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Sonntag, 18. März, 6.30 Uhr.

Senile Bettflucht ist gefährlich, wenn der Senile auch im Auto noch im Fluchtmodus fährt. Sechs Uhr früh, der Morgen graut, und mir graut auch, denn ein roter Blitz explodiert vor meinen Augen – wenn’s kein UFO ist, das lautlos implodiert, bin ich soeben geblitzt worden, dort, wo nie geblitzt wird, jetzt, am frühesten Sonntagmorgen. Die Finanznot der Gemeinden nimmt dramatische Züge an. Wäre im Zug nicht passiert. Aber auf meiner Strecke fährt kein Zug. Nur früher, sehr viel früher,  die Bieberlies.
Gleich fahren sie viel schneller und kriegen kein Knöllchen. Guck ich Vettel/Schumi? Nö. Keine Zeit. Keine Lust. Danach Wahl. Interessiert’s mich? Nö.  Deutschland wählt den Frühstücksdirektor-Superstar. Obwohl es eine aparte Geschichte ist: Der gewählt wird, passt nicht in das Anforderungsprofil derer, die ihn gewollt haben, sondern viel eher in das derer, die ihn verhindern wollten. Die Gegenkandidatin, deren Lebensaufgabe der Kampf gegen den Antisemitismus ist, wird von einer Partei vorgeschlagen, die, vorsichtig ausgedrückt, ein Antisemitismusproblem hat. Weiter im Text. Mailbox-Nachtlieferung: Ich soll Mrs. Robina Kofi kontaktieren, Ehefrau des verstorbenen  Eng. Johnson Kofi, der vor einigen Jahren in den Goldminen von Ghana gestorben ist. Sie hat Krebs im Endstadium und eine Stiftung, die ich übernehmen soll. Wird mich reich und berühmt machen. Ich schwanke noch, denn Dr. Maria Gonzalez Drigo macht mir ebenfalls ein Angebot, das ich nicht ablehnen kann: Ich habe Millionen in der Lotterie nacional gewonnen, muss mich nur melden, um sie einzusacken. Nun noch Kontrolle der wichtigsten Meldungen der Nacht: Federer schlägt Nadal, Thorpe verpasst Olympia-Quali, Curling-Frauen schlagen Dänemark. Und ohne Sport? Nichts auch nur ansatzweise Interessantes. Nur eine Vorabmeldung des »Spiegel«: Deutschland ist für eine Katastrophe wie in Fukushima nicht gerüstet. Ist ja auch nicht ganz so einfach, bei uns ein Erdbeben mit anschließendem Tsunami zu simulieren. Und jetzt Pause bis zu den Montagsthemen. Stehen in drei, vier Stunden  rechts als Link, sind, wie alles im Blog, weder links noch rechts, aber vor allem: nicht link. Link ist nur, wenn mich sonntags um sechs ein UFO blitzt.

Baumhausbeichte - Novelle