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Donnerstag, 5. April, 11 Uhr.

Heute steht der Pipilotti-Anstoß im Blatt und ist ungewollt auch ein Kommentar zu den Schlagzeilen des Tages (“Polizei-Schande”/Bild). Wenn das Böse, das Furchtbare ins Leben einbricht, hilft uns das Schuldzuweisenkönnen ein wenig über das Grauen und die Hilflosigkeit hinweg. Dann war es eben kein Zufall, sondern logisch erklärbar und durch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen verhinderbar. Aber stellen wir uns doch einmal vor, wir wüssten nicht, was geschehen ist bzw. geschehen sollte, aber erfahren von einem jungen Mann, der mit seinem Stiefvater zur Polizei geht und sich selbst bezichtigt, Kinderpornographie zu besitzen und ein kleines Mädchen nackt fotografiert zu haben. Bei allem Ekel, bei aller Widerwärtigkeit verspüren wir doch so etwas wie eine Ahnung von Achtung vor dem jungen Mann, der sich seiner unheilvollen Neigung bewusst zu sein und gegen sie vorzugehen scheint, mit Hilfe der Familie und professioneller Behandlung. Was hätten wir getan? Wegsperren oder sonstige Zwangsmaßnahme? Gewiss sind da auf dem Dienstweg Pannen passiert. Aber gibt es nicht täglich viele Situationen, auf Polizeiwachen und anderswo, bei denen auf die gleiche Weise nicht-reagiert wird? Und würde eine Reaktion, wie wir sie im Nachhinein verlangen, nicht als Überreaktion kritisiert werden, solange sie nicht durch das, was wir erst hinterher wissen, gerechtfertigt erscheint?

Allein auf weiter Flur?

Baumhausbeichte - Novelle