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Wer bin ich? (April-Runde)

Ich bin der Erfinder eines Stils bzw. einer Bewegungsart im Sport, in den durch meine ureigene Kreation etwas völlig Neues und zum Teil sogar Epochales Einzug gehalten hat. Jeder Sportler und jeder Sportinteressierte hat schon von mir und/oder meiner Neuerung gehört und sie gesehen. Meinen Namen zu finden, ist allerdings nicht ganz einfach, denn: Ich bin fünf Sportler: A, B, C, D und E, und sie sollen alle meine fünf »Ichs« finden und dem richtigen Buchstaben zuordnen.
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Unsere Gemeinsamkeit ist klar: Erfindung eines Stils bzw. einer Bewegung. Wir sind aber Vertreter von fünf unterschiedlichen Sportarten (drei davon sommer-, zwei winterolympisch). Historisch liegen wir zum Teil sehr weit, in zwei Fällen aber ziemlich nah beieinander. A ist unser Ältester, er zeigte seine Neuerung bereits am Ende des 19. Jahrhunderts, B, C, D und E folgten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
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Nicht jede unserer Erfindungen wurde oder wird noch mit unseren Namen verbunden. Bei einem ist es nur der Vorname, der blieb, bei einem anderen immerhin der Nachname. Bei einem wurde der auch heute noch bekannte Name später, bei einem anderen schon früh und beim von uns am unbekanntest Gebliebenen eigentlich von Anfang an weggelassen.
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Das sind Anhaltspunkte, die Ihnen schon ein wenig weiterhelfen dürften. Nun stellen wir uns nacheinander mit charakteristischen »Alleinstellungsmerkmalen« vor und drücken Ihnen die Daumen, dass Sie Ihren eigenen Erfolgsstil finden – und das bedeutet im übertragenen Sinn: »E« statt »C« . . .
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A: Ich bin in meiner Sportart der Erste, mit dessen Erfindung es sprunghaft vorwärts ging. Mehr darf ich nicht verraten, sonst würde es zu einfach für Sie.
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B: Ich war stark in Kopf und Bein und kam daher auf die schlaue Idee, den Beschleunigungsweg besser auszunutzen. Ich blieb über einhundert Mal hintereinander unbesiegt, galt als arrogant und überheblich, doch das sind nur Verleumdungen meiner unfähigen Konkurrenten. Aber ich gebe zu, mich ärgert es mächtig, dass die dumme Sportwelt meine geniale Erfindung heute kaum noch mit der gleichzeitigen Erwähnung meines Namens gebührend würdigt.
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C: Dass mein Name im Lauf der Jahre in Verbindung mit dem von mir kreierten und anfangs belächelten Stil kaum noch fällt, stört mich eigentlich nicht, zumal ich zweifellos bis ans Ende aller Sporttage in der Hall of Fame des Sports vertreten sein werde, denn ich habe die Schwerkraft überlistet – so paradox das klingt.
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D: Auch ich kam, wie Kollege A, »sprunghaft vorwärts« mit dem von mir erfundenen Stil, den andere schnell kopierten und variierten, wie es in meiner Sportart üblich ist. Mein Alleinstellungsmerkmal: Von uns fünf bin ich der einzige Sportler, dessen Sohn ebenfalls erfolgreich war, sogar mit der Erfindung des Papas. Und: Es gibt sogar ein kleines Musikfestival, das meinen Namen trägt.
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E: Ich muss zugeben, mich in der Gesellschaft solch illustrer Sportlerpersönlichkeiten etwas unwohl zu fühlen, ich hatte nie deren Erfolge, und meine »Erfindung« war eigentlich ein Versehen. Als ich ihren Nutzen erkannte, dauerte es noch eine ganze Weile, bis sie anerkannt wurde. Die großen Erfolge feierten dann aber die anderen – und triumphierten dann oft auf eine Art, die mit einer ganz anderen Interpretation des Wortes für meinen Stil in Verbindung gebracht wird.
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Für jeden dem zutreffenden Buchstaben richtig zugeordneten Namen gibt es einen Punkt, maximal also fünf. Achtung: Wenn Sie glauben sollten, einer von uns sei z.B. Franz Beckenbauer als »Erfinder« des Liberos, Sie seinen Namen nennen, aber dem falschen Buchstaben zuordnen, werden Sie keinen Punkt erhalten. Aber zu Ihrer Beruhigung: »Kaiser Franz« ist nicht dabei – und auch sonst kein im Rahmen von »Wer bin ich« bereits Gesuchter. (Einsendeschluss: 28. April) (gw)

Baumhausbeichte - Novelle