Goldmedaille bekäme. – Tja, was da bohrt und nagt, möchte man in sich selbst nicht bohren und nagen fühlen. Lebenslang arme Tennis-Mädchen.
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Mitleid? Ja. Aber nicht mit Dirk Nowitzki. Dallas ist früh draußen. Was zu befürchten war, schon zu Beginn der verspäteten Saison. Nowitzki sollte es abhaken. Er hat das Größte erreicht, was er erreichen konnte, nach mehr als zehn Jahren Anlauf. Er wird es nie wieder erreichen, aber der größte deutsche Basketballer bleiben und auch einer der größten deutschen Sportler aller Zeiten
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Alles hat was mit Sport zu tun, sogar Harald Schmidt: Nach dem ungelösten Rätsel, wie Sky die Fantastillionen für die Bundesliga-Rechte wieder reinkriegen will, geht das Rätseln weiter: Was will Sky mit Harald Schmidt? Was will der bei Sky? Nur ein Milliönchen mehr? Hat er das nötig? Hat Sky ihn nötig, diesen schon erloschenen Stern am deutschen Fernsehhimmel? Oder gehen da zwei gemeinsam unter?
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Von Sky und Schmidt bis zu Doppelwahl und Euro: Alles steht in diesen seltsamen Zeiten auf des Messers Schneide, ganz in dem Sinne, wie dieses Wort erstmals auftauchte – in der Ilias: »Denn nun steht es fürwahr auf der Schärfe des Messers: Schmählicher Untergang oder Leben!« (gw)

Baumhausbeichte - Novelle