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Der Eintrag von gestern aus Karben ist es wert, weiter publizistisch verfolgt zu werden. Im Vordergrund meines Interesses steht die Frage, was an Broders Auffassung denn so interessant, auch noch hochinteressant ist. Das Interesse also des Eintragenden interessiert mich. Erst eigentlich wenn wir dieses kennen, können wir über Broders Buch »Vergesst Auschwitz« diskutieren. Vorab nur ein leicht kommentiertes Broder – Zitat: »Die so genannte Erinnerungskultur besteht größtenteils aus Wohlfühlritualen für die Nachkommen der Täter, die sich selbst darin bestätigen, wie vorbildlich sie mit der Geschichte umgehen«, In der Gedenkstätte Auschwitz finde teilweise »Gruseltourismus, ein obszönes Disneyland des Todes« statt. Das Gedenken, der Erinnerungstourismus habe sich von den Opfern vollkommen entfernt, sagt Broder. Und dann kommt es was, was nun wirklich interessant ist: Es wäre sinnvoll, sagt Broder, wenn die Erinnerung zum Nachdenken anregen würde, wie man Menschen helfen kann, die heute verfolgt werden. Aber das sei nicht der Fall. Damit stünde Broder wenigstens teilweise in der Tradition jener Philosophen, Politiker, Theologen, die eine authentische Erinnerung fordern: den Opfern zuliebe alles daran setzen, es nicht wieder zu dergleichen kommen zu lassen. Erinnerung ist nur gut, wenn sie Konsequenzen für die Lebenden und für eine menschenwürdige Zukunft hat, um die Würde der Opfer zu wahren, um sie nicht erneut zu Opfern zu machen, diesmal zu Opfern einer instrumentalisierten Erinnerungskultur. Einen Sinn ergibt Auschwitz dennoch nicht, man darf nichts in diese Gräuel hineinharfen.
Und noch etwas: warum eigentlich so verschwörerisch mit Ihrem Ägypter umgehen? Ihre Auslassung gibt doch offensichtlich sofort Nahrung zu Spekulationen. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild)

Baumhausbeichte - Novelle