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Montagsthemen vom 5. März

Die unvergleichliche Magdalena ist kein Montags-, sondern ein Feiertagsthema. Das Duell Bayern gegen BVB, das keines mehr ist, war zuletzt zu oft ein Montagsthema. Dass der neue DFB-Boss den Video-Beweis strikt ablehnt, soll uns hier auch nicht interessieren – wir sind schließlich ebenfalls strikt gegen den Oberschiedsrichter Video-BEWEIS, unser Mantra heißt seit Jahrzehnten Video-HILFE für den Schiedsrichter.
Aber Klitschko, den hatten wir lange nicht mehr. Ihm wird vorgeworfen, dass er nur noch angefaultes Fallobst zu Mus macht. Aber was kann er dafür, dass in seiner Gewichtsklasse nur noch Fallobst herumfällt?
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Der frühe Wladimir wurde ab und zu knockout geschlagen, weil er fürchterlichen Dampf in den Fäusten, aber keine Ausdauer hatte, so dass er einst in Kiew (1998, Puritty!) nach zehn hoch überlegenen Runden fix und fertig aufgeben musste. Mittlerweile, das kluge Kerlchen Klein-Klitschko hatte sein Training umgestellt, kann er auch längerrundig und sogar nach Punkten gewinnen, was aber die Maximalschlagkraft der ersten Runden beeinträchtigt (warum, das war muskelphysiologisch ebenfalls schon oft ein Anstoß- und ist daher heute kein Montagsthema).
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Die aus der puren, nackten, hilflosen Puritty-Not geborene Wandlung des Wladimir ist sehr gesundheitsschädlich. Für den Gegner. Barmherziger als langrundiges Birneweichklopfen ist jedenfalls der Ein-Schlag-Knockout in Runde eins. Es sei denn, man hat als cleverer Franzose nach zwei Runden in Doppeldeckung die vertragliche Pflicht erfüllt und wird von der schweren Börse zu Boden gezogen. Halb schlug man ihn, halb sank er hin.
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Die Klitschkos liefern den »schlagendsten« Beweis dafür, dass Boxen kein Sport ist (schon gut, es gibt Gegenbeweise, bitte kein Remix des alten Streits): Im »richtigen« Sport kann man im brüderlichen Wettstreit gegen jeden antreten. Klitschko-Schwur: Nicht gegen den eigenen Bruder! Sonst wird Mutti sehr böse. Zu Recht.
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Die kleinen, die ganz am Rande, das sind die echten Montagsthemen. Es gibt Wörter, über die man immer wieder stolpert. Zum Beispiel Rubgy. Nein, Rugby. Oder doch Rubgy? Jetzt aber: Rugby, Rugby, Rugby. Wir bremsen nicht nur für Tiere, sondern schreiben auch für Randsportarten. Unser Freigehege dafür: »Aktuelles in Zahlen« und »kurz notiert«. Und wie sich der Redakteur mit früherer zweiter Heimat Heidelberg freut, wenn er die Zehner-Bundesliga im . . . Rugby! . . . wenigstens in Kurzform unterbringen kann. Siehe »Aktuelles in Zahlen«. Mit vier Heidelberger Klubs (RK, RG, Handschuhsheim und Neuenheim). Früher war alles allerdings noch viel besser, da waren es fünf. Plus fünf aus Hannover.
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Ebenfalls nur ein Rand- und daher echtes Montagsthema: Männer und Frauen kontra Damen und Herren. Auch dieser Kampf findet in »Aktuelles in Zahlen« statt, wir mischen uns nicht ein. Tischtennisspieler bestehen auf Damen und Herren, Fußballer auf Männer und Frauen. Sollen sich Männlein und Weiblein doch nennen, wie sie wollen.
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Manche (und frauche?) fanden es herrlich, als die Dame Klarsfeld den Herrn Bundeskanzler ohrfeigte. Für sie wird jetzt leider ein weiterer Mythos der altbundesdeutschen Neuzeit entzaubert: Laut »FAS« holte Beate Klarsfeld, bevor sie ausholte, strategischen Rat und das Plazet von Ulbricht in Ostberlin ein. Die SED versprach ihr »jede erdenkliche Hilfe«. Die Partei hält nicht ihren Namen, aber ihr Wort.
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Zum Proporz ein Schwinger in die andere Richtung: Der Sudoku-Skandal, er ist wirklich einer. Nicht weil Schäuble dem populistisch-parteitaktischen Griechenland-Blabla nicht zuhören mag, sondern dass er die uninspirierende Neunerfeld-Abzählerei vorzieht, statt sich an kreativeren Rätseln zu üben. Griechenland ist so eines – und nicht mit Erbsenzählerei zu lösen.
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Auf einen Schlag Linke, Konservative und Sudoku-Freunde verärgert. Jetzt muss aber Schluss sein! Zu schlechter Letzt noch der Grund für Magdalena Neuners Rücktritt in Kurzfassung: Sie hatte mit Müssiggang keinen Müssiggang und will ohne Müssiggang Müssiggang haben.
Sorry, Namenskalauer sind ja verpönt. Und der hier gagt auch nur, wenn man das »ß« ignoriert. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle