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Dr. Sylvia Börgens zum “Pipilotti”-Anstoß und zum Blog-Zusatz

Danke für Ihren gedankenvollen Kommentar zur “Schande” der Emder Polizei. Ja, es ist ein seelischer Mechanismus, die Erschütterung in Empörung über tatsächliche oder vermeintliche Versäumnisse umzumünzen, weil wir Zorn besser ertragen können als Hilflosigkeit. Ähnlich ist es mit den Schuldgefühlen bei Trauernden: “Ich hätte doch merken müssen, dass das keine normale Grippe war” – “Als seine Frau hätte ich doch erkennen müssen, wie schlecht es ihm in Wahrheit ging” – solche Äußerungen erlebe ich oft. Ich deute sie als einen Versuch, grübelnd die “Weiche” des Lebens, an der die verhängnisvolle Wendung passierte, in die andere Richtung umzulegen. Insofern sind diese Schuldgefühle auch eine Form der Selbstüberschätzung.

Ihr “Anstoß”  von Pipilotti und den schwarzen Schwänen passt dazu: Die Tendenz, den Sport (Fußball insbesondere) und die Welt als folgerichtiger, logischer und zwangsläufiger zu erleben als sie in Wahrheit sind, führt zu einer Redeweise, die mir schon oft aufgefallen ist: Ein Fußballspiel wogt ohne klare Überlegenheit einer Mannschaft hin und her, das erste Tor will einfach nicht fallen. Schließlich nicht lange vor Ende ein Glücksschuss, der einer Mannschaft die Führung bringt. Jetzt spielt sie befreit auf, den anderen gelingt vor lauter Verkrampfung gar nichts mehr, und der Reporter spricht nach dem Abpfiff von einem “letztendlich doch verdienten Sieg”. (Dr. Sylvia Börgens, Dipl.-Psych., Wölfersheim)

Baumhausbeichte - Novelle