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Montagsthemen (vom 12. März)

Bayern in der Krise – BVB wunderbar – Bayern wunderbar – BVB in der . . . Krise? Nein, so weit geht das wöchentliche mediale Wechselspielchen nun doch nicht. Nur eines scheint klar: Noch ist nichts entschieden, aber wenn’s entschieden wird, dann nur zwischen diesen beiden.
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Es wird Zeit, dass Manuel Neuer mal wieder ganz alleine ein Spiel gewinnt. Er scheint zwar im Kopf gefestigt, doch diese Saison knabbert auch am dicksten Nerv. Selten was zu tun, dennoch schon mehr als einmal zu oft entscheidend daneben gegriffen, und wenn mal gar nichts aufs Tor zu kommen scheint, tunnelt ihn der eigene Mann.
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Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung widmet dem Comeback-Kicker Christian Pander einen angemessen lobenden Artikel unter der Überschrift »Herr der ruhenden Bälle«. Eine Steilvorlage für unsere alte und immer wieder schöne Geschichte: Pander wurde im ZDF einst wegen seiner »Bratpfannenflanken« gerühmt. Erst viel später wurde bekannt, dass der Sprecher den geschriebenen Reportage-Text falsch nachgesprochen hatte, denn Panders Flanken hießen dort »Brandfackeln«. Womit aber das gelungen war, was Pazifisten (»Schwerter zu Pflugscharen«) nie verwirklichen konnten: »Brandfackeln zu Bratpfannen!«
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Brandfackeln oder Bratpfannen sind’s nicht, die beim Biathlon geschossen werden. Trotz aller Lena-Euphorie und trotz stolzer Zuschauerzahlen  schossen ARD und ZDF  an ihren insgeheim erhofften  zweistelligen Quoten deutlich vorbei. Anzeichen des medialen Overkills der letzten Jahre? Stichwort Wahnsinn auf Schalke? Und endet mit Neuners Karriere auch das Biathlon-Hoch? Oder kommt Magdalena wieder? Trotz aller glaubhaften Beteuerungen, dass Schluss mit Lauf und Schuss sei: Die immer noch sehr junge Frau hat, was kaum thematisiert wird, ihr wichtigstes Ziel nicht erreicht: Gold im Einzel, in der wichtigsten und  wahren Disziplin dieser auf elf Wettbewerbe aufgeblasenen Sportart. Das könnte in ein, zwei Jahren bei Magdalena Neuner Nachholbedarf wecken.
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Dann wäre sie immer noch jung genug. Noch jünger: Kugel-Phänomen David Storl. In Istanbul wurde unsere alte These bestätigt, dass Storl das größte Talent seit Randy Matson und allen anderen Kugelstoßern jetzt schon überlegen ist; den »richtigen« Stoßern allerdings nur. Die anderen, die sich drehen, bleiben unkalkulierbar. Siehe Istanbul. Demnächst das große London-Spectaculum: Storl gegen das sich wie rasend drehende neuseeländische Wunderkind Jacko Gill? Na ja, wahrscheinlich zu früh für den gerade erst 17 Gewordenen. Also: Gold für Storl, mit zweiundzwanzigeinhalb Metern (kommt in die Vorhersage-Kiste)!
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Wirklich zu früh für Gill? Nietzsches Umwertung aller Werte hat nun auch den Sport erfasst. Auf unserer Kurzmeldungs-Seite (bitte ein paarmal weiterblättern) verbergen sich nicht nur aparte Ergebnisse wie das 82:0 von Frankfurt gegen Heusenstamm in der Rugby-Bundesliga, sondern auch der dritte Platz einer Zehnjährigen bei der Halfpipe-DM. Bei den Männern siegte ein 16-jähriger Opa.
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Apropos Opa: Unter uns Älteren wird oft und gerne behauptet, dass Werteverfall und Verrohung der Jugend unsere Gesellschaft bedrohen. Oder gilt eher die Umwertung dieses Negativwertes: Werteverfall und Verrohung unserer Gesellschaft bedrohen die Jugend?
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Na ja, vielleicht zu große Keule. Auf ein Werteverfällchen stupsen wir nur mit dem Wattestäbchen: Fast unbemerkt blieb die PR-Aktion des Box-Trainers Fritz Sdunek, der sein Erinnerungsbuch vermarkten muss und daher per »Bild« zugab, dass sein Schützling »Tiger« die Schmerzen nach dem Tiefschlag des nach Punkten klar führenden »Rocky« nur vorgetäuscht hatte. Interessiert’s wen? Nö. Werteverfall im Sport sublimieren wir ausschließlich unter dem Stichwort Doping. Der Rest ist Cleverness.
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Noch’n Werteverfall. Ein grammatischer. Die »Süddeutsche« schreibt über einen Stalker-Prozess: »Seine Frau hatte Franco B. oft auf offener Straße verprügelt.« Wer wen? Es ist die Frau und nicht der Franco, der prügelt. Richtig wäre also . . . wenn keiner von beiden prügelt. Und schon gar nicht »auf offener Straße«. Wir lesen und hören doch täglich, dass die grässlichsten Dinge auf dieser offenen Straße geschehen. Warum macht man die nicht einfach mal zu? (gw)

Baumhausbeichte - Novelle