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Dienstag, 27. März, 12 Uhr.

Aus dem Leben eines (Sport-)Redakteurs, Teil 2: Als Gelegenheits-Autor für Bücherseite und Feuilleton vor ein paar Jahren den Roman eines Schriftstellers hymnisch im Blatt gelobt. Aus eigener Sicht: ein Jahrzehntwerk, grandios, sprachmächtig, witzig, einfach umwerfend gut. Das Buch war der letzte Teil einer Trilogie. Danach erst die beiden Vorgänger gelesen. Sehr enttäuscht. Anmerkung im “Klappentext” der Bücherseite: “Zwei Püpse und ein Paukenschlag.” Wollte dennoch mit dem Autor in Kontakt treten, um ihn unseren Lesern vorzustellen, denn Teil 3 war einfach zu gut. Ehrlicherweise als Referenz des dem Schriftsteller unbekannten Journalisten die Eloge auf  das Jahrzehntwerk beigelegt, aber auch die “Püpse”. Krachendes Echo eines zutiefst Beleidigten, der seine bitterböse Ablehnungs-Mail nicht mit freundlichen oder sonstigen Grüßen beendete, sondern mit “Pups!” Der Redakteur blieb trotzdem am Ball, mailte erneut, der Autor mailte zurück, schließlich traf man sich hoch im Norden in der Wohnung des Autors, alles war gut, alles ging gut, und der Journalist schrieb zu Ehren des Autors eine ganze und überaus positive (Bücher-)Seite. Danach ergaben sich noch ein, zwei freundliche Mail-Kontakte. Eine neues Buch kam heraus, eine Kurzgeschichten-Sammlung, ebenfalls großartig und große Literatur. Danach freute sich der Redakteur auf den neuen Roman seines – alleine schon durch den dreimal (!) begeistert und immer wieder kichernd gelesenen Paukenschlag – Lieblingsautors. Ein Debüt als Krimischreiber. Vorab von bekannten und einflussreichen Schriftstellern und Literaturszenemenschen über den grünen Klee gelobt, quasi als Neuerfindung des Genres, als Krimikrimi auf Literaturgenie-Niveau. Hatten den Roman vorab gelesen (wirklich?). Der Redakteur kaufte (als Rezensionsexemplar wollte er sich das Buch nicht schenken lassen), las . . . und konnte es nicht fassen. Täuschte er sich? Er las weiter … und weiter. Und gab auf.  Bemüht originell, stilistisch längst nicht auf des Autors Paukenschlag-Höhe, mühsam trendig (mit youtube&Co.Verwurstungen), krude, kraus und zudem langweilig,  und es beschlich den enttäuschten Nichtmehrleser der Verdacht, der Autor habe sich von seinen literarischen Freunden und Gönnern (er gilt schließlich schon seit Jahren als deren Geheimtipp) wie ein Tanzbär am Nasenring durch die Manege ziehen lassen. Zeig mal, was du kannst! Tanz ganz oben mit, auf der Höhe der Zeit! Was macht der Redakteur nun, der (immer wieder zu betonen: aus seiner womöglich beschränkten Sicht) Lese-Zeuge eines schweren persönlichen Schreibunfalls geworden ist? Schreibt er einen gewaltigen Verriss? Lügt er und lobt das Buch, in alter Verbundenheit und Treue? Er schreibt . . . nichts. Und auch dieser Text hier bleibt ohne Buchtitel, Autor und sonstige Erkennungsmerkmale. Der Redakteur weiß: Das ist erstens Feigheit und zweitens kein Journalismus. Und er hofft, ohne understatement, zu dumm für das Buch gewesen zu sein, oder es zumindest beim ersten Versuch nicht verstanden zu haben, nicht das Knöpfchen gefunden zu haben, so geht’s einem ja manchmal, man liest ein Buch, hört enttäuscht und/oder gelangweilt auf, fängt Monate später noch einmal an und versteht nicht mehr, dass man das tolle Werk damals nicht würdigen konnte.

Das Buch liegt auf dem Nachttisch, dort bleibt es liegen, und irgendwann, hoffentlich, kommt der große Knall, erkennt der zuvor so Ignorante: kein Pups, sondern ein Paukenschlag.

Baumhausbeichte - Novelle