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Montagsthemen (vom 23. April)

Wie hält Uli Hoeneß das bloß aus? Seine Bayern sind Barcabezwingerbesieger, und dennoch schwärmen alle nur vom BVB. Und das Schlimmste für den personifizierten FC Bayern: Sie schwärmen zu Recht. Was der neue und alte deutsche Meister in dieser Saison geboten hat, gehört zu den beeindruckendsten Leistungen der jüngeren deutschen Fußballgeschichte.
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Die Dortmunder stellen einen Bundesligarekord nach dem andern auf. Aber bei aller Begeisterung: Ihnen gehört auch einer der blamabelsten Rekorde überhaupt. In der Champions-League-Vorrunde als Gruppenletzter auszuscheiden, das wird so schnell kein deutscher Meister mehr schaffen. Dortmund hoffentlich schon gar nicht. Nächste Saison gilt’s!
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In seinem deutschen Revier aber hat sich der BVB mit unwiderstehlichem, gegnerhetzendem Junghundemeuten-Stil in die Herzen der Fans gespielt und gerannt, gleichzeitig aber auch ein Vorurteil widerlegt, das in dieser Kolumne gehegt und gepflegt wurde: Wer diese Art des Fußballspiels nun schon über zwei Spielzeiten hinweg durchhält, der muss ein optimales und perfekt periodisiertes Grundlagentraining absolviert haben. Auch dafür: Respekt!
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Schnell noch ein weiteres Vorurteil ad acta legen: Cristiano Ronaldo, der »gockelstolze Erpel«, das »alberne Showmännlein«, das sich so »idiotisch zum Freistoß aufstellt, breitbeiniger als John Wayne«, er hat sich zwar allen unseren Spott redlich verdient, aber auch alle sportliche Achtung: Am Ball ist er dynamisch, kraftvoll, athletisch und zeitweilig auf seine Weise so genial wie Messi auf dessen andere Art (aber nicht immer ist, siehe Chelsea, siehe »Clasico-1:2).
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Heute Formel 1, morgen die EM: Immerzu sollen die Sportler die politische Arbeit der anderen miterledigen: Unterstützung der Arabellion, Gedenken in Auschwitz, Ächtung von Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine. Wer alle politisch korrekten Forderungen erfüllt und sich als scheinbar mündiger Sportler beweist, der nicht blind durch die Welt rast und kickt, verliert im Sport die nötigen Promille an Konzentration. Diese aber entscheiden über den Erfolg und fördern das »Versagen«, das dann gerade von jenen böse-verächtlich gegeißelt wird, die zuvor die PC-Pflichtübungen verlangt haben.
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Einmischung der anderen Art tut jedoch not: Ariane Friedrich hat den Typen öffentlich und namentlich bloßgestellt, der ihr mit einschlägigen Angeboten seine bloßgestellte primäre Männlichkeit zugemailt hatte. Dessen Scham wird jetzt so groß wie sein Unding klein. Diese Latte hat die Hochspringerin grandios übersprungen.
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Lassen wir Hannes Wader das Thema ausklampfen, der schon tief im vergangenen Jahrhundert von dem Exhibitionisten sang, der im Bett liegt und sich schämt – denn nachdem er sich einigen Kindern »in schamverletzender Weise« genähert hatte, liefen die Knilche johlend auf ihn zu und »riefen, er solle sich mit seinem blaugeäderten Unding wegscheren«. Auch eine Methode, diesen ekligen Typen das, äh, Handwerk zu legen.
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Und dann war da noch, vor der BVB-Meisterfeier im Sportstudio, das Pilawa-Quiz im ZDF. Wie smart, schlagfertig und weltklug sich dort der Chefredakteur einer hessischen Regionalzeitung selbstinszenierte! Ach, liebe Kollegen, lasst es uns doch einfach mal zugeben: So sind wir gar nicht, sondern viel eher so wie Hape Kerkelings stellvertretender Chefredakteur aus Grevenbroich.
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Eine der Fragen, die bei Kerkelings Ex-Chauffeur Pilawa beantwortet werden mussten: Wie heißt der hessische Ministerpräsident? Dies galt nicht als Scherz-, sondern als echte politische Wissensfrage. Wie diskriminierend für uns Hessen, wie demütigend für unseren Ministerpräsidenten! Das hat Roland Koch wirklich nicht verdient! (gw)

Baumhausbeichte - Novelle