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Montagsthemen vom 16. April

Heute nichts zur Liga, das Titelrennen ist gelaufen. Titelrennen gelaufen sind auch … oh, nein, mit diesem Übergang gewinnt man ja jedes Kalauer-Casting, also: Zwei, über die demnächst wieder heiß diskutiert wird, sind bei den südafrikanischen Meisterschaften um den Titel gelaufen: Oscar Pistorius über 400 und Caster Semenya über 800 Meter.
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Pistorius wurde Vizemeister, lief nur 47,28 Sekunden, also etwa zwei Klassen schlechter als bei seiner Saisonbestzeit vor vier Wochen (45,2). Solche Differenzen gibt es unter beidbeinig unamputierten Läufern nicht. In dieser Kolumne wurden und vor London werden wieder überall viele Worte über Sinn und Unsinn des gemeinsamen Starts von Pistorius mit der unbehinderten 400-m-Elite gemacht. Bei den Paralympics in Peking brauchte ein chancenloser, einfach amputierter Konkurrent von Pistorius nur einen Satz: »Mein gesundes Bein ist meine eigentliche Behinderung.« Dass Pistorius auf seinen High-Tech-Prothesen wohl schon Weltrekordler wäre, wenn die 400 Meter ohne Kurven gelaufen würden, sagt auch alles, dennoch ist noch längst nicht alles gesagt, das Thema wird uns und die Sportwelt weiter beschäftigen.
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Auch das Problem von, mit und um Caster Semenya. Sie gewann den südafrikanischen Titel in 2:02,68 Minuten, eine Zeit, die sogar drei Klassen schlechter ist als Semenyas Bestzeit von 1:55,45 aus dem Jahr 2009, obwohl die 21-Jährige bei normaler Leistungsentwicklung nun schon deutlich schneller sein müsste.
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Dass hermaphroditisch angelegte Menschen in die eine oder andere Richtung hormongesteuert werden können, wirkt sich individuell oft segensreich aus. Sportlich haben Hormontherapien ebenfalls gravierende Wirkungen – bei Verfraulichung allerdings deutlich leistungsnegative.
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Heikel weiter: Wieder schockt der Herztod eines Profis die Fußballwelt. Über die Ursachen der Häufung solcher Fälle wird viel gemutmaßt und gemunkelt. Unabhängig davon: Sogar nur harmlose Erkältungen oder leichte grippale Infekte belasten das Herzkreislaufsystem so stark,  dass körperliche Anstrengungen zu vermeiden sind. Wer dennoch hart trainiert, öffnet dem Virus Tür und Tor . . . und Herz, denn dort nistet es sich besonders gerne ein. Wer dann Pech hat, trägt eine Zeitbombe im Körper.
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Echte Kerle. »Ich würde niemals wegen einer Grippe auf ein Spiel verzichten. Nicht einmal auf ein Training.« Worte des Fußballprofis Ümit Ö., der im August 2009 kollabierte und reanimiert werden musste. Untersuchungen ergaben, dass Ö. an einer verschleppten Herzmuskelentzündung litt.
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Dass die wissenschaftliche Statistik festgestellt hat, Fußball sei die gefährlichste Sportart überhaupt, spricht allerdings nicht gegen den Fußball, sondern gegen diese Art der Statistik. »Nahezu jeder fünfte Sportler, der sich in den vergangenen drei Jahren eine Sportverletzung zugezogen hat, erlitt diese beim Kicken«, hieß es vor nicht allzu langer Zeit. Laut Umfrage (Quelle: GfK Marktforschung) folgen im Risiko-Ranking Joggen und Radfahren, also Sportarten, in denen ebenfalls Millionen Menschen aktiv sind. In diesen absoluten Zahlen fast risikofrei erscheinen Randsportarten wie Synchronschwimmen oder Rhönradturnen. Sogar hundertprozentig sicher vor Verletzungen dürfen sich Hobbysportler beim Fallschirmspringen ohne Schirm fühlen oder beim Ringkampf mit einem Tiger. Allerdings ist das Todesrisiko leicht erhöht.
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Und dann wäre da noch die Vermutung im Sport-Stammtisch, dass ein christlicher Agent die Salafisten unterwandert habe, denn wie sonst sei der Aufdruck »LIES!« zu erklären. Einen Tag später zog die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung mit der Befürchtung nach, dass wutentbrannte englischsprachige islamische Fundamentalisten auf »LIES!« mit einer Fatwa reagieren könnten. Da atme ich dennoch erleichtert auf, denn in der Gnade der tagfrüheren Geburt stehe ich nun außer Guttenberg-Verdacht.
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Apropos G.: In Mannheim feierte ein Kachelmann-Theaterstück Premiere. Gutten-was? Kachel-wer? Guttenmann? Kachelberg? Je höher in den Medien, desto tiefer der Fall ins Vergessen. Der klassisch gebildete Freiherr würde sagen: Sic transit gloria mediae mundi. Oder so. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle