Archiv für Mai 2012

(Pfingst-)Montag, 28. Mai, 6.30 Uhr

Angenehm kühl am frühen Morgen. Tut auch dem Sonnenbrand gut, geholt auf  dem Main-Radweg zwischen Frankfurt und Wiesbaden. Nichts für Schnellfahrer, schmaler Weg, Betrieb wie auf der Zeil.

Mit dem aktuellen Pfingst-Material für die Ergebnisseite müsste man drei füllen, um den eigenen Anspruch auf Vollständigkeit zu erfüllen. Aber schon die eine vollgepackte und auf Layout-Verhübschung zwangsweise verzichtende Seite ist ja schon eine ästhetische Zumutung für Nichtalleswissenwoller. Für die anderen jedoch eine Unverzichtbarkeit. Oder? Hat sich der Lauf der Zeit derart grundlegend geändert, dass vollgepackte, gegliederte und geordnete Informationsvollständigkeit kein Muss mehr ist? Sollte/könnte man darauf verzichten? Wegen des Internets? Nein, das könnte der Grund nicht sein, denn wer alles, was auf dieser Seite steht, im Internet zusammensuchen müsste, hätte ein paar Stunden zu tun.

Für die eine Seite muss heute stark gesiebt werden. Kanu, Rudern, Schwimmen fallen vielleicht ganz weg. In der Leichtathletik bin ich ja noch einigermaßen fit und traue mir zu, die notwendigen  Kürzungen so hinzukriegen, dass auch LA-Freaks zufriedengestellt werden. Zum Beispiel Götzis: Natürlich die Einzelleistungen der beiden Deutschen, aber nicht die der beiden Erstplazierten, das spart drei, vier Zeilen, und deren Leistungen sind international nicht soo bedeutend, dass man sie kennen müsste. Und das, was auf der Seite fehlt und den einen oder anderen Spezialisten interessiert, kann er sich ja dann doch noch herbeiklicken, zum Beispiel direkt aus Götzis oder in der Ergebnisrubrik bei leichtathletik.de.

Pascal Behrenbruch: Vom Hessischen, der Größe und dem Talent her verblüffend einem Thorsten Dauth früherer Jahre ähnelnd. Vielleicht nicht ganz so talentiert, aber vielleicht mit etwas mehr Langzeit-Biss, siehe Training im Baltikum.

„In der Leichtathletik bin ich ja noch einigermaßen fit“ . . . ist diesmal keine Selbstironie. Die ist sowieso Glücksache, jedenfalls ihre Akzeptanz. Am Samstag dachte ich, es sei vielleicht etwas zu holzhammerartig, die selbstironische Fallhöhe beim Thema „System 1“ und „System 2“ durch besonders großkotziges Auftrumpfen mit der falschen Baseball-Lösung  zu vergrößern, bevor ich mich im letzten Absatz plumpsen lasse. Es gab viele Reaktionen, die meisten hatten es richtig verstanden, nur einige wenige nicht (bislang drei). Einer ließ seiner anscheinend spontan geschriebenen Mail kurz darauf eine zweite folgen, als er den letzten Absatz gelesen hatte, ein anderer ebenfalls, aber erst, nachdem er die vorsichtig fragende  Rückmail („Haben Sie den letzten Absatz gelesen“) erhalten hatte. Irgendwie werde ich es in die Montagsthemen einbauen, mit richtiger Fünf-Cent-Lösung. Etwas ratlos macht mich nur, dass die gewollt tumb-dumpf-arrogante Großkotzigkeit nicht sofort und von allen richtig verstanden wurde – unterschied sie sich etwa nicht von sonstiger gw-Art? Dann müsste ich mal ganz tief in mich gehen. Aber zunächst gehe ich mal ganz tief in den Ergebniswust, danach erst kommen die Montagsthemen dran, traditionell mit „Pfingsten pfing ja schon gut an“-Anfang. Bis dann.

Veröffentlicht von gw am 28. Mai 2012 .
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Samstag, 26. Mai, 14.45 Uhr

Nach einer langen Radtour durch die windige und erstaunlich hügelige Wetterau die eigene Mailbox kontrolliert und viele Baseball-Lösungen gefunden. Wirklich viele. Einige davon  habe ich in die Mailbox-Kategorie rübergehoben. Bisher hat nur ein Leser die Selbstironie missverstanden, die anderen hatten ihren Spaß daran. In den Montagsthemen will ich noch mal kurz auf die Baseball-Sache eingehen, obwohl sich über Pfingsten sicher viele andere Themen ansammeln werden. Bis dann.

