Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Montagsthemen (vom 10. April)

Nach Ostern gibt es auch am Dienstag Montagsthemen, was kein Widerspruch ist und nicht nur hessischer Trotz. Echte Montagsthemen sind nicht an den ersten Tag der Woche gebunden, sondern alltäglich – und werfen zum Beispiel die Frage auf, ob Montag überhaupt der erste oder schon der zweite Tag der Woche ist. Bei den Griechen ist die Sache klar: Dienstag »triti«, also der Dritte, morgen »tetarti« (der Vierte), Donnerstag »pempti« (der Fünfte).
*

Mittendrin in echten Montagsthemen, lassen wir folgerichtig auch das Kernthema außer Acht: BVB gegen Bayern. Wir fragen uns lieber am Rande, warum Bayern-Manager Nerlinger »dem Trainer ein Riesenkompliment machen muss«. Warum muss er? Befehl vom Chef? Er kann, er darf, ja er sollte sogar dem Trainer ein Kompliment machen, gerne auch ein Riesenkompliment – aber müssen muss er nicht.
*
Wie gesagt, ein anderes schönes Versatzstück der Fußballerinterviewsprache ist das vorangestellte »wie gesagt«, ohne vorher gesagt zu haben, was wie gesagt worden sei. Aber wir wollen hier nicht, den Oberlehrer steigernd, als Oberst Lehrer den alten Karl Kraus bestätigen (»In der deutschen Bildung nimmt den ersten Platz die Bescheidwissenschaft ein«), sondern müssen, wie gesagt, ein Riesenkompliment machen: Den Mönchengladbacher Borussen, die zusammen mit den Augsburgern die sportliche Sensation der Saison darstellen. Dass Gladbach nun schon als »Plattbach« höhnisch verschlagzeilt wird, lässt uns journalistisch fremdschämen. Wenn Augsburg nicht absteigt (wird aber sehr schwer) und Gladbach die Champions League erreicht (sieht sehr gut aus), wären das Topleistungen, die angesichts der Ausgangslagen durchaus mit einem Champions-League-Triumph der Bayern und einem BVB-Double zu vergleichen wären.
*
Auf zwei Topleistungen müssen wir nach Lage der Dinge in London verzichten: eine gerontologische von Birgit Fischer und eine adoleszente von Jacko Gill. Von den Herzrhythmusstörungen der Kanutin weiß nun die ganze Welt (oder war’s nur eine Kanu-PR-Aktion aus Alters-Langeweile?), der Olympiaverzicht des 17-jährigen neuseeländischen Kugelstoßers aber hat unser Tageszeitungs-Alleinstellungsmerkmal. Jacko zieht die Junioren-WM in Barcelona vor, wird dort den 6-kg-Weltrekord von David Storl zertrümmern, der wiederum in London, wie (wirklich schon in dieser Kolumne) gesagt, mit zweiundzwanzigeinhalb Metern Gold holen wird. Auf diese Behauptungen melden wir Urheberrecht an und uns damit beizeiten wieder zurück.
*
Urheberrecht – was ist das eigentlich? PI.PI-Mitglieder meinen: nichts. Sein Erfinder nannte es ein »unveräußerliches Recht«. Vor über 200 Jahren. Sein Name: Immanuel Kant. Der mit dem kategorischen Imperativ: »Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.« Leider heute zu oft und auch von anderen Freibeutern subjektiv umgedeutet in: »Die Maxime meines Willens muss als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten«.
*
Nein, nicht diese Töne. Lasst uns angenehmere anstimmen. Nachösterliche. Der Sport-Stammtisch endete am Samstag mit: »Eier!« Mancher Nachgeborene konnte damit nichts anfangen. Aufklärung: Nach einer Bayern-Niederlage wurde Oliver Kahn gefragt, was der Mannschaft gefehlt habe. Gebellte Antwort: »Eier!« Der Interviewer stutzte, fragte nach. Wieder: »Eier!« Dann noch mal: »Eier!« Eine Szene wie in Loriots Sketch vom sprechenden Hund, nur zweisilbig statt des einsilbig dumpfen »Wuff«. Kahn packte damit die elend lange und dumpfe Fußballer-Plattitüde »Wir müssen jetzt Charakter beweisen« mit dem Stilmittel der Ellipse dankenswerterweise in ein einziges Wort.
*
Paradebeispiel eines elliptischen Satzes ist die im akuten Notfall nicht unangebrachte Verkürzung von »Hier brennt ein Feuer, rufen Sie bitte schnellstmöglich die Feuerwehr, damit sie den Brand löscht« zum Ausruf: »Feuer!«
*
Wie gesagt, unsere Ellipse für morgen: FUSSBALL! (gw)

Baumhausbeichte - Novelle