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Als Ihnen durchaus geneigter Leser musste ich zuletzt diverse Male erfahren, dass auch einem der Sprache zugeneigten Redakteur wie Ihnen durchaus Fehler unterlaufen können/dürfen. Oder sich beim Lesen des Anstoß zumindest spannende Fragestellungen ergeben. Da ist zum einen Male die leidige Frage zu klären, ob der Reportage-Text oder die Kurzmeldungs-Seite gekoppelt werden dürfen oder nicht (wurde vielleicht schon diskutiert, ich bin aber ein Neuleser). Nach der Neuen Deutschen Rechtschreibung (hier als Eigenname großgeschrieben) d ü r f e n zusammengesetzte Worte n u r gekoppelt werden, wenn sie aus deutschem und Fremdwort (Beispiele: Running-Schuh, Erfolgs-Telenovela) bestehen (wobei hier nicht eingedeutschte Worte wie Baby, also Eisbärbaby, nicht Eisbär-Baby oder Show, also Showstar nicht Show-Star, gemeint sind). Außerdem dürfen zusammengesetzte Wörter gekoppelt werden, wenn sie sonst besonders schwer zu lesen wären (Hartschaumsohlen- Neuheit statt Hartschaumsohlenneuheit).  Wörter, die ein sogenanntes Kopplungs-S aufweisen, werden k e i n e s f a l l s gekoppelt (z. B. Lieblingsschuh). Während diese beiden Punkte recht eindeutig sind – das Argument der Lesbarkeit für den geneigten Leser lasse ich nur bedingt gelten –, wird es bei der Wortschöpfung grammatisch im Zusammenhang mit »Noch’n Werteverfall. Ein grammatischer.« im letzten Absatz durchaus spannend. Zunächst stellte sich ein spontanes »Das muss doch grammatikalisch heißen« bei mir ein, doch ein Blick in pon’s belehrte mich auf den ersten Blick anscheinend eines Besseren, denn grammatisch gibt’s durchaus – wenn auch »nur« als Begriff aus der Linguistik. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Verschiedene Wörterbücher setzen grammatikalisch und grammatisch gleich – was aber laut faql.de/ Wortgebrauch dem tatsächlichen Sprachgebrauch zuwiderläuft. Fazit: »grammatisch bietet sich für den an, der nicht trennen mag oder den Bannstrahl deutscher Linguisten fürchtet. Wer nicht alle sprachlichen Feinheiten einebnen möchte und es gerne etwas nuancierter hätte, dem sei für die Bedeutung die Grammatik betreffend das Wort grammatikalisch nahegelegt.«

Tja – und so muss ich – kleinlaut geworden – zumindest letzteren Einwand demütig zurückziehen…
Ich werde den Anstoß weiter mit Vergnügen – und aufmerksam – lesen. (Horst Engelbach)

Baumhausbeichte - Novelle