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Eine Bühne für Veh und Hübner … und die Spieler

Liebes Eintracht-Tagebuch, wann feiert man und wann lässt man es besser bleiben? Wenn zum Beispiel einer wegen eines schweren Verbrechens für zehn Jahre in den Knast muss und dann nach dieser Zeit rauskommt … darf er dann feiern oder nicht? Denn einerseits hat er ja was Fieses gemacht, was bestimmt keinerlei Anlass zum Feiern gibt. Andererseits hat er sich in dieser Zeit vielleicht diverse Male nach der Seife bücken müssen, hat Millionen von Papiertüten geklebt und hat zudem in all dieser Zeit keinen Fernseher mit Pay-TV in seiner Zelle gehabt. Also wäre es nachvollziehbar, dass er die Tatsache, dass das jetzt vorbei ist, feiern möchte.
Anderes Beispiel: Es gibt einen Streik der Müllabfuhr. Und zwar drei Monate lang. Sollen die Gewerkschafter ihr unglaubliches Durchhaltevermögen feiern, oder, weil sie ja als Privatpersonen auch im Müll ersticken, eher nicht. Und sollen sie dann, wenn der Streik beendet und der Tarifabschluss eher mies ist, deswegen bedrückt sein oder eben doch einen draufmachen, weil der stinkende Müll vor ihrer Haustür endlich abgeholt wird?
Sei ehrlich, Tagebuch, nicht ganz leicht zu entscheiden. Und auch im Hause Eintracht Frankfurt tun sie sich derzeit bezüglich dieses Themas etwas schwer. Heribert Bruchhagen zum Beispiel meint, dass der Aufstieg, wenn er denn klappt, nach dem vermeintlichen »Betriebsunfall« eher als Selbstverständlichkeit zu betrachten sei. Armin Veh wiederum sagt, dass man so etwas wie eine gelungene Saison inklusive erreichtem Ziel absolut feiern soll, und dass ihn irgendwelche auf psychologischen Altlasten basierenden Skrupel einfach nicht interessieren. Weißt Du was? Ich kann beide verstehen, ja, ich glaube sogar, beide haben aus ihrer Sicht recht!
Der eine ist froh, wenn die Wunde endlich zuheilt und er nicht mehr größer drüber reden muss. Der andere ist aber stolz drauf, dass er beim Wundenheilen maßgeblichen Anteil hatte und denkt gar nicht daran, dass auszuschweigen!
Was also tun? Vielleicht erst noch mal über das Ausmaß der Feierlichkeiten sprechen? Ja, kann nix schaden. Ich persönlich stimme Bruchhagen zu, wenn er zum Beispiel einen Empfang im Römer plus Balkongewinke als unangemessen empfindet. Außerdem befürchte ich, dass bei vielen von uns dieser Murmeltiertag-Effekt eintreten dürfte. Denn es ist ja nicht der erste Wiederaufstieg – sondern der vierte! Abgesehen davon sollte es auch all den Spielern, die letzte Saison mit abgestiegen sind, ihr Ehrgefühl verbieten, sich jetzt auf einem allseits bekannten »Sieger-Balkon« frenetisch umjubeln zu lassen.
Ehrlich gesagt, liebes Tagebuch, und auch wenn das nicht besonders originell daherkommt, denke ich (und da gebe ich H.B. gleich noch mal recht), dass die Feier da stattfinden sollte, wo sie thematisch am meisten hinpasst: im Stadion selbst!
Sollte die Eintracht zum Beispiel am Tag des Spiels gegen 1860 München bereits aufgestiegen sein oder es genau da schaffen, wäre das Rauslassen großer Emotionen dort am Besten. Und sollte sie es erst am letzten Spieltag in Karlsruhe schaffen, wäre der Weg danach zurück zum heimischen Stadion auch nicht so weit. Ja, von mir aus können sie auch eine Bühne aufbauen, allein schon um Armin Veh und Bruno Hübner dort drauf zu bitten, damit sie sich für ihre jetzt schon hervorragende Arbeit feiern lassen dürfen. Und wenn das Ding schon steht, können sich die Spieler bei der Gelegenheit auch gleich bei den Fans bedanken, die diese Saison (von einer grenzdebilen Minderheit abgesehen) insgesamt unglaublich waren. Aber alles andere fände ich persönlich zu viel.
Ach ja … und sollte Armin Veh im Fall des Aufstieges in Frankfurt bleiben, würde ich persönlich noch eine Feier dranhängen. Bei mir zu Hause, im kleinen Rahmen … aber trotzdem euphorisch! In diesem Sinne.  Hendrik Nachtsheim

Baumhausbeichte - Novelle