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Montagsthemen (vom 30. April)

Es sieht gut aus für den »Montagsthemen«-Wunschzettel vom Februar, auf dem wir notierten: München möge bitte die Champions League gewinnen, Dortmund die Meisterschaft, Gladbach den Pokal, Schalke soll Vizemeister werden und alle vier, weil sie es verdient haben, in die Champions League kommen. Mit kleinen Änderungen: Voilà!
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Schön auch . . . »Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht« . . .  nein, heute nichts zum Wetter, auch nicht von Klopstock, den gebildete Hessen lieber Klopfstock schreiben würden. Auch Mörike vergessen wir wieder nach diesem traumhaften Wochenende, denn wenn seine Veilchen schon träumen, denken wir noch an das von Robben, und der leise Harfenton, dem wir von fern horchen, hört sich nach BVB-Pauken (Pokalfinale), Bayern-Trompeten (Champions League) und DFB-Schalmeien (EM) an. Das blaue Band, das der Frühling wieder durch die Lüfte flattern lässt, hat nun mal andere Vereinsfarben.
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Zum Beispiel die der Augsburger, wie immer sie auch sein mögen . . . mal schnell online nachschauen . . . aha, Rot und Gelb dominieren, also eine Bayern-BVB-Mischung, das passt, denn der FC Augsburg und sein – ähnlich wie der Freiburger Streich – toller Trainer Luhukay haben ein echtes Meisterstück vollbracht, mit dem der wahre Sport und die Ware Sport (auch der FCA spielt für Geld) sich vereinbaren lassen. Also: »Schön auch . . . «, dass Augsburg nicht an der Tabellenstelle von Berlin steht, das wiederum dort steht, wo es hingehört und den gleichen Weg zu nehmen scheint wie vor einem Jahr die Eintracht nach einem ähnlich verzweifelten Griff in die Mottenkiste.
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Aber nun nichts mehr zum Fußball. »Nada«, wie der Spanier sagt und die Nationale Anti-Doping-Agentur heißt, die sich unsterblich blamiert hat, was aber medienmainstreamig nur ungern thematisiert, also wegschwadroniert wird. In der Erfurter UV-Blutaffäre hat sich die NADA jedenfalls wie ein blutiger Laie angestellt, was uns hier und heute aber nicht interessiert, denn das Thema D. haben wir durch. Der »blutige Laie« lässt uns aber an Lars Riedel denken, der einmal als »begnadeter Körper« galt und sich jetzt plötzlich beim Zappen in einer RTL-Tanzshow als »dappischer« Körper rematerialisierte. Nur eine oder zwei Sekunden ausgehalten, dann fremdschämend weggezappt. Bei Wikipedia nachgeschaut, was der einst fast überlebensgroße Diskuswerfer heute noch so alles macht: Beim B-»Promi-Boxen« von ProSieben knockout geschlagen von einem C-Prominenten, der »es mag, Leute zu schockieren, indem er Insekten isst oder während Konzerten auf seine Bandkollegen uriniert. Andere typische Aktionen sind, dass er eine Flasche Jägermeister durch eine sogenannte Bierbong auf ex trinkt«.
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Riedels nachsportlicher Lebensweg führt also von höchsten sportlichen Höhen in peinlichste Privatsender-Niederungen, und wir erinnern uns an seine letzten sportlichen Zuckungen, als er nicht aufhören wollte und konnte, weil: »Ich habe noch keine konkreten beruflichen Pläne geschmiedet.« Da war Riedel bereits 40 Jahre alt. Und dann demnächst auf Sky11Zock: »Das große Poker-Duell Boris B. vs. Lars R.«?
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Das große Duell um den Klassenerhalt hat Gießen verloren, aber im Basketball wird der Abstieg nicht so heiß gegessen, wie er am Samstag gekocht wurde, Stichwort: die »wild’ Katt«. Warum sich nicht nur deswegen die Wehmut des dem Gießener Basketball journalistisch-historisch eng verbundenen Kolumnisten in Grenzen hält, ist im Blog »Sport, Gott & die Welt« zu lesen. Klicken Sie doch mal rein!
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Selbst reingefallen auf die eigene Veralberung der so beliebten wie unfreiwilligen Subjekt-Objekt-Vertauschungen? »Das große Duell um den Klassenerhalt hat Gießen verloren«? Wer wen? Na ja, in diesem Fall ist es fast egal und sowieso freiwillig, um den passenden Übergang zum Schlusssatz zu finden, denn beim Suchen nach dem Riedel-Zitat fand sich bzw. ich diese Behauptung der Süddeutschen Zeitung über den türkischen Staatspräsidenten Gül wieder: »Seine Frau hat die Mutter für ihn ausgesucht.« Eine nicht nur für Grammatik-Freunde, sondern auch für Zeitreisen-Fans ziemlich vertrackte Geschichte. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle