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Montagsthemen (vom 26. März)

Posted By gw On 25. März 2012 @ 15:23 In gw-Beiträge Anstoß | Comments Disabled

Alle schimpfen auf »Bild«. Wir nicht. Nicht immer und vor allem nicht heute. Denn »Bild«-Sportchef Alfred Draxler zieht in seiner Samstags-Kolumne zu den Causae (jawoll!) Großkreutz/Asamoah beziehungsweise Matip/Podolski die gleichen Schlüsse über den jeweiligen Zusammenhang mit Fan-Gewalt (wie wir am selben Tag) und Fußball-Gerechtigkeit (wie wir schon immer).
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Der nachträgliche Freispruch für den Schalker Matip ist nichts anderes als die späte Einführung »unserer« Video-Hilfe, getrennt nur noch durch die zeitliche Verzögerung. Allerdings ist Podolskis Sperre ein Rückschlag, aber der passt uns jetzt nicht ins »Montagsthemen«-Konzept, und auf dem steht: »Zeit« + »Verantwortung übernehmen«. Letzteres ist das Interview-Zauberwort der Bundesliga und deckt alles ab, was gemeinhin unter »am Riemen reißen« läuft.
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Im Lauf der Zeit kann allerdings Verantwortung auf unterschiedliche Weise übernommen werden. Denken wir nur an Paul Tibbets, den Atombomberpiloten von Hiroshima, der im gesegneten Alter von 92 Jahren im inneren Frieden starb, ohne den Abwurf jemals bedauert zu haben, im Gegensatz zu seinem Kollegen Claude Eatherly, der seine buchstäblich unfassbaren Schuldgefühle später durch die Schuld amateurhafter Bankeinbrüche fassbar machen wollte und von der Army daher ins Irrenhaus gesteckt wurde. Dagegen wird auf den beliebten Waffenmessen in den USA immer noch ein ganz besonderer Experte als Stargast bejubelt: Russell Gackenbach, eines der letzten lebenden Mitglieder der Bomber-Crew von Hiroshima.
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Unsportlich abgeschweift (unser albernes »abgeschwiffen« ist zu abgedroschen, aber keine Angst, andere Kalauer folgen noch). Zurück zum Sport und zur Zeit: An dieser Stelle haben wir früh auf das neuseeländische Wunderkind Jacko Gill aufmerksam gemacht, aber auch auf die verrinnende Zeit hingewiesen, in der Gill (knapp 17!) sein unglaubliches Talent ohne zu überpacen ausreifen lassen muss. Am Wochenende stieg er wieder in den Ring, stieß »nur« 22,30 Meter (6-kg-Kugel), stagniert also in einem Alter, in dem Stagnation Rückschritt bedeutet. Aber lassen wir ihm: Zeit.
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Oswald Spengler schrieb einst im »Untergang des Abendlandes«: »Es waren die Deutschen, welche die mechanischen Uhren erfanden, schauerliche Symbole der rinnenden Zeit.« In der Nacht zum Sonntag verrann sie besonders schauerlich schnell. Da fragt sich bzw. wir Sie: Haben Sie rechtzeitig die Zeit umgestellt? Oder doch wieder nur die Uhr, weil’s mit der Zeit selbst für Einstein zu schwierig war?
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Sorry, das war der erste Kalauer. Doch der zweite folgt sogleich. Erste Nachrichtenmeldung, die dem sonntagmorgendlichen Kolumnisten nicht auf den Schreibtisch flattert, sondern von dpa gemeldet auf dem Bildschirm blinkt: »Streit über die Lizenz zum Töten von Tauben.« Unglaublich! In welcher Zeit leben wir denn? Zum Glück bin ich nur schwerhörig. (gw)


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