Veröffentlicht von gw am 26. Mai 2012 .
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Freitag, 25. Mai, 18.00 Uhr

Von 16 geladenen Zeugen sind sieben gehört, das kann noch dauern. Der Sport-Stammtisch ist längst geschrieben, gleich werde ich ihn online stellen, da Text vom Urteil unabhängig. Von den Agenturen werden Zwischenmeldungen veröffentlicht, ohne Urteils-Tendenz. Otto Rehhagel muss sich als Zeuge sehr rehagelig aufgeführt haben. Zum Beispiel, als er aufgefordert wurde, sich als Zeuge vorzustellen: „Ich brauche da doch nichts sagen. Wir leben in einer Medienwelt. Wenn ich jetzt den Arm hebe, macht es klick, klick, klick. Dann wissen die Leute in Australien, dass ich den Arm gehoben habe.“  Und: „Jeder weiß doch, was ich in meinem Leben gemacht habe.“ Auf die Frage, ob er in der Schlussphase Angst gehabt habe:   „Halb Angst… Ich habe 1943 in einem Keller im Ruhrgebiet gesessen, als uns die Amerikaner bombardiert haben.“  Damit  sprang er sogar über seinen Schatten, denn ein Rehhagel kennt keine Angst, die „Halbangst“ ist ein  Zugeständnis an die Berliner Strohhalm-Argumentation.

Und immer, wenn man Rehhagel mögen wollen möchte, kommen solche Sätze, bei denen man sich vor Fremdscham windet.

Das Rätsel im Sport-Stammtisch habe ich dort nicht aufgelöst. Stand, steht irgendjemand ähnlich auf  dem Schlauch wie ich? Wenigstens ein paar Augenblicke lang? Oder immer noch? Lösung gibt’s nur auf Anforderung.

Verbalmut in der Kolumne ist die eine Seite. Meine Seite. Tut nicht weh, vor allem mir nicht, ist konsequenzlos. Schwimmen gegen den Strom macht sogar Spaß, zumal Untergangsgefahr, wenn überhaupt, nur im übertragenen Sinn droht. Aber wenn’s drauf ankommt, zieh ich den Schwanz ein, ich Feigling. Als bekannt wurde, dass Facebook an die Börse geht, jedem, der es wissen oder auch nicht wissen wollte, großartig verkündet, dass man Optionsscheine in Massen kaufen sollte, mit dem Facebook-Anfangskurs als Option, zu diesem Preis eine Woche später verkaufen zu dürfen. Die Sache sei  hundertprozentig sicher, der Anfangs-Hype eine Sache von System 1, wer analog zu System 2 nachdenke, könne mit wenig Einsatz viel, viel Geld scheffeln. System 1 und 2, wie heute  in der Stammtisch-Kolumne  beschrieben bzw. zitiert (Kahneman/Spiegel), hatte ich terminologisch noch nicht drauf, aber sinngemäß als logische Konsequenz zum Geldscheffeln bezeichnet. Und nun: Natürlich nichts gewagt, nichts gewonnen.

Noch mal kurz die Nachrichtenlage kontrollieren: „Di Carli verpasst Medaille und Olympia-Norm“ (ein Hesse weniger in London? Muss Betty Heidler alles richten für uns?) / „Trainer-Job für Matthäus in Regensburg kein Thema“ (zu groß für ihn?) / ah, hier: „Rehhagel: Spieler waren paralysiert.“ Stimmt, eine ganze Saison lang.

Allerletzte Meldung, alles andere als überraschend: Bruchhagen schweigt zum Wunsch, über seine Vorstellung von Journalismus (Caio/Medienschuld) aufgeklärt zu werden. Eher würde er aufklären, warum ein Sack Reis in China umfällt.

Veröffentlicht von gw am 25. Mai 2012 .
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Dienstag, 22. Mai, 12.15 Uhr

Der Rück-Blog fürs Blatt steht online, mit einer einzigen Korrektur (Kollege htr hat’s gemerkt, Danke): Der für Müller eingewechselte van Buyten spielte zuletzt als Rekonvaleszent natürlich nicht in der dritten Mannschaft, sondern in der zweiten und mit ihr in der vierten Liga. Im Blog lass ich den Fehler – nachträgliche Verschönerungen sind verboten (von mir für mich).

