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Sonntag, 11. März, 6.25 Uhr.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, verspricht Hesse via HR-Impressionen. Jedenfalls fängt dieser Sonntag wie von Zauberhand viel heller an als die dunklen Sonntagmorgende zuvor. Nachts schon die Montagsthemen konzipiert. Idee: Wir amüsieren uns  informierend zu Tode. Oder nur, das ikoniale Zitat variierend: Wir informieren uns zu Tode. Via Facebook, youtube, Twitter & Co., hin und her springend von einer Info zur nächsten: Podolski vom Platz – Lell beschimpft ihn später – Warum? Poldi hatte ihn doch gerächt, mit der Ballack-Ohrfeige – Hätte damals Rot sehen müssen, gestern nicht, also ausgleichende Ungerechtigkeit – Was hatte Boateng gegen Ballack? Nicht der gute Jerome, sondern der böse Prinz  – In Mailand der König. Bei Ex-König Berlusconi  – Das Foto der Woche: Drei kleine große Machos. Zwei zu Besuch bei Putin, der eine war Berlusconi; der andere? Vergessen; Schröder war’s nicht – Der lief mit 48 die 100 Meter in 12,8. Behauptete er. Wer’s glaubt . . . Da wäre er ja fast noch schneller als der deutsche Sprinter bei der Hallen-WM in Istanbul – Dort zeigt Storli, dass er das bisher größte Talent des Jahrtausends und jetzt schon allen Kugelstoßern weit überlegen ist; den „richtigen“ Stoßern; die anderen, die sich drehen, bleiben unkalkulierbar – Demnächst das große Spektakulum: Storl gegen das sich rasend drehende Wunderkind Jacko Gill – und so weiter, und so weiter. Wollte damit zeigen, wie wir uns mit Informationen überfüttern und sie nicht verdauen, denn am Ende der Montagsthemen hätte der Leser nicht mehr gewusst, welche Informations-Häppchen er gelesen hat. Aber jetzt, am frühen Morgen, wirkt das Vorhaben sehr konstruiert. Ich lass es lieber. Taugt wahrscheinlich nicht einmal zum Kolumnen-Steinesbruch. Apropos Steinbruch – was macht eigentlich Steinbrück? Si tacuisses, candidatus mansisses? Hat er’s gerafft, übt späte Abstinenz, um rechtzeitig wieder anzutreten, also nicht als ungeduldiger Frühstarter?

Schnell noch ein Blick auf die Nachrichtenlage der Nacht: Kohle-Renaissance! Globaler Anstieg wg. Energiekrise lässt Co2-Werte steigen. Hat nicht ein führender Greenpeace-Mann behauptet, Atomausstieg wäre wegen der Co2-Konsequenzen das größere Risiko? Hab keine Meinung dazu. Dann noch die übliche Meldung, könnte eigentlich täglich durchlaufen: „Gewalt in Nahost geht weiter.“  In dieser Woche eine Mail bekommen, vom alten Freund A. aus Kairo, USC-Vereinskamerad in Heidelberg und ägyptischer Meister im Dreisprung und Speerwerfen (hab im Blog oder in der Kolumne schon mal von ihm erzählt). A. hängt an die Mail seine Einschätzung der Lage in Ägypten und in der Welt an. Würde ich die zwei Blatt Text veröffentlichen, brächte ich die Staatsanwaltschaft in Konflikte: Würden mir rechtsradikale oder linksradikale Umtriebe vorgeworfen? Rassismus, Volksverhetzung sowieso. Knast wäre mir jedenfalls sicher.  A.’s Text kommt also in den Giftschrank. Schade, denn es ist sehr interessant, schockierend und wahrscheinlich sehr bezeichnend und unter Muslimen weit verbreitet, in wem und warum intelligente, freundliche, warmherzige und gebildete Menschen das Übel ihrer und der Welt überhaupt erkennen. Resignierte Erkenntnis: Trotz aller Initiativen und Initiativchen und hehren Worte steht nur fest: „Gewalt in Nahost geht weiter“, als Endlos-Text.

Schluss jetzt. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, aber er muss ja endlich mal anfangen, der Anfang, nachdem schon eine halbe Stunde Arbeitszeit verblogt (und daher verplempert?) ist. Nein, 7.10, schon eine Dreiviertelstunde! Jetzt aber los, ab ins Papier!