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Ostermontag, 9. April, 6.15 Uhr.

Mail von A. aus Kairo, der “Stadt der 1000 Minarette”. Harmlosester Satz: “ Hier im Mittel-Osten ist ja der Teufel los. Die Geheimdienste der ganzen Welt sind versammelt.” Danach Freude und Erleichterung, dass es im Westen auch noch vernünftige, kluge Menschen gibt, die Bescheid wissen (Grass) – und die Befürchtung, dass bei Olympia in London der Big Ben angegriffen und das wieder den Arabern in die Schuhe geschoben wird. “Wieder”. Wie vor elf Jahren. Was soll man dazu sagen oder antworten?  A. ist ein kluger, westlich gebildeter Mann, der Medizin studiert hat, mehrmals deutscher Hochschulmeister im Speerwerfen war, hier sein Vermögen  mit einer absoluten Szene-Bar gemacht hat und mit einer Deutschen verheiratet ist. Was er schreibt, beweist wieder: Im Nahen Osten ist keine auch nur annähernd friedliche Einigung in Sicht. 

Grass konnte nicht länger schweigen. Hätte er sehr viel früher nicht länger schweigen können und die SS-Mitgliedschaft zugegeben, hätte er nie den Nobelpreis bekommen, wäre nie in diesem Maße be- und gerühmt worden, und das, was er jetzt geschrieben hat, wäre das geworden, was es ist: ein Leserbrief. Und keine Zeitung außer SED- und NPD-Kaderblättern hätte ihn veröffentlicht.

Österliches Erfolgseerlebnis: Die Skulptur hat sich dem Gewohnheitstier in die Gehirnwindungen eingebrannt, nach den vier roten Blitzen heute souverän und hohnlachend mit Tempo 50 vorbeigefahren. Noch kein Knöllchen da. Immer noch die Hoffnung: Waren bisher nur Probeläufe oder Abschreckungsblitze. Wirkt aber. Wenn die Skulptur längst entfernt und an anderer Stelle aufgebaut  ist, wird hier der Fuß noch automatisch vom Gas zur Bremse wechseln.

Langsamer Übergang zu den Montagsthemen: Nerlinger: “Ich muss dem Trainer ein Riesen-Kompliment machen.” Warum muss er? Er kann, darf, sollte bzw. sollte es einfach machen, das Kompliment, aber müssen muss er nicht. Jetzt an die Montagsthemen.

Baumhausbeichte - Novelle