Wenn ich’s nicht erst soeben bei SZ.de (http://www.sueddeutsche.de/sport/dfb-weist-hertha-einspruch-zurueck-tatsachenentscheidung-ist-der-heilige-gral-1.1363042 ) gelesen hätte, wäre der Kistner-Kommentar natürlich  erwähnt worden, sehr lobend, zähneknirschend lobend, denn Thomas Kistners Doping-Journalismus nervt mich seit Jahren, er hilft nicht dem Sport, sondern der Positionierung des Autors im Anti-Doping-Ranking des deutschen Sportjournalismus. Wenn ich jetzt lese, mit welch neutraler Nüchternheit Kistner die Relegations-Sachlage gleich zu Beginn seines Kommentars zusammenfasst, wundere ich mich um so mehr, dass er in Sachen Doping nicht die gleiche Nüchternheit an den Tag legt: Dass Doping „nur“ ein Regelproblem des Sports ist und überhaupt nur existiert, weil der Sport ein Regelwerk besitzt. Das Regelwerk muss geschützt werden, denn Einhaltung der Regeln (bzw. Ahndung der Nichteinhaltung) ist die Grundlage des Wettkampfsports, seien es Fehlstart-, die Drei-Versuche- oder die Doping-Regeln. Das ist im Fall des Dopings nur mit mühseliger Kleinarbeit zu schaffen, mit Modifizierung von Regeln und, eine Selbstverständlichkeit, mit weltweit auf gleichem Niveau durchgeführten Kontrollen für weltweite Leistungsvergleiche. Das einigermaßen hinzukriegen, wäre eine lohnende, aber sehr aufwändige und langwierige Sache, zudem vergleichsweise unspektakulär, damit könnte man nicht mehr in seinem Fachgebiet als Doping-Experte Ruhm und guten Verdienst ernten. Dann also lieber: Skandale aufdecken, auch wenn’s keine sind, und unter dem ethisch-moralischen Deckmäntelchen Schlagzeilen produzieren. Aber bevor ich mich wieder aufrege und bei Adam, Eva und Katrin Krabbe beginne, mach ich lieber einen Punkt und wiederhole, immer noch zähneknirschend, das hohe Lob auf den Kistner-Kommentar.

Veröffentlicht von gw am 22. Mai 2012 .
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Montag, 21. Mai, 16.30 Uhr

Das Urteil war nicht nur zu erwarten, sondern zwangsläufig, wenn die als höchstes Gut ge- und  behandelte „Tatsachenentscheidung“ noch gültig ist. Dass ich das Urteil hier im Blog zu einem Zeitpunkt vorweggenommen habe, als die große Kollegenschaft noch rätselte bzw. sogar mehrheitlich zur Wiederholung tendierte, lässt mich nicht triumphieren, sondern rätseln, warum andere nicht eins und eins zusammenzählen wollen, obwohl sie es könnten und sogar bessere Voraussetzungen haben (große Redaktionen mit hochbezahlten „Rechnern“). Auch weil ich der „Tatsachenentscheidung“ skeptisch bis ablehnend gegenüberstehe, spüre ich keine Genugtuung des Besserwissens, denn sie ist eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu einer Video-Hilfe (nicht: -Beweis)  für den Schiedsrichter . . . aber keine Angst, auf meinem früheren Lieblingsthema reite ich nicht mehr herum. Weil: zwecklos. Zwecklos dürfte auch der weitere Instanzenweg der Hertha sein, da die Sachlage zu eindeutig ist. Allerdings: Es gibt einflussreiche Kräfte in Sport, Sportjournalismus und auch Politik, die den Hauptstadtklub nicht in Liga zwei sehen wollen.

Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Blogschreiben: Für den Zeitungsleser wäre es doch interessant, die Blogeinträge der letzten aufregenden Tage (Relegation, Bayern) nicht im Blog (liest sowieso erst eine Minderheit), sondern im Block, komprimiert und en bloc in der Zeitung zu lesen. Hab ja auch schon lange keinen „Rück-Blog“ mehr zusammengestellt. Voila, wird gemacht, für den Zeitungs-Mittwoch.

Veröffentlicht von gw am 21. Mai 2012 .
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