Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Montagsthemen (vom 2. April)

So toll sie spielen können, so anfällig sind sie auch. Grandioses 4:4-Spektakel, aber die Bayern gewinnen humorlos 1:0.  Dortmund versucht also alles, um unsere zwei Wochen alte Vermutung zu bestätigen: Dass die Kurven von BVB und Bayern sich aufeinander zu bewegen. Und zwar ohne größeres aktives Zutun der Bayern. Treffpunkt: 11. April in Dortmund. Dann verabschieden sich die Kurven. Nur: Wohin?
*

Aber vielleicht spottet das Kurvenbild, wie so vieles im Fußball, schon am Samstag seiner Beschreibung: Wenn Dortmund in Wolfsburg antreten muss, bei limitierten, aber abgezockten, also in Klopp-Diktion mit allen Abwassern gewaschenen Legionären à la Piräus, und wenn München als haushoher Favorit gegen Augsburg antritt, diesen Keller-BVB, der ähnlich engagierten Hetz- und Herz-Fußball spielt wie der Meister. Wer von beiden stolpert?
*
Augsburg und seinem Trainer mit dem schwer zu schreibenden Namen (ich kann’s aber: Jos Luhukay) gönne ich völlig objektivlos den Klassenerhalt (klar, Freiburg auch). Wie kam man auch bloß in Berlin und Kaiserslautern auf die Idee mit den Retro-Trainern? Zwar ist Balakow vergleichsweise jung, seine Referenz ähnelt aber der von Rehhagel: sportlicher Erfolg anno dunnemals.
*
Aber auch über unseren Pseudo-Analysen schwebt eine ewige Wahrheit, ausgesprochen von Juan Manuel Lillo. Der Lehrmeister von Barca-Trainer Guardiola, des aktuellen Fußball-Obergurus, erklärt im SZ-Interview fachlich einwandfrei, eindringlich und einleuchtend die Gründe für die Überlegenheit des FC Barcelona, um dann aber auf die simple Gegenfrage, warum Real dennoch deutlich die spanische Tabelle anführt, entwaffnend ehrlich unsere alte »Anstoß«-These aufzugreifen: »Die Wahrscheinlichkeit, dass der Zufall ein Resultat verändert, ist im Fußball größer als in anderen Kollektivsportarten. Der Fußball ist und bleibt ein Sport, bei dem du 1:0 gewinnen kannst, ohne die Mittellinie zu überqueren.«
*
Apropos Real: Den selbsternannten »Königlichen« fällt jetzt ein Zacken aus der Krone, denn sie bauen in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein milliardenteures »Real Madrid Resort Island«, und um muslimische Gefühle nicht zu verletzen, entfernen sie dort, laut SZ, in vorauseilender Unterwerfung das christliche Kreuz aus ihrem Wappen. Geld stinkt nicht? Geld betet nicht.
*
Es riecht trotzdem. Nach Aprilscherz (aber ist’s wirklich einer?). Aprilscherze sind sowieso eine Pest. Wie Fasching im MDR: Einmal (bzw. zweimal) im Jahr lassen wir unseren Humor aber sowas von krachen! Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schaufelt sich gleich die ganze Titelseite mit Aprilscherzen voll: »Mindestalter für Profitrainer« (Lex Rehhagel), »Heinrich Mann schreibt die ›Buddenbrooks‹« (sensationelle Enthüllung), »Große Ehre für Altbundeskanzler: Milchstraße wird in Schmidtstraße umbenannt« (was ham wir jelacht!).
*
Die Schlagzeile der Bild am Sonntag hebelt alle Aprilscherze aus: »Bettina Wulff schreibt ein Buch über ihre 598 Tage als First Lady.« Aprilscherz? Oder nackte und medienzwangsläufige Wahrheit?
*
Jedenfalls kein Aprilscherz: »Rudi Assauer will sich nach einem Jahr Ehe scheiden lassen.« Es stand in allen Zeitungen. Niemand hinterfragte in der Meldung über den an Alzheimer erkrankten Ex-Schalkemanager das Verb. Was kann Assauer wollen, was er kaum noch weiß? Wer »will« da die Scheidung?
*
Zu guter oder schlechter Letzt, wie Sie wollen, diese Geschichte aus dem englischen Fußball: Manchester Citys Trainer Mancini ist stocksauer auf seinen Profi Sergio Agüero, der momentan wegen »einer unfassbar dummen Aktion« (Mancini) nicht einsatzfähig ist. Hat sich Agüero ins Koma gesoffen? Bei einer Pub-Schlägerei ernsthaft verletzt? Hat ihn ein Mitspieler im eigenen Ehebett erwischt und grün und blau geschlagen? Nein, das wäre ja keine unfassbar dumme Aktion, sondern englischer Fußballprofialltag. Der argentinische Nationalspieler Agüero hat mit seinem dreijährigen Sohn gespielt, sich zu dessen und eigener Belustigung auf das Mini-Motorrad des Kleinen gesetzt, sich beim Fahren den Fuß verstaucht und versucht, die Verletzung mit exzessivem Gebrauch von Eisspray selbst zu behandeln. Folge: mittelschwere Verbrennungen.
*
Sergio Agüero ist vielleicht ein Trottel. Aber ganz sicher ein netter Trottel. Gute Besserung! (gw)

Baumhausbeichte - Novelle